Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 05.09.2019


Osttirol

Pflegestudium startet in Lienz mit 28 Studenten

Nur noch eine Handvoll Restplätze gibt es für das Bachelor-Studium der Gesundheits- und Krankenpflege. Das Interesse hat überrascht.

Instituts- und Schulleiterin Manuela Girstmair und Studiengangsleiter Stefan Ebner freuen sich über das Interesse am Bachelor-Studium.

© Christoph BlassnigInstituts- und Schulleiterin Manuela Girstmair und Studiengangsleiter Stefan Ebner freuen sich über das Interesse am Bachelor-Studium.



Von Christoph Blassnig

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Lienz – In vier Bezirken Tirols startet heuer neu das Gesundheits- und Krankenpflege-Studium der Fachhochschule Gesundheit (fhg), in Schwaz und Innsbruck bereits zum zweiten Mal. Dabei handelt es sich um ein dreijähriges Vollzeitstudium, das nicht nur Personen mit der allgemeinen Universitätsreife offensteht. Ausgewählte Berufsgruppen wie diplomierte medizinisch-technische Fachkräfte, Pflegehelfer, Heilmasseure oder Absolventen von Fachschulen für Sozial- oder wirtschaftliche Berufe können nach der Ablegung von Zusatzprüfungen ebenfalls das Studium aufnehmen.

Während andere Bundesländer die Hochschulausbildung im Bereich der Pflege zentralisieren, ist Tirol einen anderen Weg gegangen. „Das Tiroler Konzept hat die im Land bestehenden Krankenpflegeschulen zu Studien­standorten erweitert“, erläutert Stefan Ebner, der Leiter des Fachhochschul-Bachelor-Studiengangs in Lienz. Organisatorisch hat der Gemeindeverband des Bezirkskrankenhauses Lienz dazu ein Institut für Gesundheitsbildung eingerichtet, dem die Direktorin der Gesundheits- und Krankenpflegeschule, Manuela Girstmair, zusätzlich vorsteht.

„Die einjährige Ausbildung zur Pflegeassistenz und die zweijährige zur Pflegefachassistenz führen wir ebenso wie die Heimhilfeausbildung unverändert fort“, erklärt Girstmair. Ziel sei es in erster Linie, den Bedarf an Pflegekräften im Bezirk zu decken. Heimhilfen wurden früher nur in mobilen Diensten wie den Sozialsprengeln eingesetzt, inzwischen setzen auch Wohn- und Pflegeheime auf ihre Unterstützung.

Die Pflege habe sich zu einem hochqualifizierten Beruf entwickelt, sagt Girstmair. Ebner ergänzt, dass der gesetzliche Auftrag vorsehe, die Methoden kontinuierlich weiterzuentwickeln. „Es geht also um Fortschritt durch Forschung“, meint Ebner. Genau hier setze das Bachelor-Studium, wie es nun in Lienz erstmals startet, an. „Unsere Absolventen erreichen in den drei Studienjahren einerseits eine Berufsbefugnis und können in einem Krankenhaus, in einer Facharzt- oder Gesundheitspraxis arbeiten.“ Zusätzlich stehe ihnen mit dem Abschluss die Möglichkeit zu einer Spezialisierung offen. Ebner nennt die Fachrichtungen Dialyse, Anästhesie oder den Operationsbereich als Beispiele. Strebt dagegen jemand den Weg in die Forschung an, dient der Bachelor-Abschluss als Grundlage für einen Master-Studienweg.

Wie groß das Interesse am neuen Studiengang in Lienz tatsächlich sein würde, war den Organisatoren nicht von vornherein klar. „Umso mehr sind wir glücklich, dass wir voraussichtlich mit 28 Studierenden beginnen werden“, erklärt Ebner. Die Aufnahmefrist läuft noch bis 15. September. Kurzentschlossene können sich dazu unter der Telefonnummer 04852/606-85208 oder per E-Mail an info@fhg-tirol.ac.at informieren.

Aus Gesprächen mit den bisherigen Bewerbern lasse sich ableiten, dass es in der Region durchaus die Bereitschaft und Motivation zu einem Studienbeginn gebe. „Bei etlichen liegt die Maturaprüfung einige Jahre zurück. Es sind junge Erwachsene, die inzwischen sesshaft sind und aus persönlichen oder familiären Gründen nicht mehr in eine andere Stadt ziehen wollen.“ Auch wenn klar sei, dass nicht alle Bachelor-Absolventen gleich eine Anstellung im Bezirkskrankenhaus vorfinden werden, profitiere die Region von dem Angebot, sind sich Girstmair und Ebner einig. „Wer weggehen will, kann das nach seinem Abschluss immer noch tun. Allen anderen ermöglicht das Konzept der fhg eine Hochschulausbildung in ihrer Heimat.“ Das Wissen bleibe vor Ort und komme der gesamten Bevölkerung zugute.