Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.09.2019


Osttirol

Die Linderhütte bekommt ein massives Innenleben

Ein Sturm hat im Oktober das Blechdach dieses alpinhistorischen Kleinods weggerissen. Die Sanierung läuft auf Hochtouren.

Heimische Unternehmen und Freiwillige arbeiten an der Sanierung der vom Sturm zerstörten Linderhütte auf 2683 Metern Seehöhe.

© ÖTK Sektion LienzHeimische Unternehmen und Freiwillige arbeiten an der Sanierung der vom Sturm zerstörten Linderhütte auf 2683 Metern Seehöhe.



Von Christoph Blassnig

Lienz – Am Dienstag, 17. September, bekommt die Linderhütte auf 2683 Metern Seehöhe erneut Besuch aus der Luft. Per Hubschrauber wird das neue Innenleben des Schutzbaus in Teilen zum Spitzkofelgrat geflogen und noch am Transportseil hängend an Ort und Stelle montiert. Die vorgefertigten Elemente für den Boden, die Wände und das Dach aus acht Zentimeter dicken Leimholzplatten sollen die nächsten Jahrzehnte schadlos überdauern.

Das Blechdach dieses alpinhistorischen Kleinods war in den Sturmnächten im vergangenen Oktober aus seinen Verankerungen gerissen worden, die Hütte dem Winter somit fast schutzlos ausgeliefert. Der Österreichische Touristenklub (ÖTK) mit Sektionsvorstand Hans-Peter Falkner hat mit Unterstützung der Plattform Architektur & Osttirol seit dem Frühjahr die Sanierung geplant – die Tiroler Tageszeitung berichtete.

Die aus Elementen bestehende massive Holzkonstruktion wird am Dienstag in Teilen zur Linderhütte geflogen und von oben eingesetzt.
Die aus Elementen bestehende massive Holzkonstruktion wird am Dienstag in Teilen zur Linderhütte geflogen und von oben eingesetzt.
- Holzbau Duregger

„Im Juli haben Freiwillige den verbliebenen Holzausbau im Inneren der Schutzhütte entfernt“, berichtet Architekt Philipp Glanzl. Manche der vom Sturm weggetragenen Bruchstücke waren aufwändig aus Schluchten in der Umgebung zu bergen. Seit einigen Tagen sanieren ehrenamtliche Helfer mit Unterstützung einer heimischen Baufirma die alten Mauern.

Allein die Beschaffung von Baumaterial ist auf dieser Höhe mit großer Mühe verbunden. „Es gibt um die Hütte praktisch keine Steine mehr, alles was sich anbot, wurde einst für die Hütte verbaut“, gibt Glanzl Auskunft. Die vier bis fünf Männer, die derzeit täglich von der Kerschbaumer Alm zur Linderhütte aufsteigen, tragen auch Steine mit hinauf, um die Mauern wiederherzustellen.

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Das alte Dach war zwar im Mauerwerk verankert. Doch die Wände haben die Erbauer vor 135 Jahren zweischalig aufgemauert, der Zwischenraum wurde mit Bruchstücken verfüllt. „Wir nehmen an, dass diese Verankerungen dem Sturm nicht mehr standgehalten haben“, sagt der Architekt. Darum hat man sich zur Sanierung für einen eigenständigen massiven Holzbaukörper entschieden, der von oben passgenau in die Ringmauer eingesetzt wird. Das Dach ist fest mit Wänden und Boden verschraubt. Die Konstruktion wiegt mehrere hundert Kilogramm. „Stürme sollten dem nichts mehr anhaben können“, zeigt sich Glanzl zuversichtlich.

Kosten für die Sanierung entstehen hauptsächlich durch die Hubschrauberflüge. Allein am Dienstag werden etwa zehn davon nötig sein, um Mannschaften und die sechs Holzelemente einzufliegen. „Ohne die großzügige Unterstützung von mehreren heimischen Unternehmen wäre das Projekt für uns so nicht umzusetzen gewesen“, erklärt der Verantwortliche.

Nächste Woche soll das Wetter auch die Eindeckung mit einer Dachhaut aus Blech noch zulassen. Die Türe und das Fenster sind zwar gerade in Produktion, ob sich die Montage heuer noch ausgeht, ist jedoch nicht sicher. Die Linderhütte soll im nächsten Jahr mit einer gebührenden Feier wieder ihrer Bestimmung übergeben werden.


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