Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.10.2019


Bezirk Kufstein

Vor 40 Jahren in Wörgl eingeführt: Frauentreffs noch immer aktuell

Vor 40 Jahren wurde in Wörgl eine neue Bildungsidee geboren. Die Frauentreffs sind heute in der Erzdiözese noch immer wichtig.

Thea Gruber (l.) und Maria Söllradl waren am Anfang der Frauentreffs mit dabei. In einem Sketch zeigten sie die Reaktionen mancher Männer auf die neue Bildungseinrichtung.

© OtterThea Gruber (l.) und Maria Söllradl waren am Anfang der Frauentreffs mit dabei. In einem Sketch zeigten sie die Reaktionen mancher Männer auf die neue Bildungseinrichtung.



Wörgl – Muss das sein? Hat man als Hausfrau nicht etwas anderes zu tun? So lauteten Reaktionen und erstaunte Kommentare, als vor 40 Jahren eine mittlerweile zur Institution gewordene Einrichtung gegründet wurde: der Hausfrauentreff, heute Frauentreff. Einmal die Woche kamen Frauen zusammen, um sich auszutauschen und weiterzubilden. Der Vater dieser Einrichtung, Gustl Schwarzmann, lebt zwar nicht mehr, aber viele Frauen, die damals Vorreiterinnen waren. Sie erinnerten sich gestern im Tagungshaus der Erzdiözese bei einer Jubiläumsfeier an die Anfänge. Gekommen waren dazu, neben Vertreterinnen von Frauentreffs, auch Politikerinnen wie Landesrätin Gabriele Fischer und Wörgls Bürgermeisterin Hedi Wechner. Vonseiten der Erzdiözese hob Weihbischof Hansjörg Hofer den Wert dieser Einrichtung hervor.

„Schwarzmanns Idee des Hausfrauentreffs verbreitete sich rasch, den er stellte die Bildungsbedürfnisse der Frauen in den Mittelpunkt“, berichtete Sabine Peinsipp-Hölzl vom Tagungshaus bei der Feier. 1983 wurden weitere Treffen in Kufstein-Endach und Rattenberg-Radfeld gegründet, es folgten Ebbs und Erl. „Die Idee war grenzenlos und so entstand 1988 in Salzburg–St. Andrä der erste Hausfrauentreff in Salzburg“, blickte Peinsipp-Hölzl zurück.

Bis Ende der Siebzigerjahre bestand Frauenbildung in­nerhalb der kirchlichen Erwachsenenbildung vorwiegend aus Mütterseminaren und Themen der klassischen Familienbildung. „Heute ist sie emanzipatorisch und ergreift Partei für Frauen. Die Teilnehmerinnen setzen sich mit Rollenerwartungen und Geschlechterdifferenzen auseinander, beschäftigen sich mit Frauengeschichte und bestimmen ihre Identität. Dies geschieht zum einen durch konkrete Bildungsangebote, zum anderen dadurch, dass man gemeinsam Zeit verbringt und Spaß hat“, so die Bildungsmanagerin des Tagungshauses.

Aktuell zählt die Erzdiözese 36 aktive Frauentreffs, davon 13 in Tirol. Der älteste Frauentreff ist die Gruppe in Wörgl mit Start 1979. Der jüngste Frauentreff wurde 2016 in Hallwang gegründet. Auch die Veranstaltungsstatistik kann sich sehen lassen: Im Jahr 2018 gab es 403 Veranstaltungen mit 6224 Teilnahmen. Betreut werden die von Land Tirol und Salzburg finanzierten Frauentreffs vom Katholischen Bildungswerk Salzburg (KBW). (TT, wo)

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