Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 01.09.2019


Tirol

Ringen um Öffi-Tickets für Kindergarten-Gruppen

Ausflüge mit dem Bus gelten als wichtiger Bildungsaspekt für die Kindergarten-Kinder.

© iStockAusflüge mit dem Bus gelten als wichtiger Bildungsaspekt für die Kindergarten-Kinder.



Vom Waldtag bis zum Bauernhofbesuch: Wollen Kindergarten-Gruppen für einen Ausflug die öffentlichen Verkehrsmittel in Tirol nutzen, stehen die Pädagogen vor einem Problem: Seit der Tarifumstellung mit 1. April dieses Jahres gibt es kein entsprechendes Ticket für Gruppen in dieser Größe.

„Die derzeitigen Kindergruppen-Tickets für zehn Personen plus zwei Begleitpersonen stimmen nicht mit dem Betreuungsschlüssel in den Kindergärten, Horten und Kinderkrippen überein", schildert Bettin­a Fuchs, Obfrau des Berufsverbandes für den elementaren Bildungsbereich (BEB) in Tirol. Dort kämen zwei Pädagoge­n auf mindestens 20 Kinder. Die Annahme, dass Kinder unter sechs Jahren generell kostenlo­s mitfahren könnten, sei zwar weit verbreitet, aber leider nicht richtig. Pro Begleitperson können nur zwei Kinder unter sechs Jahren ohne Ticket die Öffi­s gratis benutzen.

Mangels passender Tarife mussten entweder Busfahre­r oder Mitarbeiter an den Vorverkaufsstellen die Gruppen manuell durchzählen und abrechnen — was die Sache sowohl unverhältnismäßig teuer als auch kompliziert und direkt im Bus extrem zeitaufwändig machte. Denn auch die Automaten scheiterten an der entsprechenden Menge an Tickets.

„Theoretisch gäbe es zwar die Möglichkeit, die Fahrkarten über den Online-Shop vorzubestellen", räumt Fuchs ein, „aber das scheitert daran, dass der Großteil der Einrichtungen keine Kreditkarte für die Bezahlung besitzt."

In der Praxis lag es also bislang im Ermessen der Busfahrer und am Busunternehmen, welche Tarife sie nach welchem Schema kassierten. Bei mehreren Betrieben dürfen Kindergarten-Gruppen auch ganz unbürokratisch kostenlos mitfahren.

Das wäre nach dem Vorbild anderer Bundesländer auch der erklärte Wunsch des Berufsverbandes. Für diese Lösung müssten neben dem finanziellen Aspek­t aber auch Haftungsfragen von Seiten des Verkehrsverbundes Tirol (VVT) geklärt werden.

Dort zeigen sich die Verantwortlichen kompromissbereit. Nach ersten Gesprächen mit dem Berufsverband der Elementarpädagogen werde an einer praktikablen Lösung gearbeitet, die möglichst rasch umgesetzt werden soll, heißt es beim VVT. Unternehmenssprecherin Stefanie Aigner rät Kindergärten, vor Ausflügen Kontakt mit dem Kundencenter aufzunehmen.

„Wir wollen als Vorbildwirkung die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen und uns dort auch legitim ausweisen können", sagt die Kindergartenpädagogin Fuchs. Und dass Ausflüge für die Kinder nicht am komplizierten Ticketkauf scheitern dürfen, darüber sind sich alle Beteiligten einig. (bea)