Letztes Update am So, 01.09.2019 10:19

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Das neue Schuljahr bringt eine Vielzahl an Änderungen

Die Ferien gehen zu Ende, das neue Schuljahr bringt eine Vielzahl an Neuerungen – etwa bei Noten oder dem Sitzenbleiben. Neu ist ein Kopftuchverbot. Einheitliche Herbstferien gibt es heuer noch nicht.

Das anstehende Schuljahr 2019/20 bringt auch für Lehrpersonen einige Änderungen.

© APA/GEORG HOCHMUTHDas anstehende Schuljahr 2019/20 bringt auch für Lehrpersonen einige Änderungen.



Von Liane Pircher

1. Ziffernnoten, Sitzenbleiben und Kopftuchverbot: Am spürbarsten werden mit dem Schuljahr 2019/20 die Neuerungen an den Volksschulen werden. Dort werden ab dem zweiten Semester der zweiten Klasse verpflichtend Ziffernnoten eingeführt – gleichzeitig wird aber in allen Klassen, zumindest zusätzlich, alternativ schriftlich vom Lehrer beurteilt. Davon unabhängig können Schüler grundsätzlich ab der zweiten Klasse wieder sitzenbleiben. Zudem werden alle Eltern zu Bewertungsgesprächen über Leistungsstärken und Leistungsstand eingeladen, bei Bedarf können Schüler auch zu Förderunterricht verpflichtet werden. Ebenfalls neu an den Volksschulen ist ein so genanntes Kopftuchverbot: Untersagt wird ganz generell „das Tragen weltanschaulich oder religiös geprägter Bekleidung, mit der eine Verhüllung des Hauptes verbunden ist“. Bei einem Verstoß droht den Eltern eines kopftuch­tragenden Kindes im Falle eine Strafe von bis zu 440 Euro. Eine weitere Neuerung in diesem Schuljahr betrifft die Taferlklassler des Schuljahrs 2020/21. Bei der Schuleinschreibung Anfang 2020 gelten erstmals einheitliche Kriterien für die Feststellung der Schulreife. Grund dafür war die unterschiedliche Praxis in den einzelnen Bundesländern:

2. Schließungen und Zusammenlegungen von Schulen: Mit September werden insgesamt 29 Schulen in ganz Österreich geschlossen. Was die Volksschulen in Tirol anbelangt, wird die VS Vent stillgelegt, die VS Holdernbach (Gemeinde Kappl), die VS Neder (Gemeinde Neustift i. St.) und die VS Jenbach II werden aufgelassen – letztere werden mit anderen Schulen zusammengefasst: In Jenbach werden Schüler künftig die VS Jenbach I besuchen, in Neustift i. St. bezieht die VS den neu errichteten Campus. Zur Info: Wird eine Schule wie in Vent „nur“ stillgelegt – das heißt, sollte sich in Zukunft der Bedarf wieder ergeben –, könnte diese wieder eröffnet werden. Bei einer Auflassung hingegen kommt dies einer endgültigen Schließung gleich. Von drei betroffenen Sonderschulen waren zwei davon bereits bisher unselbstständige Sonderschulen, das heißt, Sonderschulklassen, die an eine andere Schule angeschlossen waren: ASO Jenbach (wird stillgelegt) und ASO Vorderes Stubai (wird aufgelassen); weiters wird die ASO Wörgl aufgelassen.

Außerdem wird in Innsbruck die Zahl der Neuen Mittelschulen um eine reduziert (von zehn auf neun) – die NMS Wilten und die NMS Dr. Fritz Prior werden aufgelassen, im Ausgleich dazu wird aber eine neue NMS gegründet (NMS Leopoldstraße).

3. Tirol bekommt einen ersten Schulcluster. Der Schulcluster Defereggental ist Tirols erster – und vorläufig einziger – Schulcluster. Über künftige weitere Schulcluster kann derzeit, solange die Planungen nicht konkret sind, laut Bildungsdirektion noch keine Auskunft erteilt werden.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

4. Gemeinsame Ferienregelung: Die Schaffung von bundeseinheitlichen Herbstferien zwischen Nationalfeiertag (26. Oktober) und Allerseelen (2. November) ist bereits gesetzlich beschlossen. Die Regelung tritt aber erst im Schuljahr 2020/21 in Kraft. Für dieses Schuljahr haben die Bundesländer zwar die Möglichkeit erhalten, die Einführung vorzuziehen, in Tirol hat man sich allerdings dafür entschieden, für das Schuljahr 2019/20 bei der bisher gehandhabten Regelung zu bleiben. Es liegt also heuer noch bei den Schulen, um Schulfreierklärung für einzelne Tage im Herbst (oder im Frühjahr) sowie schulautonome Tage anzusuchen.

5. Neue Leistungsniveaus an den Mittelschulen. An den Neuen Mittelschulen (NMS) gibt es künftig ab der sechsten Schulstufe zwei Leistungsniveaus – „Standard“ und „Standard-AHS“. Diese lösen die bisher ab der siebenten Schulstufe bestehende Differenzierung in „grundlegende Allgemeinbildung“ und „vertiefende Allgemeinbildung“ ab.

Die siebenteilige NMS-Notenskala wird abgeschafft, an ihre Stelle treten zwei vom System her ähnliche, je fünfteilige Skalen. Die Maßnahmen an den NMS können zwar ab heuer eingeführt werden, verpflichtend sind sie erst ab 2020/21. In Tirol gibt es elf Pilotschulen, die im Schuljahr 2019/20 testen, welche Chancen diese neue Regelung bringt. Neu ist auch die Wiedereinführung eines freiwilligen zehnten Schuljahres an den Polytechnischen Schulen für Schüler, die ihr neuntes Schuljahr an einer AHS oder einer berufsbildenden mittleren und höheren Schule (BMHS) nicht erfolgreich abgeschlossen haben. Eine ähnliche Regelung gibt es bereits für an einer NMS gescheiterte Jugendliche.

Sorge um Lehrerstart neu

Das neue Schuljahr ist noch keinen Tag alt und schon herrscht Unruhe – zumindest bei den Lehrerinnen und Lehrern und deren Gewerkschaftsvertretern. Denn: Ab 1. September müssen neu angestellte Lehrer eine so genannte Induktionsphase absolvieren, die zwölf Monate dauern soll.

Begleitet werden müssen die jungen Pädagogen in diesem Abschnitt von Mentoren, die sich aus erfahrenem Lehrpersonal an der anstellenden Schule rekrutieren. Ob genug Betreuer gefunden werden können, ist aber noch unklar. Die Tiroler Bildungsdirektion beruhigt aber. Die Situation werde sich nach und nach einpendeln. „Ob es sich wirklich ausgeht, wird sich wohl erst in den ersten Wochen des neuen Schuljahres zeigen, wenn die ganzen Stunden zugeteilt sind“, sagt Karl Digruber, Direktor des BRG Imst und Vertreter der Lehrer an höheren Schulen. Er und seine Kollegen der ARGE Lehrer

innen Tirol, der Zusammenschluss aller Lehrer-Gewerkschafter, haben sich bereits im Juli an die Bildungsdirektion gewandt, von ihren Sorgen berichtet. Die Frage sei zu diesem Zeitpunkt nicht seriös zu beantworten gewesen, hieß es in einem Schreiben. Erst im Herbst werde sich der Nebel lichten. Inzwischen ließe sich die Lage etwas besser einschätzen, berichtet Reinhold Raffler, Leiter des Präsidialbereichs der Tiroler Bildungsdirektion. „Grundsätzlich ist es schwierig, Mentoren zu finden. Für mittlere und höhere Schulen sehe ich das Problem mit dem Mangel aber nicht. Dort wird es sich gut ausgehen.“

In Pflichtschulen hingegen werden in manchen Regionen Probleme auftreten. Raffler: „Während wir im Oberland und Innsbruck genug Betreuer haben, schaut es im Unterland derzeit nicht danach aus.“ Dort werde die Bildungsdirektion zuerst versuchen, den auszubildenden Lehrern Mentoren von anderen Schulen zuzuteilen. Sofern das nicht ausreichen sollte, würden die Schulleiter die Mentoren-Rolle übernehmen.

Ein Faktum, das Peter Spanblöchl, Vorsitzender der Gewerkschaft für Pflichtschullehrer, kritisiert. „Durch bürokratische Aufgaben, die ohnehin zugenommen haben, sind Schulleiter im Pflichtschulbereich sowieso schon massiv überlastet“, sagt er. Diese Mehrbelastung sei nicht akzeptabel.

Reinhold Raffler von der Bildungsdirektion ist sich dessen bewusst, es werde „nur im äußersten Notfall“ auf die Schulleiter als Mentoren zurückgegriffen. Generell glaubt er, dass sich die Aufregung um fehlende Betreuer bald legen werde. Immerhin sei es, vor allem für Pflichtschulen, ein neues Modell, welches sich „mittelfristig einpendeln wird“. (bfk)

Neues Dienstrecht für Lehrer

Mit dem Schuljahr 2019/20 verlieren neu in den Schuldienst eintretende Lehrer das Wahlrecht zwischen altem und neuem Lehrerdienstrecht. Das neue System bringt eine Erhöhung und Vereinheitlichung der Unterrichtsverpflichtung auf grundsätzlich 24 Stunden sowie höhere Anfangsgehälter bei einer flacheren Gehaltskurve. Tätigkeiten als Klassenvorstand zählen mit zwei Wochenstunden im Falle dazu.

Außerdem vorgesehen sind neue Regeln für Zulagen, verpflichtende Fortbildung für alle Lehrer außerhalb der Unterrichtszeit, eine Neugestaltung des Berufseinstiegs (siehe Artikel) sowie ein Ende der Pragmatisierung bei gleichzeitiger Beibehaltung eines erhöhten Kündigungsschutzes. Der neue Kurvenverlauf ermöglicht auch bei späterem Berufseinstieg attraktive Einstiegsgehälter und soll damit auch Quereinsteiger locken. (TT, APA)