Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 23.08.2019


Bezirk Reutte

Reuttener Bergwacht erwischt bis zu 30 wilde Camper pro Schicht

Caravaning ist ein ungebrochener Trend – doch vor allem am Plansee gibt es Verstöße gegen das Tiroler Campinggesetz. Die Reuttener Bergwacht ist oft die halbe Nacht unterwegs, um für Ordnung zu sorgen.

Es gibt kaum eine Ausweiche am Plansee, an der nicht auf das Verbot des wilden Campierens aufmerksam gemacht wird.

© PaschingerEs gibt kaum eine Ausweiche am Plansee, an der nicht auf das Verbot des wilden Campierens aufmerksam gemacht wird.



Von Alexander Paschinger

Reutte – Wildes Campen? Nennt man dieses Schlagwort dem Bezirksleiter der Bergwacht, dann weiß Albert Kerber einiges davon zu erzählen. „Ja, wir haben es durchaus im Griff“, sagt er, „aber teilweise sind wir schon überfordert.“ Da wäre es doch wünschenswert, wenn sich auch die Polizei zusätzlich um die Überwachung des Campinggesetzes kümmern könnte. „Unser Staat ist vom Personal her nicht mehr in der Lage, das Campinggesetz durchzusetzen“, erläutert Kerber diese an die Bergwacht übertragene Aufgabe.

Es ist freilich die Liebe zur Natur und das Erlebnis der Freiheit, die immer mehr Wohnmobile und Co. auf die Straßen, aber auch auf Abwege bringen. Denn oft werden Verbotsschilder ignoriert, Privatparkplätze oder gar Weideflächen als Übernachtungsplatz auserkoren.

Die Idylle verlockt dennoch so manchen, die Nacht dort zu verbringen.
Die Idylle verlockt dennoch so manchen, die Nacht dort zu verbringen.
- Paschinger

„Dann werden wir gerufen“, erklärt Kerber. Wie etwa zuletzt an den Heiterwanger See: Dort hatten etwa 25 Personen aus dem süddeutschen Raum ein regelrechtes Zeltlager errichtet. „Die mussten an drei Verbotsschildern vorbei – alle 200 Meter stand eines, das sie ignorierten“, erklärt Kerber. „Dann müssen wir als Erstes versuchen, die Leute darauf aufmerksam zu machen, dass sie etwas Ungesetzliches machen.“ Natürlich bekomme man da auch schon Antworten, die man lieber nicht zu Protokoll geben möchte, sagt der Bezirkschef.

Wobei nur eigens befugte Bergwächter Organmandate ausstellen dürfen – „wenn unseren Aufforderungen nicht Folge geleistet wird, dann machen wir eine Anzeige“.

Der Bezirksleiter der Außerferner Bergwacht, Albert Kerber, sieht Handlungsbedarf.
Der Bezirksleiter der Außerferner Bergwacht, Albert Kerber, sieht Handlungsbedarf.
- Tiroler Bergwacht

Der Aufwand der Bergwacht mit ihren 17 Ortsstellen im Bezirk Reutte ist kein geringer. Rund 300 Mitglieder zählt Kerber im Außerfern, wobei allerdings nur rund 100 Personen auch tatsächlich Dienst tun. „Wir verzeichnen pro Woche zwei bis drei Anrufe wegen Campierern“, erzählt er. Dazu kommen viermal unter der Woche Dienste. Das alles passiert auf freiwilliger Basis – „die Leute sind von 17 Uhr bis manchmal 2 Uhr Früh unterwegs. In so einer Schicht werden allein am Plansee bis zu 30 Camper aufgespürt und zum Weiterfahren aufgefordert.“ Im Vorjahr lag der Rekord bei 101 Fahrzeugen in einer einzigen Nacht.

„Inzwischen haben wir das relativ gut im Griff“, meint der Breitenwanger Bürgermeister Hanspeter Wagner, angesprochen auf die Wildcamper-Problematik. Dabei hebt er eben den Einsatz der Bergwacht hervor, die das Verbot überwacht.

„Unsere Reuttener Ortsgruppe ist für acht Gemeinden zuständig“, erzählt Kerber. Acht bis zehn Freiwillige wechseln sich ab. Rechnungen wie die Bergrettung darf die Bergwacht übrigens nicht stellen – man ist auf freiwillige Spenden und Zuwendungen der Gemeinden angewiesen – dabei hebt er die Beiträge von Reutte und Breitenwang hervor.

„Vor zwei, drei Jahren hat die ganze Problematik noch kaum jemanden interessiert“, sagt Kerber. Inzwischen werden es immer mehr Wohnmobile – und auch das Biwakieren in der freien Natur und am Berg nimmt zu. In Vorderhornbach (Stausee) und in Lechaschau (Frauensee) wurde das Problem des wilden Campings auch schon in Gemeinderatssitzungen angesprochen. Meist kommt man als Lösung auf die Kontrolle durch die Bergwacht.

„Wir wissen, dass es einen massiven Handlungsbedarf gibt“, sagt Kerber. „Wir versuchen, für nächstes Jahr ein fixes Dienstrad einzuführen.“ Aber er wird nicht müde zu sagen: „Es wäre fein, wenn auch die Polizei hier eingebunden werden könnte.“