Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 16.08.2019


Geschichte

(Süd-)Tiroler Zeitgeschichte: Von Optanten und Deserteuren

Ein Film und eine Lesung beschäftigen sich in Telfs mit der (Süd-)Tiroler Zeitgeschichte.

Franz Thaler (1925–2015) aus Reinswald im Sarntal war einer der bekanntesten Wehrmachtsdeserteure in Südtirol.

© Matthias BreitFranz Thaler (1925–2015) aus Reinswald im Sarntal war einer der bekanntesten Wehrmachtsdeserteure in Südtirol.



Telfs – Das vor 80 Jahren zwischen Hitler und Mussolini abgeschlossene Optionsabkommen, das die so genannte „Rückwanderung“ der deutsch- und ladinischsprachigen Bevölkerung Südtirols zum Ziel hatte, stellte die Südtiroler vor eine äußerst schwierige Wahl: „Dableiben oder außigian?“

In Telfs nimmt das Thema Option heuer gleich mehrfach einen prominenten Platz ein: Die Tiroler Volksschauspiele zeigen derzeit in der Südtiroler Siedlung die hochgelobte Bühnenfassung von Felix Mitterers ORF-Mehrteiler „Verkaufte Heimat“ – und in der Villa Schindler läuft noch bis 17. Oktober die berührende Ausstellung „Walter Pichler: Für meine Mutter“.

Als Teil des Rahmenprogramms dieser Ausstellung wird am Sonntag, den 18. August, der Film „Risse“ von Melanie Hollaus gezeigt – und zwar um 20.45 Uhr am Spielort der Volksschauspiele.

Die Tiroler Regisseurin hat über die „Option“ und die in der Folge entstandenen Südtiroler Siedlungen einen Film geschaffen, für den auch in Telfs gedreht wurde. Mehrere Telfer Zeitzeugen kommen zu Wort. Neben den Schicksalen der Optanten, „Dableiber“ und „Rückwanderer“ steht auch der aktuelle Umgang mit den Südtiroler Siedlungen (zwischen Erhalt, Abriss und Neubau) im Fokus.

Einer in Südtirol häufig ausgeblendeten Geschichte – nämlich jener der dortigen Wehrmachtsdeserteure und NS-Widerstandskämpfer – nimmt sich dann am Dienstag, den 3. September, eine Lesung mit Musik in der Villa Schindler (Obermarkt 45) an. Bereits 1993 erschien in Südtirol ein – in Nordtirol kaum beachtetes – Buch, in dem Erinnerungen von Deserteuren und ihren Angehörigen geordnet nach Talschaften dokumentiert wurden. Zwei dieser Erinnerungen werden am 3. September, den Schwerpunkt „Option“ ergänzend, vorgestellt. Beginn ist um 19 Uhr, gestaltet wird der Abend von Matthias Breit, dem Leiter des Gemeindemuseums Absam, und dem Musiker Matthias Legner. (TT)