Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Do, 03.10.2019


Bezirk Schwaz

Ein Defekt stoppt die Achenseebahn vorzeitig

Neues Duo an der Spitze soll finanziell angeschlagene Zahnradbahn aus der Krise und in eine sichere Zukunft führen. Am Freitag soll die Lok wieder unter Dampf stehen.

Heino Seeger von der Tegernsee-Bahn ist Betriebsleiter der Achenseebahn.

© ZwicknaglHeino Seeger von der Tegernsee-Bahn ist Betriebsleiter der Achenseebahn.



Von Walter Zwicknagl

Jenbach – Jäh endete am Freitag der Vorwoche die Talfahrt einer Garnitur der Achenseebahn: Bruch der Antriebswelle der Dampflok. Damit war vorläufig Schluss für den Bahnbetrieb, der eigentlich erst Ende Oktober enden sollte. Passiert ist zum Glück nichts. „Die Sicherheitssysteme haben bei diesem Zwischenfall rund 300 Meter oberhalb der Station Burgeck tadellos funktioniert“, sagt Heino Seeger. Er ist seit einigen Monaten Betriebsleiter der Achenseebahn und soll mit Gunter Mackinger, dem ehemaligen Verkehrsdirektor der Salzburg AG, für die Achenseebahn die Kastanien aus dem Feuer holen.

„Damit haben wir nur mehr eine Dampflok zur Verfügung. Ehe wir nicht wissen, was die Ursache für den Schaden ist, bieten wir keinen Fahrgastbetrieb an“, betont der frühere Geschäftsführer der Bayerischen Oberlandbahn, der seit Mai 2013 auch Eisenbahnbetriebsleiter der Tegernsee-Bahn ist. „Heute Donnerstag heizen wir die Lok Nummer 4 an und machen eine Bremsprobe. Ich hoffe, dass wir dann am Freitag wieder auf die Strecke gehen und den Nachsaison-Fahrplan anbieten können.“

Warum der bei der Deutschen Bahn zum Dampflokführer ausgebildete Rheinländer bei der Achenseebahn in die Bresche gesprungen ist, macht er mit einfachen Worten klar. „Weil mir dieses Juwel ganz einfach am Herzen liegt.“ Seegers Stellvertreter ist der Salzburger Gunter Mackinger. Das erklärte Ziel der beiden ist der Weiterbestand der Bahn, die im 130. Bestandsjahr das Glück nicht auf ihrer Seite hat. Im Jubiläumsjahr stehen nämlich mehrere Ausfälle zu Buche, außerdem sorgt die finanzielle Schieflage des Unternehmens immer wieder für Schlagzeilen. Wie ein Damoklesschwert hängt zudem der Prozess mit dem ehemaligen Vorstand der Bahn über dem touristischen Kleinod. „Die Herausforderungen werden nicht kleiner“, betont ein Mitglied des derzeitigen Aufsichtsrates der TT gegenüber.

Nächste Woche steht die Jahreshauptversammlung auf dem Programm – und da werden die Karten wohl neu gemischt. Denn ab diesem Zeitpunkt werden die zwei Achenseegemeinden und die Gemeinde Jenbach mehr als 50 Prozent der Aktien in ihren Händen haben. Schon vorab hat das Land Tirol dem Unternehmen finanziell unter die Arme gegriffen: Mit den bereits vor Monaten zugesagten 1,2 Millionen Euro werden offene Rechnungen beglichen. Nach eingehender Prüfung wisse man jetzt, welche Maßnahmen in den nächsten fünf Jahren zu setzen sind, hatte schon im August Ekkehard Allinger-Csollich, der Leiter der Verkehrsplanung im Amt der Tiroler Landesregierung, auf TT-Anfrage erklärt. Ihm sei klar, dass über mehrere Jahre in siebenstelliger Höhe investiert werden müsse, wobei Fahrzeuge und Strecke Schwerpunkte seien.

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.

Derzeit machen in der Werkstatt in Jenbach sechs Mann die Lok für die heutige Bremsprobe fit. „Um den Fortbestand zu sichern, suchen wir weiter qualifizierte Leute“, sagt Heino Seeger, der zuletzt Vasco T. Duarte aus Norwegen als Heizer angeworben hat. Lokführer Thomas Putzer aus Münster ist jedenfalls optimistisch, was das Gelingen des Neustarts betrifft.

Dass Dampfloks in der heutigen Zeit aus der Sicht des Umweltschutzes ein großes Thema sind, sei ihm bewusst, sagt Seeger. Er stehe aber „hinter dem Dampf“. Denn auch bei der Tegernsee-Bahn sei noch ein Dampfross in Betrieb – und die Probleme seien lösbar. Und das beginne schon bei der Qualität der Kohle, wie der Experte überzeugend erklärt.