Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 18.08.2019


Tirol

Pilzsaison: Nach der Hitze hat das große Sprießen im Wald begonnen

Der heißeste Sommer der bisherigen Messgeschichte brachte auch einen späten Beginn der Pilzsaison in Tirol mit sich.

Frische Pilze aus Tirol: Die Saison ist eröffnet.

© Spirk-PaulmichlFrische Pilze aus Tirol: Die Saison ist eröffnet.



Innsbruck — „An einem Tag sind so viele zu uns gekommen wie bisher das ganze Jahr noch nicht", sagt Andreas Nußbaumer, Leiter des Referats Lebensmittelaufsicht/Marktwesen der Stadt Innsbruck. Die diesjährige Pilzsaison ist endlich eröffnet — nach einem wegen der sehr hohen Temperaturen und der Trockenheit um einige Wochen verschobenen Start: „Um wachsen zu können, brauchen Pilze Regen und milde Temperaturen."

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Das schöne Wetter ließ jetzt die Pilzesammler ausschwärmen, viele nehmen die Gelegenheit wahr, ihre Schwammerln bei der Stadt Innsbruck von Experten bestimmen zu lassen. Die Pilze sollten dafür möglichst komplett sein — samt Hut und Stiel. Möglicherweise giftige Pilze sollten getrennt transportiert und aufbewahrt werden, rät Nußbaumer. Eindeutig giftige, wie Knollenblätter- oder Fliegenpilze, sind leicht zu erkennen und selten darunter, größer ist die Verwechslungsgefahr etw­a beim Wald- und Wiesenchampignon und dem Karbolegerling, den man laut Nußbaumer gut am Geruch erkennen kann. „Er riecht nach Karbol oder Tinte. Außerdem verfärbt sich die Stielbasis beim Aufschneiden." Durch Reiben am Hut kommt der Geruch noch stärker zur Geltung.

Regeln und Tipps von den Pilzexperten

  • Pilzschutzverordnung für Tirol: Pro Person dürfen pro Tag jeweils von 7 bis 19 Uhr maximal zwei Kilo Pilze gesammelt werden.
  • Richtig sammeln: Pilze sollten entweder ganz knapp am unteren Ende abgeschnitten — nur am Ende des Stiels können manche Unterschiede zu anderen Pilzen erkannt werden — oder vorsichtig aus der Erde gedreht werden. Ganz junge Pilze sollten wegen der höheren Verwechslungsgefahr in der Erde bleiben.
  • Lagerung: Beim Sammeln sollten Körbe oder Jutetaschen verwendet werden, keine Nylonsäcke. Zu Hause sollten die Pilze innerhalb von 24 Stunden verwertet und in der Zwischenzeit kühl gelagert werden. Sie verderben sehr schnell. Es gibt 2500 bis 3000 Pilzarten, nur rund 10 bis 15 Prozent sind essbar.
  • Probleme: Wem nach dem Verzehr eines Pilzgerichts übel wird oder wer Magenschmerzen hat, sollte einen Arzt oder ein Krankenhaus aufsuchen.
  • Vorsicht als oberstes Gebot: Wer sich nicht sicher ist, ob die gesammelten Pilze auch wirklich ungiftig und genießbar sind, kann seinen Fund von Montag bis Freitag in der Zeit von 8 bis 12 Uhr beim Referat Lebensmittelaufsicht/Marktwesen der Stadt Innsbruck in der Anichstraße 5a (4. Stock, vis-à-vis Ausgang Rathausgalerie) bestimmen lassen.

Das große Sprießen im Wald ruft aber nicht nur die Pilzsammler auf den Plan, sondern auch die Tiroler Bergwacht: „Wir haben rund 1200 Mitglieder, viele von ihnen sind derzeit landesweit im Einsatz, um die Einhaltung der Bestimmungen zu kontrollieren", sagt Gabriele Pfurtscheller, Leiterin der Landesgeschäftsstelle. Schwerpunkte sind wie immer Osttirol und das Wipptal. „Gerade jetzt, wo das Wetter sehr feucht ist, sind viele unterwegs, manche auch gewerblich, das gibt es natürlich nach wie vor. Solange so hohe Preise erzielen werden können, wird es auch professionelle Pilzsammler geben." In diesem Jahr gab es aber noch keine auffälligen Aufgriffe, bei denen Sammler in ihren Körben viel mehr als die erlaubten zwei Kilo Pilze bei sich hatten.

Laut Wettervorhersage dürfte das Schwammerlwetter in den nächsten Tagen erhalten bleiben. Für Meteorologin Susi Lentner von der ZAMG ist der Sommer noch nicht vorbei, auch wenn in nächster Zeit keine Hitze­phasen mehr zu erwarten seien, aber immerhin Temperaturen bis zu 30 Grad. (ms)




Kommentieren


Schlagworte