Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 14.08.2019


Gesellschaft

Farbige Plaketten für Hunde statt Leinenpflicht?

Christian Steiner hat zum neuen Hundehalter-Gesetz eine Alternative erarbeitet. Die Behörden haben Bedenken.

Der Halter soll, laut Vorschlag, bei der Gemeinde selbst angeben, wie sehr ihm sein Tier gehorcht. Je nach Kategorie (Grün, Orange, Rot) sind verschiedene Rechte und Pflichten die Folge.

© Vanessa Rachle / TTDer Halter soll, laut Vorschlag, bei der Gemeinde selbst angeben, wie sehr ihm sein Tier gehorcht. Je nach Kategorie (Grün, Orange, Rot) sind verschiedene Rechte und Pflichten die Folge.



Strass i. Z., Innsbruck – Ein Zuruf und schon kommt Pauli angelaufen. Ein Fingerschnippen und der Mischlingshund rührt sich nicht vom Fleck – wenn es sein muss auch über Stunden. Seit neun Jahren ist Christian Steiner sein Herrl. Und mit der geplanten Novelle des Landespolizeigesetzes, wodurch in allen Tiroler Gemeinde eine generelle Leinen- und Maulkorbpflicht eingeführt werden soll, hat er ein Problem. Denn: „Wieso sollte mein Hund, der mir blind gehorcht und niemandem was tut, an die Leine?“

Der 59-Jährige aus Kramsach kritisiert aber nicht nur. Er hat sich etwas einfallen lassen. „Mein Vorschlag sieht vor, die Eigenverantwortung der Hundehalter zu stärken. Wenn diese ihr Tier bei der Gemeinde anmelden, sollen sie selbst bestimmen, wie folgsam dieses ist“, sagt Steiner. Für eine von drei Kategorien müssten sich Herrl oder Fraul dann entscheiden: Grün, Orange oder Rot. In dieser Farbe solle dann eine Plakette ausgestellt werden, die der Hund immer und klar sichtbar tragen müsste. „Grün bedeutet, dass das Tier absolut folgsam ist, auch an fremden Hunden bedenkenlos vorbeigehen kann, daher keine Leine tragen muss. Eine orange Plakette, die wohl die meisten tragen würden, verpflichtet zur Leine“, erklärt Steiner. Rot bedeute Gefahr, der Hund sei aggressiv und müsse ständig Maulkorb und Leine tragen. An die Entscheidung der Halter zu einer Farbe seien entsprechende Pflichten geknüpft. Werde das Tier auffällig, drohen Strafen bis hin zur Abnahme des Hundes.

Mit Unterstützung des Landtagsabgeordneten Markus Sint von der Liste Fritz hat der Kramsacher seine Idee auch schon der Landesverwaltung vorgestellt. Aber ohne Erfolg. „Sie hat zwar viele gute Ansätze“, sagt Josef Hauser von der Abteilung Gemeinden des Landes Tirol, „aber die Behörden können nicht die Verantwortung abgeben, einzuschätzen, wie gefährlich ein Hund ist.“ Würde beispielsweise ein Hund mit grüner Plakette jemanden beißen, wären die rechtlichen Folgen nicht abzusehen. (bfk)