Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 10.09.2019


Bezirk Imst

Alte Rechte, leere Häuser und langwierige Grabungen in Nassereith

In Nassereith werden alte Fußwege diskutiert, die gesperrt wurden: Eines dieser Servitute wird nun seitens der Gemeinde eingeklagt.

Ein Ausschuss sollte sich in Nassereith mit dem Erhalt und der Sanierung alter, leerstehender Gebäudesubstanz auseinandersetzen. Auch der Postplatz als Zentrum der Gemeinde sollte dort behandelt werden.

© PaschingerEin Ausschuss sollte sich in Nassereith mit dem Erhalt und der Sanierung alter, leerstehender Gebäudesubstanz auseinandersetzen. Auch der Postplatz als Zentrum der Gemeinde sollte dort behandelt werden.



Von Alexander Paschinger

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Nassereith – Sie sind alte Fußwege durch Nassereith. Sie rühren noch von Zeiten her, als nicht jedes Haus gleich mehrere Fahrzeuge davor stehen hatte, als die Leute in die Fabrik zur Arbeit gingen, als das Mittagessen und die Marend auf das Feld nachgetragen wurde. „Gut die Hälfte dieser Wege sind schon verschwunden“, bedauert der Nassereither Gemeinderat Hannes Fitsch. Das hat nicht nur mit den neuen Gewohnheiten der Menschen zu tun, sondern auch mit neuen Bauten, geänderten Grundgrenzen und – Absperrungen.

Eine solche Absperrung beschäftigte zuletzt den Gemeinderat. Drei Grundeigentümer, einer davon Vater eines Gemeinderates, hatten einen dieser Wege geschlossen – was zu einer doch recht hitzigen Debatte führte. Immerhin wird nun die Gemeinde als Interessensvertreter der Bürger die Wiedereröffnung des inzwischen öffentlichen Gehweges einklagen. Die Juristen beider Parteien zeigen sich jedenfalls siegessicher.

GR Martin Kranewitter verteidigte den Schritt seines Vaters damit, dass der Weg zuletzt nicht nur von Fußgängern, sondern auch Radfahrern genutzt wurde – wobei auch die Frage nach der Haftung akut sei. Und dass die Leute nicht nur durch den Garten, sondern auch durch Blumenbeete gingen. Zuletzt war die Sache so eskaliert, dass sogar eine Besitzstörungsklage anhängig war.

Die Gasleitungsarbeiten sorgen für schlechte Straßen und Stimmung.
Die Gasleitungsarbeiten sorgen für schlechte Straßen und Stimmung.
- Paschinger

GR Fitsch spricht in diesem Zusammenhang von altem Kulturgut. Wenn das so weitergehe, „dann klagt einer noch, weil die Fasnacht schon um sechs Uhr Früh losgeht“. Die Frage, ob nun ein 200 Meter Umweg den Spaziergängern zumutbar ist, oder ein jahrzehntealter Fußweg erhalten bleiben muss, wird nun wohl das Gericht beschäftigten.

Auch in einer anderen Sache geht es dem Nassereither Gemeindeparlament um die Erhaltung alter Substanz – und zwar Bausubstanz. GV Martin Sterzinger regte nämlich die Bildung eines Ausschusses zur Ortskernrevitalisierung an. Sterzinger spricht von 60 leerstehenden Gebäuden im Dorfkern, BM Herbert Kröll zwar nur von etwas weniger als der Hälfte – aber der Ausschuss wird eingerichtet. GR Hubert Malleier will auch, dass der Postplatz in das Aufgabengebiet des Arbeitskreises fällt. Der Ausschuss soll die Eigentümer bei Renovierungen, Denkmalamt oder Förderungen unterstützen, ihnen aber nichts vorschreiben. Alle Fraktionen des Gemeinderates werden dieses Gremium beschicken, Sterzinger ist dessen Obmann.

Für Unmut sorgen unterdessen die anhaltenden Leitungsarbeiten in der Fernpassgemeinde. Mehrfach wurde von Gemeinderäten beklagt, dass die Bürger über die Gasanschlüsse nicht richtig informiert wurden.




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