Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 27.09.2019


Innsbruck

Frauenhaus Innsbruck bezogen: „Jetzt ist es endlich geschafft“

18 Jahre nach den ersten Konzepten wurde das neue Frauenhaus in Innsbruck bezogen.

Eine Gemeinschaftsküche lädt zum Knüpfen von Kontakten ein.

© Land Tirol/SaxEine Gemeinschaftsküche lädt zum Knüpfen von Kontakten ein.



Von Benedikt Mair

Innsbruck – Der 16. September 2019 war ein wichtiger Tag für Tirolerinnen, die Opfer häuslicher Gewalt wurden, Schutz vor Schlägen und Erniedrigung suchen. Das neue Frauenhaus in Innsbruck wurde seiner Bestimmung übergeben und bezogen – 18 Jahre nach den ersten Ideen, Vorschlägen und Konzepten.

15 Frauen und 15 Kinder können in den Räumlichkeiten leben. In akuten Fällen bieten diese Platz für drei weitere Menschen. Das Haus, dessen Standort aus Opferschutzgründen geheim gehalten wird, verfügt über einen Innenhof, eine Terrasse und eine Gemeinschaftsküche, in welcher die Bewohnerinnen Kontakte knüpfen können.

Die Einrichtung bietet Platz für 15 Frauen und 15 Kinder.
Die Einrichtung bietet Platz für 15 Frauen und 15 Kinder.
- Land Tirol/Sax

„Es war ein sehr, sehr langer Weg bis hierhin“, sagt Soziallandesrätin Gabi Fischer (Grüne). „Statistiken zeigen, dass die eigenen vier Wände für Frauen der gefährlichste Ort sind.“ Gerade deshalb seien Opferschutzeinrichtungen, wie das neue Frauenhaus, enorm wichtig, „damit Frauen und auch ihre Kinder zur Ruhe kommen und sich von Gewalterfahrungen erholen können“.

Der Weg bis zur Eröffnung war steinig. Die Suche nach dem geeigneten Standort oder die Ungewissheit über die Finanzierung verzögerten das Projekt. „Im Jahr 2014 fand der Architektenwettbewerb statt, 2016 folgte die Ausschreibung“, berichtet Franz Mariacher, Geschäftsführer der bauausführenden Gesellschaft Tigewosi. 3,77 Millionen Euro kostete der Neubau, 17 Monate wurde gebaut. Politik sei „das Bohren harter Bretter“, meint Franz Gruber (ÖVP), zuständig für die Sozialagenden der Stadt Innsbruck. Diese beteiligt sich finanziell an dem Projekt. Gruber: „Gott sei Dank sind wir am Ziel angelangt.“

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Gabi Plattner, Geschäftsführerin des Frauenhauses, ist erleichtert: „Jetzt ist es endlich geschafft. Nun können wir in einem fachlich und qualitativ wertvollen Umfeld arbeiten.“ Aus dem alten Frauenhaus sind sechs Frauen übersiedelt. „In den ersten beiden Tagen am neuen Standort hatten wir fünf Neuaufnahmen.“

Für Landesrätin Fischer zeigt das, wie gefragt die Kapazitäten in diesem Sektor seien. „In Tirol gibt es ab jetzt 46 Plätze in zwei Frauenhäusern in Innsbruck, dazu 16 dezentrale Notplätze.“ Eigentlich brauche es noch mehr, meint Fischer: „Ideen gibt es schon.“

Kritik aus Tirol an Gewaltschutzpaket

Das umstrittene Gewaltschutzpaket, das Mittwochabend mit Stimmen von ÖVP und FPÖ im Nationalrat beschlossen wurde, stößt auch in Tirol auf massive Kritik.

Gabi Plattner, Geschäftsführerin des Frauenhauses Tirol, nennt es eine „bedenkliche Entscheidung", da Experten fast geschlossen dagegen argumentiert hätten. „Besonders problematisch ist die Anzeigepflicht für Gesundheitsberufe." Diese sei fatal, da eine zusätzliche Hürde für hilfesuchende Frauen geschaffen werde.

Innsbrucks Sozialstadtrat Franz Gruber (ÖVP) verteidigte zwar den Beschluss, bemängelte aber, „dass sich der Bund aus der Finanzierung der Gewaltprävention zurückgezogen hat. Das ist der falsche Weg." (bfk)




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