Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 24.08.2019


Gesellschaft

Wanderschäfer geht mit viel Überzeugung seinen Weg

Schafbauer Thomas Schranz aus Tösens zieht mit seiner Herde von einer Weide zur nächsten, auch um ökologischen Nutzen zu stiften.

Thomas Schranz ist einer der ganz wenigen Wanderschäfer in Österreich. Er führt seine Easy-care-Schafe auf hochgelegene Weidegebiete im Oberland. Seine Kangal-Hündinnen begleiten und schützen die Herde.

© Gabriel MüllerThomas Schranz ist einer der ganz wenigen Wanderschäfer in Österreich. Er führt seine Easy-care-Schafe auf hochgelegene Weidegebiete im Oberland. Seine Kangal-Hündinnen begleiten und schützen die Herde.



Tösens – Seinen Beruf als Wanderschäfer sieht Thomas Schranz (47) vor allem als Berufung. Seit mehreren Jahren zieht er mit seiner Schafherde im Sommer von Weide zu Weide – etwa im Obergricht, Kaunertal und Stanzertal. Im Oberland hat er ein Alleinstellungsmerkmal: „Ich bin der Einzige, der eine Wanderschäferei betreibt.“

Nomaden mit Schaf- und Ziegenherden sind in Asien und Afrika normal, im Alpenraum jedoch sehr selten. Warum steckt er seine Energie in die Wanderschäferei, die das ganze Jahr mit viel Arbeit verbunden ist? – „Nicht die Aufgabe als Hirte allein motiviert. Es geht mir um den Erhalt unserer Kulturlandschaft.“ Früher habe er als Jäger einen kleinen Beitrag für Naturpflege und Wildtiere geleistet. „Aber ich habe gelernt, dass man mit gezielter Weideführung viel mehr gegen Bodenerosion und für den Erhalt von Biodiversität tun kann“, sagte Schranz, der im Nebenerwerb auch für den TVB Tiroler Oberland tätig ist, Wanderwege instandsetzt, Schilder und Markierungen in Schuss hält.

Aus rein wirtschaftlicher Sicht „müsste ich den Großteil meiner Schafe sofort verkaufen und Jobs machen, die mehr Verdienst abwerfen“, zeigt der zweifache Familienvater auf. Doch gesunde Almlandschaften bedeuten ihm mehr als Geld. „Ich mache es auch für nachkommende Generationen, möchte bewussteres Leben im Naturkreislauf fördern und nicht zuletzt einen Betrag zum Katastrophenschutz leisten.“

Nur wenige Menschen würden begreifen, dass Erosionsschutz über 2000 Höhenmetern beginnt. „Da kommen die schweren Hochleistungskühe von heute nicht mehr hinauf. Aber Schafe und Ziegen können hier Muren und Hochwässer mit ihrem Weideverhalten an der Wurzel packen.“ Freilich fühlt er sich mit seiner Art der Weidewirtschaft manchmal „wie ein Rufer in der Wüste“.

Zum Profil seiner Persönlichkeit zählen jedenfalls eine Portion Sturheit und konsequentes Handeln, auch in (teils gerichtlichen) Auseinandersetzungen mit lokalen Agrargemeinschaften, mit der Gemeinde und den Österreichischen Bundesforsten, etwa in der Diskussion über alte Weiderechte.

Für seinen Einsatz mit dem Projekt Wanderschäferei hat ihn die Initiative „Blühendes Österreich“ (gemeinnützige Privatstiftung) honoriert: 2018 durfte der Wanderschäfer einen Förderpreis in Höhe von 20.000 Euro für nachhaltige Landschaftspflege und den Erhalt von Kulturflächen entgegennehmen. (hwe)