Letztes Update am Di, 17.09.2019 06:49

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Tirol

Schülertransport in Nöten: “So geht's nimmer lang weiter“

Der Beförderungstarif des Bundes deckt oft kaum 50 Prozent der Schülertransport-Kosten mit Kleinbussen oder einem Taxi. Gemeinden und Unternehmer fordern eine Anpassung.

Zwar funktioniert die Beförderung im Ballungsraum Innsbruck (im Bild Schüler in der Landeshauptstadt) reibungslos, in der Peripherie könnten einige Verbindungen künftig aber auf der Kippe stehen.

© Thomas Boehm / TTZwar funktioniert die Beförderung im Ballungsraum Innsbruck (im Bild Schüler in der Landeshauptstadt) reibungslos, in der Peripherie könnten einige Verbindungen künftig aber auf der Kippe stehen.



Von Benedikt Mair

Innsbruck – Besonders die Kommunen in der Peripherie seien mit einem großen Problem konfrontiert, sagt Ernst Schöpf, Präsident des Tiroler Gemeindeverbandes. Auf dem Spiel stehe nicht weniger als der Transport Hunderter Schüler. Wohlgemerkt im Gelegenheits-, nicht im Linienverkehr. „Seit Jahrzehnten wurden die Tarife, die der Bund für die Beförderung bezahlt, nicht mehr erhöht.“ Viele Kommunen müssten daher selbst tief in die Tasche greifen, um den Betrieb aufrechtzuerhalten. So gehe es laut Schöpf nicht mehr weiter.Gemeinsam mit Vertretern der Bus- und Taxiunternehmer hat der Gemeindeverband daher gestern zu einer Pressekonferenz geladen. Um wachzurütteln, die Thematik, die sich „immer weiter und schleichend verschärft“, wieder vor den Vorhang zu holen, wie Schöpf betont. „Von den Gemeinden werden finanzielle Aufgaben übernommen, die ganz klar unter die Zuständigkeiten des Bundes fallen.“ Wie viele Kommunen insgesamt eigenes Geld für den Schülertransport aufbringen müssen, weiß der Gemeindeverbands-Präsident nicht genau, aber „im ländlichen Raum, in den Talschaften ist das, wie ich aus eigener Erfahrung weiß, überall der Fall“.

Tarife seit 20 Jahren nicht angepasst

Seit 20 Jahren seien die Tarife nicht angepasst worden, mahnt Markus Freund, Sprecher der Tiroler Taxibranche in der Wirtschaftskammer (WK). „Mit dem Land Tirol, dem Verkehrsverbund haben wir eine gute Zusammenarbeit. Anders sieht es bei den Freifahrten im Gelegenheitsverkehr aus. Die Beförderung von Schülern ist im öffentlichen Interesse. Für die Fahrer, die sehr gut ausgebildet sind, geht es beim Schülertransport in entlegene Weiler, im Winter sind die Straßenverhältnisse schwierig.“ Für diesen Aufwand und Einsatz sei ein dementsprechendes und faires Gehalt zu zahlen, sagt Freund. Daher sei auch der im Kollektivvertrag festgelegte Mindestlohn angehoben worden. Der Sprecher der Taxi-Unternehmer hält fest, dass dies aber auch mit einer Kostensteigerung zusammenhänge – und zwar „massiv“. Dies führe dazu, dass die vom Bund bezahlten Schülerbeförderungstarife kaum noch 50 Prozent der Spesen decken.

Im vergangenen Schuljahr erhielten die Unternehmen für eine Fahrt mit einem Wagen, der, abgesehen vom Lenker, fünf bis acht Sitzplätze hat, ab einer Strecke von 20 Kilometern pro Kilometer täglich 1,27 Euro. Bei 30 Kilometern waren es 1,21 Euro. Eine Taxifahrt durch Innsbruck kostet, zum Vergleich, deutlich mehr. Bei einer Fahrt mit einem Bus, der neun bis 19 Sitzplätze hat, waren es ab 20 Kilometern pro gefahrenem Kilometer 2,13 Euro.

„Der Zustand ist unzumutbar“

„Der Zustand ist unzumutbar“, betont Franz Sailer, WK-Branchen-Sprecher der Autobus-Betriebe, in aller Deutlichkeit. „So geht’s nimmer lang weiter. Vielen Kollegen bzw. Betrieben müssen wir schon abraten, überhaupt Schüler zu transportieren, weil es sich einfach nicht rechnet.“ Die Aufrechterhaltung dieses Konzeptes sei oft nur noch mit Idealismus zu erklären. Seit 20 Jahren, klagt Sailer, habe man beim Bund vergebens um eine Anpassung ersucht.

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Die Sorgen, dass mancherorts der Schülertransport nicht mehr aufrechterhalten werden könne, beträfen nicht nur Tirol, klärt Ernst Schöpf auf. „Auch in Kärnten, Niederösterreich oder Steiermark haben sie mit ähnlichen Problemen zu kämpfen.“ Es sei höchst unbefriedigend, dass sich der Bund bei einer Anzahl von unter drei zu transportierenden Schülern nicht mehr verantwortlich fühle. „Die Schulbusversorgung soll im Familienlastenausgleichsfonds gesetzlich verankert werden.“

Und Autobus-Sprecher Sailer stellt klar, dass „wir Unternehmen nicht länger Bittsteller bei den Gemeinden sein wollen. Das Abgeltungsmodell seitens des Bundes muss überarbeitet werden.“ Die bisher rein kilometerbezogene Vergütung soll um den Faktor Zeitaufwand ergänzt werden.