Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 05.10.2019


Gesellschaft

Baggersee bekommt mehr Lebenszeit eingeräumt

Die offiziellen Ökologen haben sich mit den Hobbyseeschützern auf einen Kompromiss in Forchach verständigt. Zwei entscheidende Dämme bleiben.

Der Sprecher der Initiative, Wolfgang Schweißgut, präsentiert in der Reuttener TT-Redaktion das Verhandlungsergebnis.

© Mittermayr HelmutDer Sprecher der Initiative, Wolfgang Schweißgut, präsentiert in der Reuttener TT-Redaktion das Verhandlungsergebnis.



Von Helmut Mittermayr

Weißenbach, Forchach – Eigentlich müsste er jubeln. Die Bürgerinitiative zur Rettung des Baggersees in Forchach konnte einen vorzeigbaren Teilerfolg erringen und dürfte das schon nahende Ablaufdatum des Sees auf lange Zeit hinausgeschoben haben. Aber Initiator Wolfgang Schweißgut ist anders gestrickt. Fast mürrisch lässt er wissen, dass „wir in den Besprechungen mit den Experten vom Land keinen Konsens, also Übereinstimmung der Meinungen, sondern lediglich eine Vereinbarung auf kleinstem gemeinsamen Nenner erzielt haben. Einen Kompromiss auf niedrigstem Niveau, der uns davon Abstand nehmen lässt, aktiv zu Demonstrationen aufzurufen oder rechtliche Schritte einzuleiten.“

Die Vorgeschichte: Im Zuge des EU-LIFE-Renaturierungsprojekts „Tiroler Lech II“ sollten die den See schützenden Buhnen (Steinwälle) bereits im August herausgenommen werden. Der Lech könnte dann sein Schotterbett ausbreiten, der See würde eher kurz- als mittelfristig verschwinden. Das Sechs-Millionen-EU-LIFE-Projekt hat als Ziel den Schutz eines der letzten Wildflüsse Mitteleuropas. Der Fluss soll sein Bett wieder ausbreiten können. Mit der Umsetzung der Maßnahme sind Flächenverluste von Stillgewässern, Uferbegleitgehölzen und Auwäldern verbunden. Genau so eine bedrohte Fläche, nämlich der Baggersee in Forchach, führte in Weißenbach – wie berichtet – zur Gründung einer Bürgerinitiative. LHStv. Ingrid Felipe setzte schließlich den Baustart aus und Experten traten in Gespräche mit der Initiative ein, die sich ebenfalls mit Expertisen von Fachleuten aufmunitioniert und prominente Unterstützer gefunden hatte. Die Initiative warf der offiziellen Ökologie schnell fahrlässig schlampige Recherche für die gültigen Bescheide vor. Denn der See und das direkte Umfeld seien in Bezug auf Biodiversität weitaus reicher als dargestellt.

Ingrid Felipe kann die nun weiter bestehende Verärgerung der Bürgerinitiative nicht nachvollziehen und zeigte sich am Freitag froh, dass es zu einer rein fachlichen und nicht politischen Auseinandersetzung in der Thematik gekommen sei. Den Argumenten der Initiative, die erfreulicherweise ebenso in Naturschutzkategorien gedacht habe, sei Raum eingeräumt worden. „Experten wie Klien (Wasserbauamt), Lentner (Land Tirol) oder Salcher (Naturpark) waren dabei“, erklärt LHStv. Felipe. Auch WWF und Uni seien als Verbündete miteinbezogen worden. Die Bürgerbeteiligung habe nun zu einem Ergebnis geführt, das vor allem einen Gewinner kenne – „den Lech, dem sein ihm angestammter Platz wieder eingeräumt wird“. Ein neuer Flachwasserbereich komme hinzu. Der See bleibe wohl noch länger erhalten. Denn der Schutzdamm direkt zum Fluss bleibe großteils bestehen. Die oberhalb des Sees gelegene Buhne werde gekürzt (als Kompromiss nur um 80 statt um 270 Meter). Nur jene unterhalb vollkommen herausgenommen.

„Der bald nicht mehr stabilisierte Kopf der Buhne kann dem Lech keinen allzu großen Widerstand mehr bieten“, hält Schweißgut dagegen, der allerdings in die Bauarbeiten, die Mitte Oktober starten sollen, eingebunden sein wird. Das Ergebnis der Verhandlungen sei „zwar eine Verbesserung gegenüber der ursprünglichen Planung, ist aber dennoch nicht zufriedenstellend, weil es den See eben nicht langfristig absichert“. Alternative Lösungsvorschläge der Initiative seien von den LIFE-Lech-Verhandlern abgelehnt worden. Auf der Habenseite könne die Initiative auch auf die vom Land gar nicht ­vorgesehene Rettung beträchtlicher Frauenschuhbestände verweisen.

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