Letztes Update am Fr, 30.08.2019 07:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Österreich

Frau-Sein ist teuer: Wie das Geschlecht die Preise bestimmt

Frauen in Österreich verdienen weniger als Männer, müssen bei Dienstleistungen aber deutlich tiefer in die Tasche greifen. Einer IHS-Studie zufolge zahlt etwa eine Frau mit kurzem Haar im Schnitt elf Euro mehr beim Friseur als ein Mann. Die professionelle Reinigung einer Bluse ist gar doppelt so teuer wie die eines Hemdes.

Bluse oder Hemd? Diese Frage entscheidet bei Textilreinigungsfirmen über einen Preisunterschied von durchschnittlich 50 Prozent.

© PixabayBluse oder Hemd? Diese Frage entscheidet bei Textilreinigungsfirmen über einen Preisunterschied von durchschnittlich 50 Prozent.



Wien – Frau-Sein ist eine ökonomische Herausforderung und zwar in vielfacher Hinsicht: Frauen verdienen weniger als Männer und leisten unbezahlte Arbeit, zahlen aber mehr für körperbezogene Produkte und Dienstleistungen. 87 Prozent der Frisiersalons in Österreich behandeln Frauen und Männer ungleich und 96 Prozent der Textilreinigungen verrechnen für die Reinigung einer Bluse mehr als für ein Hemd.

Das sind Ergebnisse einer Studie zu Gender Pricing, die die Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) beim Institut für Höhere Studien (IHS) in Auftrag gegeben hat und die am Donnerstagnachmittag im Rahmen einer Veranstaltung präsentiert wurde. Die Studie untersuchte unter Berücksichtigung bereits vorhandener Studien Gender Pricing bei körperbezogenen Dienstleistungen und Produkten. Es wurden 450 (der rund 2500) Frisiersalons und 80 der 270 österreichischen Textilreinigungen telefonisch befragt. In beiden Dienstleistungsbranchen wurde geschlechtsspezifische Preissetzung in einem signifikanten Ausmaß nachgewiesen. Diese Ergebnisse sind vergleichbar mit anderen internationalen Analysen.

Elf Euro mehr für den Kurzhaarschnitt

Für denselben Service in Frisiersalons – Waschen, Schneiden und Trocknen bei kurzen Haaren – bezahlt eine Frau in Österreich durchschnittlich elf Euro mehr als ein Mann. Nur 55 der befragten Frisiersalons verrechnen den gleichen Preis für Männer und Frauen.

Das bedeutet, 87 Prozent der Frisiersalons in Österreich behandeln Frauen und Männer ungleich und setzen sich über das spezifische Gutachten der Gleichbehandlungskommission des Bundeskanzleramts und die diesbezüglichen Empfehlungen der Gleichstellungsanwaltschaft in Kooperation mit einzelnen Landesinnungen hinweg. Die Frage, ob es als Frau möglich ist, einen Herrenservice zu Männerpreisen in Anspruch zu nehmen, verneinen 60 Prozent der befragten Salons. In rund einem Viertel der Frisiersalons ist dies unter bestimmten Voraussetzungen möglich.

Blusenreinigung doppelt so teuer wie Hemdreinigung

Die erfragten Preise in Textilreinigungen beziehen sich auf die Reinigung eines Baumwollhemdes und einer Baumwollbluse, die wie ein Hemd geschnitten ist, ohne Taschen, Rüschen oder andere aufwändige Details. 96 Prozent der Textilreinigungen in Österreich verrechnen für die Reinigung einer Bluse dieser Art einen höheren Preis als für die Reinigung eines Baumwollhemdes.

Durchschnittlich kostet eine Blusenreinigung das Doppelte einer Hemdreinigung – und selbst dann, wenn ausschließlich Hemdreinigungen mit händischem Bügeln berücksichtigt werden, kostet eine Blusenreinigung nach wie vor das 1,6-Fache einer Hemdreinigung. 62 Prozent der Textilreinigungen geben an, eine Bluse unter keinen Umständen zu Hemdpreisen zu reinigen. Rund ein Fünftel der Textilreinigungen würde eine Bluse zu Hemdpreisen reinigen, solange diese einen dementsprechenden Schnitt vorweist.

Neun Euro Unterschied bei körperbezogenen Produkten

Für die Untersuchung der körperbezogenen Produkte wurde ein Warenkorb typischer Körperpflegeprodukte gebildet. Die Erhebung ergibt, dass Frauen im Vergleich zu Männern Produkte angeboten werden, die im Schnitt um neun Euro mehr pro Packung kosten. Anders als im Dienstleistungsbereich ist es Frauen im Produktbereich allerdings möglich, auch Männern zugedachte, billigere Produkte zu erwerben.

Für GÖD-Vorsitzenden Norbert Schnedl belegt die Studie den großen Handlungsbedarf für mehr Gleichbehandlung der Geschlechter. Österreich habe sich rechtlich und politisch dazu verpflichtet, dass Diskriminierung aufgrund des Geschlechts nicht geduldet wird. „Der Dienstleistungssektor ist gefordert sich an unsere Gesetze zu halten und Frauen sowie Männer als Konsumenten fair und gleich zu behandeln“, so Schnedl. Für GÖD-Frauenvorsitzende Monika Gabriel, die die Studie initiiert hat, muss „Gleichbehandlung mehr sein als ein schlichtes Gebot“. (APA)