Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 14.09.2019


Südkorea

Arbeit mit Leprakranken: Nobelpreis für Tirolerinenn?

Südkorea schlägt die Tiroler Krankenschwestern Marianne Stöger und Margit Pissarek wegen ihrer Arbeit auf der Lepra-Insel Sorok für den Friedensnobelpreis vor.

Der Gouverneur der Region Jeollanam-do Kim Yung-rok trifft Schwester Margaret, Schwester Marianne und Landeshauptmann Günther Platter in Innsbruck (v. l. n. r.).

© Der Gouverneur der Region Jeollanam-do Kim Yung-rok trifft Schwester Margaret, Schwester Marianne und Landeshauptmann Günther Platter in Innsbruck (v. l. n. r.).



Innsbruck – In Tirol sind die beiden unbekannt, in Südkorea sind Marianne Stöger und Margit Pissarek „Parannun Chun-sa“, übersetzt die „blauäugigen Engel“. Mehr als 40 Jahre lang haben die beiden Krankenschwestern und Mitglieder der Christkönigschwestern auf der Insel Sorok in der Provinz Jeollanam-do Lepra-Kranke gepflegt und Medikamente und Geld gesammelt, um die medizinische Infrastruktur zu verbessern. Gestern trafen der Gouverneur der Region, Kim Yung-rok, und Landeshauptmann Günther Platter mit Schwester Marianne und Schwester Margit, die in Südkorea Margaret hieß, zusammen. „Ich will den beiden persönlich danken“, erklärte Kim Yung-rok.

„Wir würden alles wieder so machen“, sagten die beiden Damen. Nach Abschluss der Krankenschwesternschule waren sie bis 1962 an der Innsbrucker Universitätsklinik tätig, dann wanderten sie nach Korea aus und arbeiteten von 1962 bis 2005 im Sorok Island Hospital. Auf Sorok Island waren vor rund 100 Jahren Lepra-Kranke von den japanischen Besatzern geschickt worden. Lepra galt damals als höchst ansteckend – selbst medizinisches Personal wollte sich den Kranken damals nicht nähern, berichtet Yung-rok: „Die beiden Schwestern haben die Kranken aber mit bloßen Händen gepflegt.“ Für dieses Engagement will Südkorea die beiden Schwestern für den Friedensnobelpreis nominieren. Auch Landeshauptmann Platter unterstützt die Nominierung der beiden Schwestern. Er sei davon überzeugt, dass deren 43-jähriges Engagement für an Lepra erkrankte Menschen in Korea eine besondere Würdigung verdiene. Tirol habe das bereits getan, indem beiden das Ehrenkreuz des Landes verliehen wurde.

Kim Yung-rok sieht gute Chancen, dass die beiden Tirolerinnen tatsächlich für den Friedensnobelpreis nominiert werden. Bereits im Juni 2016 wurde das Haus, in dem die beiden auf Sorok lebten, als „Kulturgut“ eingetragen. Auch eine Sonderbriefmarke wurde produziert und Schwester Marianne und Schwester Margaret sind auch Ehrenbürgerinnen Koreas. Außerdem erhalten die beiden monatlich 1,040.000 Won, umgerechnet 790 Euro Unterstützung. Die richtige Nominierung für den Friedensnobelpreis begann im April 2017 mit der Veröffentlichung des Dokumentarfilms „Marianne und Margaret“. Rund 450.000 Menschen haben den Film bereits gesehen.

Kim Yung-rok freut sich, die beiden Schwestern in Innsbruck zu sehen. Immerhin hätten sie 2005 die Insel Sorok ganz plötzlich verlassen. „Sie haben nur einen Brief zurückgelassen“, sagt der Gouverneur. In diesem stand, dass sie sich durch ihr Alter nicht mehr so gut bewegen konnten und deshalb in ihre Heimat zurückkehren wollten, da sie in Sorok niemandem zur Last fallen wollten. Unter den verbliebenen Lepra-Patienten würden die Schwestern heute noch die „große und die kleine Großmutter“ genannt.

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In einem landesweiten Ausschuss unter Vorsitz des ehemaligen Premierministers Hwang-sik wurde 2017 schließlich eine Kampagne zur Nominierung der beiden gestartet, auch Papst Franziskus wurde bereits über die Arbeit der beiden Schwestern informiert. Nun wird die Werbetrommel weiter gerührt, bis Jänner 2020 werden die Nominierungen für den Nobelpreis angenommen. (ver)