Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 07.09.2019


Bezirk Kufstein

Stadtbuch: Ein eigenes Büro für die Kufsteiner Erinnerungen

Die Festungsstadt geht bei der Erstellung des Stadtbuches neue Wege. Kufsteiner können ihre persönliche Geschichte einbringen.

Richard Schwarz mit zwei Kufsteinerinnen, die spontan ihre Erinnerungen niederschrieben.

© OtterRichard Schwarz mit zwei Kufsteinerinnen, die spontan ihre Erinnerungen niederschrieben.



Von Wolfgang Otter

Kufstein – Er ist nicht zu übersehen. Auf dem Unteren Stadtplaz vor dem Kufsteiner Sparkassengebäude steht ein Tisch, darauf ein Telefon mit Wählscheibe. Die ersten älteren Damen stehen bereits davor und schreiben auf aufliegenden Zetteln Erinnerungen nieder. Denn genau darum geht es. Das Büro für Erinnerungen wurde gestern vorgestellt.

Diese Erinnerungen sind wichtig, wie Andreas Exenberger erzählt. Der gebürtige Kufsteiner ist Co-Autor des großen Projekts Kufsteiner Stadtbuch, das in mehreren Editionen erscheinen wird. „Da gibt es viele alltägliche Dinge, über die Zeitungen nicht geschrieben haben, weil sie normal sind. Oder Dinge, die heute normal sind, aber damals etwas Besonderes waren. So wie die erste automatische Türe und die erste Rolltreppe. Oder das Einkaufen in Rosenheim und danach die Fahrt über die Grenze“, weiß Exenberger. Erinnerungen sind aber nur wertvoll, wenn sie erzählt werden.

Genau das können Interessierte tun. Entweder dem Team im persönlichen Gespräch vor Ort oder in Form von Fotos, Rezeptbüchern, Haushaltsbüchern, Einkaufszetteln, Malereien, Postkarten, Schulaufsätzen, offiziellen Dokumenten, Liebesbriefen usw., die vorbeigebracht werden können. Jeder Beitrag sei herzlich willkommen und kann vielleicht eine Quelle für das gerade entstehende Buch zur Geschichte der Stadt Kufstein im 20. Jahrhundert werden. Mitgebrachtes wird vor Ort fotografiert und kann anschließend wieder mitgenommen werden.

Bis 2020 soll das Großprojekt Stadtbuch abgeschlossen sein, dazu gab es bereits acht Erzählcafés und 50 Einzel-Interviews, wie Andreas Falschlunger, Organisator des Stadtbuches, erzählt. Die Koordination des Vorhabens liegt bei Richard Schwarz, der auch sofort ins Gespräch mit den beiden Damen kommt. Und auch Bürgermeister Martin Krumschnabel schaut bei der Präsentation vorbei und lobt das Projekt, und auch er hat eine Erinnerung parat: „Die zweite Hälfte des vergangenen Jahrhunderts war schön“, erzählt er.

Die Termine für das Erinnerungsbüro

Freitag, 13. September, 13–17 Uhr: Foyer Sparkasse, Unterer Stadtplatz: Themenschwerpunkte: Freizeit, Festung, Hausarbeit/unbezahlte Arbeit, Kochen/Essen, Schulerinnerungen.

Samstag, 21. September 2019, 10–14 Uhr: Kufstein Galerien:

Dienstag, 24. September 2019, 15–19 Uhr: Hochhäuser Endach:

Freitag, 27. September, 14–17 Uhr: Altenwohnheim Zell: