Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 06.10.2019


Leistbares Wohnen

Wohnen für alle neu denken: Initiativen auch in Tirol

Leistbares Wohnen im städtischen Bereich ist für viele schwierig. In ganz Österreich wachsen deshalb neue Ideen und selbstverwaltete Projekte. Erste Gruppen stehen auch in Tirol in den Startlöchern.

Anders wohnen: Anhand von sechs Meilensteinen von gemeinschaftlichem Wohnen in Österreich zeigt ein neuer Film (siehe unten) Alternativen auf.

© Stadtkino FilmverleihAnders wohnen: Anhand von sechs Meilensteinen von gemeinschaftlichem Wohnen in Österreich zeigt ein neuer Film (siehe unten) Alternativen auf.



Von Liane Pircher

Innsbruck — Im Kampf gegen Immobilienspekulation und steigende Mietpreise tun sich österreichweit immer mehr alternative Wohnprojekte auf: Das Interesse an gemeinschaftlichem Wohnen und Bauen steigt rasant — quasi aus der Not heraus suchen viele Menschen neue Ideen für ein gutes, leistbares Wohnen. Ein Problem, das mittlerweile viele Städte in ganz Europa plagt.

Während an einigen Orten, etwa in Wien oder Graz, schon mehrere Wohnprojekte baulich und rechtlich Realität geworden sind, gibt es in Tirol zwar auch Ansätze dafür, aber erst in der Planungsphase. Seit acht Jahren ist der Verein „Vernetzt Wohnen" an dem Traum „gemeinschaftliches Wohnen im urbanen Raum", sprich Innsbruck, dran. Seine Vision ist ein generationenübergreifendes Leben mit Menschen von 0 bis 100, stadtnah, sozial durchmischt, voneinander profitierend. Von der Privatwohnung über WGs bis hin zu Clusterwohnungen, die bestimmte Räume gemeinschaftlich nutzen, umfasst die Idee ein breites Spektrum an Wohnideen.

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Realisierung scheitert bisher an Grundstückspreisen

Warum es noch nicht zur Realisierung gekommen ist, hat damit zu tun, dass man nie ein leistbares Grundstück in Innsbruck gefunden habe. Es sei ganz normal, dass solche Projekte eine längere Vorlaufzeit bräuchten, erklären Hans Parth und Angelika Schafferer von „Vernetzt Wohnen".

Mittlerweile ist man viele Schritte weiter: Seit Monaten liegt das bis ins Detail durchdachte 92-Seiten-Konzept „Vernetzt Wohnen 001" im Bürgermeisterbüro.

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Hoffen auf Chance in der „Campagne"

Die Gruppe hofft auf eine Chance in der „Campagne Reichenau", also jenem Platz in Innsbruck, wo in den nächsten Jahren auf neun Hektar ein neues Stadtquartier wachsen soll. Statt Eigentum setzt man nun auf ein Mietprojekt für 60 Wohneinheiten. Bewerber dafür gebe es schon genug — von alt bis jung. Die Stadt müsste nur noch Gefallen an der neuen Wohnform finden: „Für die Stadt könnte unser Projekt ein mutiges Vorzeigeprojekt sein, das den ganzen Stadtteil positiv beeinflussen könnte", sagt das Duo. Ähnlich, aber etwas anders gedacht ist das Pilotprojekt JAAA! (von jung alt zu alt alt). Hier will Projektleiterin Margit Schäfer ein Haus mit einer Wir-Kultur von zwei Generationen etwas außerhalb von Innsbruck realisieren. Es gibt bereits eine Gruppe, Interessenten sind noch willkommen (am 9. Oktober gibt es den dritten Infoabend im Haus der Begegnung/Ibk.). Erste Grundstücke habe man besichtigt. Ein Traum wäre, in fünf Jahren einziehen zu können.

Film

Der Stoff, aus dem Träume sind — Ein Film über alternative Wohnprojekte. Am 20. Oktober, 18 Uhr, im Leokino Innsbruck. Im Anschluss gibt es eine Diskussion mit den Regisseuren, einem Architekten und Vernetzt Wohnen, moderiert von Arno Ritter (aut.architektur und tirol).