Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 08.09.2019


Südtirol

Ärger über Gefahrengut am Brenner

Sterzings Feuerwehr kritisiert, dass es zu oft Alarm wegen überlaufender, teils giftiger Flüssigkeiten bei Güterzügen auf der Brennerstrecke gibt.

Orange Warntafeln kennzeichnen Gefahrengut. Erst Mitte August hatte ein Kesselwagon am Brenner die flüssige, giftige Chemikalie Phenol verloren (im Bild die Einsatzkräfte).

© privatOrange Warntafeln kennzeichnen Gefahrengut. Erst Mitte August hatte ein Kesselwagon am Brenner die flüssige, giftige Chemikalie Phenol verloren (im Bild die Einsatzkräfte).



Innsbruck, Brenner – In diesem Jahr gab es bereits dreimal Alarm wegen Gefahrgut am Brenner: Beim jüngsten Einsatz Mitte August (die TT berichtete) musste der Bahnhof evakuiert werden, weil die flüssige, giftige Chemikalie Phenol aus einem Wagon ausgetreten war.

Im Bahnhofsareal war ein stechender Geruch wahrnehmbar, der Zugverkehr wurde eingestellt. Um ein Haar wäre auch das Outlet-Center evakuiert worden. „Solche Einsätze sind aufwändig und dauern Stunden. Es muss der Strom abgeschaltet und geerdet werden, damit man den Wagon mit Schutzanzügen betreten darf“, erklärt Feuerwehr-Abschnittskommandant Norbert Troyer. Seine Feuerwehr ist in Sterzing die Stützpunktfeuerwehr für Gefahrengut-Einsätze.

Mittlerweile, so Troyer, sei der Ärger über Alarmierungen groß und es sei die Motivation (oft ist nachts auszurücken) bei Einsatzkräften gesunken. Alarm gibt es mehrmals im Jahr: letztes Jahr dreimal, am häufigsten im Jahre 2014 (12-mal). Das Problem sei seit Jahren bekannt: „Viele Austritte passieren durch Überdruck, überfüllte Wagons oder durch Schlamperei, weil Deckel nicht ordnungsgemäß verschlossen sind“, sagt Troyer. Oft tritt aufgrund der Höhendifferenz Gas aus (am Befüllort knapp über dem Meeresspiegel). Von harmlos bis äußerst giftig sei alles dabei. Alle Züge aus dem Norden Richtung Italien müssen am Brenner kontrolliert werden: „Wann etwas austritt, ob schon im Wipptal, kann keiner sagen“, meint Troyer. Verantwortliche zu finden, sei oft schwierig. Trotz Frachtpapieren. Über den Brenner sind im Güterverkehr inklusive der Rail Cargo Austria vier Eisenbahnunternehmen (EVUs) und damit zig europäische Firmen mit Wagons tätig. (lipi)

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