Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 29.09.2019


Innsbruck

Nach Mord in Flüchtlingsheim: Verwandte wollen Kinder aufnehmen

Das Flüchtlingsheim in der Rossau war im Dezember Schauplatz der Tragödie.

© RachleDas Flüchtlingsheim in der Rossau war im Dezember Schauplatz der Tragödie.



Die Mutter (23) tot, der Vater und mutmaßliche Mörder in Haft: Die Gewalttat Ende Dezember im Flüchtlingsheim in der Rossau hat nicht nur ein junges Leben gekostet, sondern auch zwei kleine Kinder zu Halbwaisen gemacht. Neun Monate nach dem vom Vater verursachten Schicksalsschlag leben der Bub und das Mädchen noch immer in einem Heim. Aber es besteht die Hoffnung, dass Verwandte die Kinder aufnehmen. „Es besteht ein regelmäßiger Kontakt", sagt Gabriele Herlitschka, Leiterin des Innsbrucker Jugendamtes.

Rückblende: Es war in der Nacht zum 26. Dezember, als ein getrennt wohnender Syrer seine Ehefrau und die beiden gemeinsamen Kinder (damals drei und fünf Jahre) im Flüchtlingsheim besuchte. Eine Begegnung mit Konfliktpotenzial — die 23-Jährige wollte sich trennen, ihr Ehemann war nicht mehr nüchtern (0,8 Promille). Tatsächlich kam es bald zum Streit. Schließlich ging der 37-Jährige mit den bloßen Händen auf seine Frau los. Dabei erlitt die zweifache Mutter so schwere Verletzungen, dass sie noch in der Nacht in der Klinik starb. Zu dem Zeitpunkt befand sich der Syrer bereits in Polizeigewahrsam. Im Juni wurde der Mann vom Geschworenengericht zu 20 Jahren Haft verurteilt (nicht rechtskräftig).

„Es besteht ein regelmäßiger Kontakt zu den Verwandten. Die Kinder freuen sich auf jeden Besuch“, meint Gabriele Herlitschka (Jugendamt).
„Es besteht ein regelmäßiger Kontakt zu den Verwandten. Die Kinder freuen sich auf jeden Besuch“, meint Gabriele Herlitschka (Jugendamt).
- ruß

Noch in der Tatnacht wurden die beiden Kinder des Paares der Obhut des Jugendamtes übergeben. Seither leben die Geschwister in einer Betreuungseinrichtung. Das soll aber nicht so bleiben — Verwandte wollen sich künftig um die Kinder kümmern. „Allerdings ist es so, dass der Kontakt zu den Geschwistern vor dem 26. Dezember nicht sehr intensiv war", erklärt Herlitschka. Inzwischen hat sich das geändert, „wir gehen aber behutsam vor und beobachten genau, wie die Kinder reagieren und wie sich das Verhältnis entwickelt". Derzeit schaut es gut aus — „die Kinder freuen sich über jeden Besuch der Angehörigen".

Eine Adoption der Kleinen steht derzeit nicht im Raum: „Dafür wäre die Zustimmung des Vaters nötig", erläutert die Jugendamtsleiterin. Dass der 37-Jährige vermutlich für viele Jahre inhaftiert bleiben wird, spielt dabei keine Rolle. Auch bei anderen Lösungen wird er angehört und kann Vorbehalte äußern, die ernst genommen und überprüft werden. (tom)