Letztes Update am Mi, 21.08.2019 10:12

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Prognose-Tool für Klimaszenarien

Klimawandel vor der Haustür: Was Tiroler Gemeinden erwartet

Eine Analyse von Temperaturdaten zeigt, wie heiß die Sommer in Tirol geworden sind. Erstmals lassen sich für jede Gemeinde Prognosen bis zum Ende des Jahrhunderts erstellen.

Heute geht der meteorologische Sommer zu Ende. Es ist der viertwärmste seit Aufzeichnung der Wetterdaten.

© iStockHeute geht der meteorologische Sommer zu Ende. Es ist der viertwärmste seit Aufzeichnung der Wetterdaten.



Von Matthias Christler

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Innsbruck — Die Bewohner von Rinn und Tulfes müssten den Klimawandel am deutlichsten spüren. Nirgendwo in Tirol ist es in den vergangenen Jahren heißer geworden als in den beiden Gemeinden im südöstlichen Mittelgebirge. Vom Zeitraum 1971—2000 im Vergleich zu 2008—2018 ist die mittlere Höchsttemperatur in den Sommermonaten um 2,5 Grad Celsius gestiegen. Das hat ein neuer Klima-Report ergeben.

Die Tiroler Tageszeitung hat dabei zusammen mit der Recherche-Plattform Addendum Klimaszenarien für Tirol analysiert. Die Temperaturdaten reichen bis in die 60er-Jahre zurück. Außerdem — und das lässt den Klimawandel und die Auswirkungen erstmals direkt vor der eigenen Haustür nachvollziehen — erstellt der Report Prognosen für jede Gemeinde. Die grundlegende Frage war: Wie wird sich das Klima im Sommer verändern?

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Drei nachvollziehbare Szenarien

Marc Olefs von der Zen­tralanstalt für Meteorologie und Geodynamik hat an dem Report mitgearbeitet und sieht darin ein wichtiges Ins­trument: „Das soll in erster Linie eine Bewusstseinsbildung sein. Es braucht, das wissen wir, politische Maßnahmen für den Klimaschutz, aber dafür braucht es die Akzeptanz in der Bevölkerung", sagt der Klimaforscher. Um das zu erreichen, arbeiten die Forscher nicht mit Horrorzahlen, sondern mit nachvollziehbaren Szenarien. Um genau zu sein, stellen sie für die Zeiträume 2021—2050 und 2071—2100 jeweils drei verschiedene Prognosen für jede Gemeinde auf.

1. Das Paris-Szenario: Das Pariser Klimaschutzabkommen von 2015 wird vollständig umgesetzt, und weltweit steigen die Temperaturen bis zum Ende des Jahrhunderts um 1,5 bis zwei Grad.

2. Das Klimaschutz-Szenario: weniger erfolgreich; aber es gibt Erfolge im Klimaschutz, die Temperatur steigt um bis zu 2,5 Grad.

3. Das Business-as-usual-Szenario: Es bleibt alles wie bisher, es werden keine Maßnahmen für den Klimaschutz gesetzt und weltweit steigt die Temperatur um bis zu 4,3 Grad.

Zahlen und Fakten

  • 38,5 Grad erreichte die Temperatur am 30. Juni 2019 in Innsbruck. So heiß war es in Tirol noch nie. Die Höchstmarke lag davor bei 38,3 Grad am 27. Juli 1983 in Haiming.
  • 1,7 Grad wärmer als im Schnitt war der Juli 2019 in Österreich. Er geht in die zehn wärmsten Juli-Monate der 253-jährigen Messgeschichte ein
  • Zehn Hitzetage (mindestens 30 Grad) mehr als im Durchschnitt wurden diesen Sommer bei der Messstelle Innsbruck-Universität verzeichnet.

„Tirol hat allein schon aufgrund seiner Höhenlage einen gewissen Vorteil gegenüber zum Beispiel dem Burgenland und wird unter anderem weniger Hitzetage haben", erklärt Olefs. Auf längere Trockenperioden, Hitzewellen und Starkregenereignisse wird man sich aber auch hierzulande einstellen müssen.

Von Rinn und Tulfes geht es auf die andere Talseite nach Rum. In fast jedem der drei Szenarien muss sich die Gemeinde auf höhere Temperaturzunahmen als das restliche Tirol gefasst machen. Beim Paris-Szenario (2021—2050) rechnet man mit einem Plus von einem bis zwei Grad, im schlimmsten Fall, dem Business-as-usual-Szenario (2071—2100), werden die Sommer in Rum bis zum Ende des Jahrhunderts um 3,4 bis 7,3 Grad heißer.

Einen Abruf der Prognosen zu jeder Tiroler Gemeinde gibt es hier:

Bei Anzeigeproblemen einfach hier klicken >> https://go.tt.com/klima-gemeinde