Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 12.09.2019


Gesellschaft

Neue Ausstellung in Auschwitz: Gedenken ohne Opfer-These

Österreich will in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz ab Ende 2020 mit einer neuen Ausstellung präsent sein.

Block 17 der Gedenkstätte Auschwitz, Abbau der alten Ausstellung 2013: Die Wand mit der Darstellung Österreichs als erstes Opfer ist als Zeitdokument ins „Haus der Geschichte“ nach Wien übersiedelt.

© NationalfondsBlock 17 der Gedenkstätte Auschwitz, Abbau der alten Ausstellung 2013: Die Wand mit der Darstellung Österreichs als erstes Opfer ist als Zeitdokument ins „Haus der Geschichte“ nach Wien übersiedelt.



Von Wolfgang Sablatnig

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Wien, Auschwitz – Die Vorbereitungen zogen sich über Jahre. Mit der gestern erfolgten Beauftragung eines Generalunternehmers könnte die neue Österreich-Ausstellung in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz Ende 2020 aber fertig sein, hofft Hannah Lessing, die Generalsekretärin des Nationalfonds für die Opfer des Nationalsozialismus. Ob dieser Zeitplan hält, hängt davon ab, was bei den Arbeiten in Block 17 des ehemaligen Stammlagers zu Tage tritt.

Auschwitz gilt als Synonym für den Holocaust und die Vernichtung der Juden. Zahlreiche Länder zeigen dort eigene nationale Ausstellungen. So ab 1978 auch Österreich. Dem damaligen Geschichtsverständnis entsprechend war es aber eine Erzählung von Österreich als erstem Opfer des Nationalsozialismus, die spätestens ab den 2000er-Jahren als überholt galt. Parallel zur Diskussion über eine Neugestaltung wurde die alte Schau 2013 geschlossen.

Die neue Ausstellung soll sich unter dem Motto „Entfernung. Österreich und Auschwitz“ mit Opfern und Tätern gleichermaßen befassen. Die Arbeit daran ist weitgehend abgeschlossen.

Bevor sie im Erdgeschoß von Block 17 aufgestellt werden kann, muss aber das Gebäude saniert werden. Dabei werden auch Einbauten aus den 1970er-Jahren entfernt, etwa eine damals angebrachte Betonrampe. „Wir wissen nicht, was sich dahinter verbirgt“, sagt Lessing. In anderen Gebäuden der Gedenkstätte wurden Reste aus der Zeit des KZ gefunden. In einem Keller gab es ein offensichtlich als Versteck genutztes Loch. Beim Bau der ersten Ausstellung sei auf diese Dinge noch wenig Rücksicht genommen worden.

Die Gesamtkosten für das Projekt betragen vier Millionen Euro. Saniert wird damit auch das Obergeschoß, in dem früher die jugoslawische Ausstellung zu sehen war. Derzeit stehen diese Räume leer. Gemeinsam mit der Weltkulturorganisation Unesco laufen Bemühungen um eine gemeinsame Neugestaltung.

Demontage 2013: Die Darstellung Österreichs als erstes Opfer ist als Zeitdokument ins „Haus der Geschichte“ nach Wien übersiedelt.
Demontage 2013: Die Darstellung Österreichs als erstes Opfer ist als Zeitdokument ins „Haus der Geschichte“ nach Wien übersiedelt.
- HBF