Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 31.08.2019


Osttirol

Großglockner: Troststätte nach Tod am Berg in Kals

Die Großglockner-Gedenkstätte in Kals versammelt die Namen aller, die seit 1871 im Glocknergebiet ihr Leben verloren. Die Liste muss regelmäßig vervollständigt werden.

Am Kalser Friedhof gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert eine Gedenkstätte für Menschen, die am Berg ihr Leben ließen.

© OblasserAm Kalser Friedhof gibt es schon seit dem 19. Jahrhundert eine Gedenkstätte für Menschen, die am Berg ihr Leben ließen.



Von Catharina Oblasser

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Kals a. Gr. – Der Großglockner hat als höchster Berg Österreichs eine fast magische Anziehungskraft auf viele Bergsteiger. Doch manche kostet diese Faszination das Leben. Die Glocknergemeinde Kals hat für alle diese Bergtoten eine Gedenkstätte am Friedhof errichtet, die zumindest den Hinterbliebenen ein wenig Trost spenden soll und die den Opfern eine würdige Erinnerung bietet. Ursprünglich bestand das Denkmal aus Kupfertafeln, in denen die Namen der Verunglückten eingraviert waren, der älteste Eintrag bezieht sich auf das Jahr 1871.

„In den Jahren 2008 und 2009 wurde der Kalser Ortskern und damit auch der Friedhof neu gestaltet“, berichtet Bürgermeisterin Erika Rogl. „Damals hat auch die Gedenkstätte ein neues Gesicht bekommen.“ Neben der Aufbahrungskapelle befinden sich unter Dach nun drei Pfeiler, auf denen Name, Herkunftsort, Alter, Absturz­ort und Todestag der Opfer vermerkt sind. „Die Namen von den alten Kupfertafeln sind übertragen worden“, sagt die Bürgermeisterin.

Der Großteil der Kals-Gäste besuche die Erinnerungsstätte am Friedhof, schildert Rogl. „Immer wieder sind auch Angehörige der Toten dabei, die zum Gedenken kommen.“ Es sei ein Ort der Emotionen, da es um besondere Schicksale gehe, meint die Ortschefin. „Um Menschen, die auf tragische Art oder auch sehr jung gestorben sind.“ Vermerkt sind unter anderem Personen, die bei einem Flugzeugabsturz über dem Glocknergebiet ums Leben kamen, beim Drachenfliegen starben – oder beim Versuch, andere zu retten.

2009 wurde sie umgestaltet und vervollständigt.
2009 wurde sie umgestaltet und vervollständigt.
- Oblasser

Ergänzt wird die traurige Namensliste, die sich nur auf die Kalser Seite des Glockners bezieht, alle paar Jahre bzw. dann, wenn es nötig ist. Hannes Bergerweiß, bis 2015 der zuständige Standesbeamte, erinnert sich an die Zeit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. „Damals kamen Touristen aus dem ehemaligen Osten in großer Zahl zum Bergsteigen, weil sie endlich die Gelegenheit hatten. Und in diesen Jahren gab es auch viele tödliche Abstürze.“

Das hat sich mittlerweile geändert, obwohl jeder einzelne Glockner-Tote Grund zur Trauer ist. Der letzte Eintrag auf den Pfeilern am Friedhof stammt vom 5. Oktober 2017, und es gibt schon wieder neue Namen, die hinzugefügt werden müssen.

Die letzten beiden Einträge auf den Pilonen der Großglockner-Gedenkstätte stammen aus dem Jahr 2017.
Die letzten beiden Einträge auf den Pilonen der Großglockner-Gedenkstätte stammen aus dem Jahr 2017.
- Oblasser