Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 04.10.2019


Bezirk Kufstein

Öffentlichen Toilette geschlossen: Viel Lärm um ein stilles Örtchen in Wörgl

In Wörgl fehlt es an öffentlichen Toiletten. Eine Anlage bei der Kirche ist seit fast zwei Jahren geschlossen — aus guten Gründen, sagt BM Wechner.

Die öffentlichen WC-Anlagen bei der ehemaligen Musikschule sind seit 1. Jänner 2018 permanent geschlossen.

© HrdinaDie öffentlichen WC-Anlagen bei der ehemaligen Musikschule sind seit 1. Jänner 2018 permanent geschlossen.



Von Jasmine Hrdina

Wörgl – Was muss, das muss. An den Terminkalender halten sich die Organe im menschlichen Körper dabei selten. Wen die Blase im Wörgler Stadtzentrum drückt, der hat mitunter aber Pech – denn öffentliche WC-Anlagen gibt es außer beim Friedhof keine. Die Toiletten auf der Hinterseite der ehemaligen Musikschule sind seit Jänner 2018 geschlossen. Das ist besonders für Kirchgänger unangenehm. Sonntägliche Gottesdienste, Beerdigungen, Pfarrfeste – den Besuchern mit Bedürfnissen bleibt nur der Bittgang in umliegende Cafés und Restaurants oder die persönliche Beziehung zu jenen Gesegneten, die einen Schlüssel zum naheliegenden Pfarrhaus haben. Der Weg zu den WCs beim Friedhof ist – gerade für ältere Semester – oftmals einfach zu weit.

Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung stellten die Wörgler Grünen daher einen Antrag, die vorhandene WC-Anlage möge wieder in Betrieb genommen werden. Am Dienstagabend wurde dasselbe Anliegen beim Stadtteilgespräch noch einmal von Bürgerseite an BM Hedi Wechner herangetragen.

Das Aufsperren der Anlagen für kirchliche Anlässe sei nicht das Problem, erklärte die Stadtchefin, sondern vielmehr die Frage, wer die Türen danach wieder absperre und wer die Reinigung übernehme. „Die Toiletten wurden in der Vergangenheit zweckentfremdet und derart versaut, dass sich sogar das Reinigungspersonal geweigert hat, sie zu putzen“, erklärt Wechner. Auch Utensilien für den Drogenkonsum seien in den Kabinen gefunden worden. Man habe sich daher entschieden, dem Ganzen einen Riegel vorzuschieben – im wörtlichen Sinne.

Wechner lud nun auf Drängen der Mitglieder der Pfarre zu einem Treffen, „um eine gemeinsame Lösung für kirchliche Veranstaltungen zu finden“. Sie schickte aber voraus: „Daueröffnungszeiten wird es nicht geben.“