Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 14.08.2019


Exklusiv

Keine Hunde in Innsbrucker Taxis: „Mit dem Glauben hat das nichts zu tun“

Dass viele Taxler keine Hunde mitnehmen, habe keine religiösen, sondern rechtliche und Sicherheitsgründe, meint ein Innsbrucker Taxifahrer.

Die wenigsten Kunden hätten Transportboxen für ihren Hund mit dabei, erklärt Taxifahrer Veysel Dirmik. Laut Innung können die meisten Hunde aber auch im Fußraum „gefahrlos transportiert“ werden.

© iStockphotoDie wenigsten Kunden hätten Transportboxen für ihren Hund mit dabei, erklärt Taxifahrer Veysel Dirmik. Laut Innung können die meisten Hunde aber auch im Fußraum „gefahrlos transportiert“ werden.



Von Michael Domanig

Innsbruck – Warum sind viele Taxifahrer nicht bereit, Hunde zu transportieren? Diese Frag­e wird in Tirol derzeit wieder heftig diskutiert. Jüngster Anlass ist, wie berichtet, der Fall einer Innsbruckerin, die ihren Hund (in einer Transportbox) zum Flughafen mitnehmen wollte – und Probleme hatte, ein Taxi vorzubestellen. Die Begründung in der Funkzentrale (die von den Geschäftsführern auf TT-Anfrage bestätigt wurde): Die meisten Fahrer hätten Migrations­hintergrund – und würden es aus Glaubensgründen ablehnen, Hunde mitzunehmen, da diese im Islam als „unrein“ gelten würden.

Ganz anders sieht das Veysel Dirmik, der in Innsbruck seit fünf Jahren Taxi fährt, davon seit drei Jahren als Selbstständiger. Er wolle keine Kritik an der Funkzentrale üben – aber dass die Mitnahme von Hunden zum Teil verweigert wird, habe nichts mit Religion zu tun. Für Muslime gebe es keine unreinen Tiere: „Unsere Einstellung ist, alles zu lieben, was Gott erschaffen hat – und weil Gott alles erschaffen hat, müssen wir alles lieben.“ Das Religionsargument werd­e höchstens von manchen Fahrern „als Ausrede“ vorgebracht, glaubt Dirmik. Aber es gebe auch viele Taxifahrer christlichen Glaubens – etwa aus Ex-Jugoslawien oder Ägypten –, die keine Hunde mitnehmen.

Der Grund dafür seien vielmehr rechtliche bzw. Sicherheitsfragen: „Viele Fahrgäst­e bestellen ein Taxi, ohne zu erwähnen, dass sie einen Hund mitbringen. Und dass sie eine Transportbox mit dabeihaben, ist äußerst selten.“ Zudem seie­n viele Taxi­s Limousinen. „Aber wenn jemand mit einer Transportbox kommt, dann muss der Wagen ein Kombi sein, damit die Box im Kofferraum sicher befestigt werden kann“, meint Dirmik weiter. „Denn was ist, wenn das Taxi zu einer Vollbremsung gezwungen ist und das Tier verletzt wird?“ Aus demselben Grund sei es auch nicht akzeptabel, wenn Fahrgäste den Hund auf den Schoß nehmen wollen.

Kunden, die Hunde im Taxi mitführen wollen, empfiehlt Dirmik, eine Transportbox anzuschaffen – und direkt einen Kombi zu bestellen.

Gabriel Klammer von der Wirtschaftskammer Tirol, Sparte Transport und Verkehr, widerspricht deutlich: Rechtlich sei die Angelegenheit absolut klar: „Tiere gelten hier als Sachen – und sind im Fahrzeug so zu sichern, dass sie mich und andere nicht gefährden.“ Die meisten (kleineren) Hunde seien „im Fußraum gefahrlos zu transportieren“ – was natürlich auch in Limousinen möglich sei –, ansonsten mittels Transportbox oder Netz. „Wer führt heute schon noch einen großen Schäferhund mit sich?“ Richtig sei jedoch, dass Hunde nicht auf der Sitzbank untergebracht werden dürfen, das sei schon aus Rücksicht auf die nachfolgenden Passagiere nicht möglich.

Grundsätzlich hafte der Taxi­fahrer, wenn ein Tier nicht ausreichend gesichert sei, bestätigt Klammer. „Aber wenn ich den Kunden darauf hinweise, das Tier zu sichern, und dieser zuwiderhandelt – indem er etwa das Tier auf den Schoß nimmt –, dann ist der Kunde verantwortlich. So ist es ja auch bei der Gurtenpflicht.“ Für den Taxifahrer sei es in solchen Fällen aber auch möglich, den Kunden auszuschließen, „weil ich ja auch selbst gefährdet bin, wenn das Tier nicht richtig gesichert ist“. Auch wenn ein Hund übermäßig schmutzig sei, könne die Mitnahme natürlich verweigert werden.

Was einen etwaigen religiösen Aspekt angeht, teilt man bei der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGÖ) die Einschätzung des Innsbrucker Taxilenkers: „Das Problem mit Haustieren in Taxis ist kein religiöses, sondern ein hygienisches respektive sicherheitstechnisches. Muslimische wie nicht muslimische Taxilenker berichten uns über die mühsame Reinigung, wenn etwa Hunde von Fahrgästen haaren“, heißt es dazu auf Anfrage der TT. Und weiter: „Da etwa muslimische Taxilenke­r mit den Haustieren der Fahrgäste keinen direkten Umgang haben müssen, stellt sich die Frage nach allfälligen religiösen Bedenken aus unserer Sicht nicht.“

Generell, so IGGÖ-Pressesprecher Rusen Timur Aksak, „empfehlen wir Muslimen, wenn es um Beruf und Religion geht, das offene Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen, da das seit Jahrzehnten eine bewährte und erfolgreiche Praxis bei uns in Österreich ist und in der Regel zu guten, vernünftigen Kompromissen führt“.




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