Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 13.09.2019


Bezirk Landeck

Berghäuser im Platzertal: Aus Ruine wurde stolzes Baudenkmal

Die Schlussetappe der Kulturbaustelle im Platzertal ist geschafft: Vier Berghäuser geben Einblick in Europas höchstgelegenen Bergbau. Experten bescheinigen dem Team der Naturwerkstatt hervorragende Arbeit.

Die Berghäuser im Platzertal (2500 m), wo einst bis zu 60 Knappen lebten, sind in den vergangenen drei Jahren mustergültig saniert worden.

© WenzelDie Berghäuser im Platzertal (2500 m), wo einst bis zu 60 Knappen lebten, sind in den vergangenen drei Jahren mustergültig saniert worden.



Von Helmut Wenzel

Pfunds, Tösens – „Für uns ist ein Traum wahr geworden.“ So brachte Christian Sturm, Obmann des Bergwerksvereins Platzertal, gestern Donnerstag seine Freude über die Restaurierung der vom Verfall bedrohten Berghäuser in 2500 Metern Seehöhe auf den Punkt. Die Gebäude sind Teil der Bergwerksanlagen, wo einst bis zu 60 Knappen hausten, die unter unvorstellbaren Bedingungen nach Silber und Bleierzen schürften. „Tösner Frauen sind in mühsamem Fußmarsch aufgestiegen, um ihnen das Essen zu bringen“, weiß Sturm.

Die Bausaison im Platzertal geht nächste Woche zu Ende, das mit öffentlichen Mitteln geförderte Leader-Projekt läuft mit Jahresende aus.

Auf derartigen Achsen wurden Hunte (Förderwagen) mit Erz transportiert, sieben Stück sind erhalten.
Auf derartigen Achsen wurden Hunte (Förderwagen) mit Erz transportiert, sieben Stück sind erhalten.
- Wenzel

„Die Ziele sind trotz knapper Zeit erreicht. Die vier zusammenhängenden Häuser konnten wind- und wetterfest saniert werden“, resümierte Projektleiter Christoph Gigele. Auf der Rückseite entstand eine Schutzmauer, um dem Eindringen von Feuchtigkeit einen Riegel vorzuschieben.

Die teils eingestürzten Dächer und Dachstühle wurden mit aufwändigen Holzkonstruktionen komplett erneuert, eine Dachrinne leitet das Wasser ab. Innen wurde alles entrümpelt, trockengelegt und mit neuen Böden ausgestattet. Doch nur wenige interessante Fundstücke kamen ans Tageslicht. Gefunden wurden sieben eiserne Achsen mit Rädern – sie sind Teil der Hunte (Förderwagen), die zum Transport von Erz dienten. Und in Haus 4 lag ein Waschbrett, in dem Schüsseln zur Körperpflege der Knappen steckten.

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„Wo das Quartier der Bergbaupioniere stand, die schon im 16. Jahrhundert geschürft haben, ist noch unklar“, sagte Baugeschichte-Expertin Sonja Mitterer. Das Alter der Berghäuser konnte sie mit Hilfe der Dendrochronologie ermitteln: Diese entstanden in der Spätphase des Bergbaus von 1885 bis 1904.

Mitterer und Reinhard Rampold vom Bundesdenkmalamt fanden lobende Worte für die Arbeit des sechsköpfigen Naturwerkstatt-Teams mit Vorarbeiter Bruno Schuchter, Projektleiter Gigele sowie Koordinator Andreas Gruber. „Diesen Montag haben wir 40 Zentimeter Neuschnee gehabt“, berichtete Schuchter. „Zudem konnten wir wegen der späten Schneeschmelze erst Anfang Juli beginnen.“

Fazit: Das Team habe Hervorragendes geleistet. „Dazu kommen zahlreiche unentgeltliche Einsatzstunden von freiwilligen Mitarbeitern“, hob Gigele hervor. Die „mustergültige Sanierung“ konnte mit einem Gesamtbudget von 342.000 Euro realisiert werden. Der TVB Tiroler Oberland steuerte 60.000 Euro bei. „Ohne diesen Beitrag hätten wir diese Schlussetappe nicht geschafft“, stellte der Bergwerksverein-Obmann fest.

Wie soll es mit den Berghäusern weitergehen, nachdem die „Hardware“ fertiggestellt ist? – „Geplant sind Schautafeln mit Infos zur Geschichte des Bergbaus“, so Sturm. „Ideen hätten wir noch viele. Vielleicht gelingt es auch, einen der Stollen zu öffnen, um ein Schaubergwerk einzurichten.“ Aber dazu müsste ein neues Förderpaket geschnürt werden. Rampold und Mitterer würden das unterstützen. „Was wir nicht wollen, ist Disney-Kitsch, eine Jausenstation oder eine asphaltierte Zufahrt“, stellte Sturm klar.

In dem Brett steckten Waschschüsseln für die Körperpflege der Knappen. Von links: Sonja Mitterer, Projektleiter Christoph Gigele, Andreas Gruber, Bruno Schuchter, Christian Sturm und Hannes Weinhuber.
In dem Brett steckten Waschschüsseln für die Körperpflege der Knappen. Von links: Sonja Mitterer, Projektleiter Christoph Gigele, Andreas Gruber, Bruno Schuchter, Christian Sturm und Hannes Weinhuber.
- Wenzel