Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 23.09.2019


Osttirol

Neue Pfarrerin: Von Bayern über Norwegen nach Lienz

Franziska Förster ist die neue evangelische Pfarrerin für Osttirol. Die Münchnerin ist gelernte Konditorin und wirkte nach dem Theologiestudium bei den Samen in Norwegen. In Lienz fühlt sie sich willkommen.

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© Oblasser



Von Catharina Oblasser

Lienz – Die evangelische Pfarre in Lienz, sie ist die einzige in Osttirol, steht unter neuer Leitung. Nach 33 Jahren ging Pfarrer Hans Hecht in Pension, ihm folgt eine Frau: Franziska Förster, geboren in München. Am Sonntag, den 29. September, wird sie offiziell in ihr Amt eingeführt.

Förster hat viele abwechslungsreiche Jahre hinter sich, wie sie im Gespräch mit der TT erzählt. Aufgewachsen als zweitälteste von fünf Geschwistern, machte sie nach dem Abitur erst eine Konditorlehre. Dann entschloss sie sich, Theologie zu studieren. „Ich wollte immer schon Pfarrerin werden. Meine Mutter hat mir den Glauben sehr intensiv vermittelt, er gibt mir Geborgenheit“, erklärt die 39-Jährige. „Und ich mag den Kontakt mit Menschen, vor allem mit Kindern und Jugendlichen.“

Ein Austauschprogramm während ihres Studiums führte Förster nach Norwegen. Nach dem Jahr in der norwegischen Hauptstadt Oslo hatte sie so großen Gefallen an dem nordeuropäischen Land gefunden, dass sie zurückkehrte: Diesmal war es eine Gemeinde nahe Trondheim, wo die Bayerin als Hilfspfarrerin arbeitete. „Ich war für 100 Konfirmanden zuständig, aber auch für Taufen, Hochzeiten und Gottesdienste“, schildert Franziska Förster.

Nach drei Jahren in Mittelnorwegen führte sie ihr Weg schließlich über den Polarkreis hinaus: zu den Samen, die mit ihren Rentieren eng mit der Natur verwurzelt sind und Temperaturen von minus 50 Grad sowie tiefe Dunkelheit während der Wintermonate aushalten. „Samisch ist eine finno-ugrische Sprache, ganz anders als Norwegisch oder Deutsch“, erinnert sich Förster. „Ich habe es gut genug gelernt, um Gottesdienste auf Samisch zu halten.“ Leicht war es für sie nicht, ganz abgesehen von Dunkelheit und Kälte. „Ich war die erste Pfarrerin in diesem Ort. Dass kein Mann die Pfarre geleitet hat, war für die Menschen dort sehr ungewohnt.“

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Nach drei Jahren orientierte sich Franziska Förster neu und bewarb sich für die Stelle in Lienz. „Auch, weil meine Eltern inzwischen nicht mehr die Jüngsten sind. Sie leben heute in Reit im Winkl, ganz dicht an der österreichischen Grenze. Von Lienz aus kann ich in zwei Stunden bei ihnen sein“, erklärt die Pfarrerin ihre Beweggründe.

Der neue Arbeitsplatz in Lienz, den sie mit 1. September kennen gelernt hat, gefällt ihr gut. „Ich mag die Berge und fahre gerne Ski. Die Menschen sind mir sehr offen und freundlich begegnet, es gibt viele Cafés, und man kommt mit dem Fahrrad gut durch die Stadt. Das finde ich super.“ Dass nicht der evangelische, sondern der katholische Glaube in der Region vorherrsche, sei sie von Bayern gewohnt, meint die Pfarrerin, das sei kein Problem, im Gegenteil. „Meine katholischen Kollegen haben mich sehr nett aufgenommen.“ Und der Osttiroler Dialekt? „Ich werde versuchen, ihn zu verstehen“, schmunzelt Förster.