Letztes Update am Mo, 23.09.2019 11:40

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Uni Innsbruck

80 Prozent Deutsche: Innsbrucker Rektor fordert Quotenregelung für Psychologie

Dass 80 Prozent der Psychologiestudenten an der Uni Innsbruck Deutsche sind, sieht Rektor Märk problematisch. Er fordert eine Quotenregelung ähnlich wie bei Humanmedizin.

Rektor Tilmann Märk.

© Michael KristenRektor Tilmann Märk.



Innsbruck – 80 Prozent der Psychologiestudenten, die im Wintersemester 2019/20 ihr Studium an der Innsbrucker Leopold-Franzens-Universität beginnen werden, kommen aus Deutschland. Rektor Tilmann Märk sah darin durchaus ein Problem. Eine Quotenregelung, ähnlich wie beim Studium der Humanmedizin, wäre daher „absolut wünschenswert“, meinte der Rektor im APA-Interview.

Wie die TT berichtete, gingen vier von fünf Studienplätzen gingen nach dem Aufnahmetest an Deutsche. Seitens der Universität habe man auch schon mehrmals, unter anderem beim zuständigen Ministerium, auf dieses Problem hingewiesen, sagte Märk zur APA. Die hohe Anzahl an Deutschen könnte auch zu einem Mangel an Psychologen in Österreich führen, fürchten laut Märk zumindest die Innsbrucker Psychologieprofessoren, da viele der deutschen Studenten später nicht in Österreich bleiben würden. 900 Bewerber, die Mehrheit davon aus Deutschland, hatten den Aufnahmetest absolviert. Die Anzahl der Studienplätze sei aufgrund des großen Andrangs in den vergangenen Semestern bereits stetig erhöht worden, derzeit stehe man bei 260 Plätzen.

Die Aufstockung der Psychologieplätze sei unter anderem aufgrund der nun umgesetzten Studienplatzfinanzierung möglich gewesen, erklärte der Rektor, der die Studienplatzfinanzierung als einen „entscheidenden Reformschritt“ bezeichnete. Trotzdem sei die Knüpfung gewisser finanzieller Leistungen an die Anzahl an prüfungsaktiven Studenten, wie in der Leistungsvereinbarung 2019 bis 2021 vorgesehen, teilweise eine „schwierige Situation“, meinte Märk. „Die Studienplatzfinanzierung wurde nämlich zu einem Zeitpunkt eingeführt, zu dem österreichweit und europaweit aufgrund der demografischen Entwicklung die Anzahl der Studierenden begonnen hat, abzunehmen“, erklärte der Rektor. In der Leistungsvereinbarung habe man sich aber noch auf Studentenzahlen geeinigt, die jetzt „nur sehr schwer zu erreichen sein werden“, fügte Märk hinzu.

Uni könnte Teil des Budgets zurückzahlen müssen

An der Universität Innsbruck habe man dieses Problem schon früh erkannt und deshalb auch schon damit begonnen, Ausgleichsmaßnahmen zu setzen. „Erste Hochrechnungen bezüglich der Neuinskribierten deuten darauf hin, dass es uns gelungen ist, den Trend der Abnahme der Studierendenzahlen umzukehren“, berichtete der Rektor. Trotzdem gehe er davon aus, dass die Uni Innsbruck leicht unter dem Zielwert liegen wird. „Ich bezweifle, dass wir es komplett kompensieren können“, so Märk. Deshalb könnte es auch passieren, dass man einen Teil des Budgets wieder zurückzahlen muss. Sollten aber alle großen Universitäten dasselbe Problem haben, werde man sich diesen Punkt nochmals ansehen müssen. „Ich vermute, dass man diesbezüglich nochmals miteinander reden muss, weil letztlich das Geld ja fehlen würde“, betonte der Rektor.

Die noch von der alten Regierung geplante Exzellenzinitiative bezeichnete Märk als ein „Muss“. „Wenn das nicht kommt, werden wir weiter zurückfallen, da in anderen Ländern laufend in das System investiert wird“, sagte Märk. Das im August in Begutachtung geschickte Forschungsrahmengesetz sei, trotz des Fehlens der Budgetzahlen, ein Fortschritt, „weil es für Förderinstitutionen eine dreijährige Leistungsvereinbarung vorsieht und das gibt Sicherheit“, meinte der Rektor. Wichtig sei aber auch die Aufstockung der Mittel des FWF, dieser sollte laut Märk zumindest drei Mal so hoch dotiert sein wie derzeit.

Märk will Internationalisierung vorantreiben

Der 1944 in Seefeld geborene Rektor wird im Frühjahr 2020 seine dritte und damit auch letzte Amtszeit, wie er selbst sagte, beginnen. Wichtige Vorhaben, die er bis zum Ende der Periode im Jahr 2024 noch umsetzen will, sind unter anderem die Bauvorhaben am Standort der Alten Chemie und das Haus der Physik. Beim Neubau am Standort der Alten Chemie sei man im Zeitplan. Im Herbst 2020 soll der Spatenstich erfolgen. Und auch beim Haus der Physik sei man bei den Planungen schon „sehr weit“. Der Rektor hoffte, dass es nächstes Jahr das grüne Licht geben wird. Ein weiteres wichtiges Vorhaben sei auch die Weiterentwicklung der Internationalisierung der Uni. Deshalb will sich die Uni Innsbruck bei der nächsten Ausschreibung der EU für ein European Universities Konsortium bewerben, um unter anderem die Mobilität der Studenten noch weiter fördern zu können. (APA)