Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 09.10.2019


Innsbruck Land

Ehemalige Kirchturmuhr von Zirl ist über 400 Jahre alt

2016 vor dem Verschrotten gerettet, 2018 fachgerecht restauriert, nun datiert: Die alte Zirler Kirchturmuhr gibt erstaunliche Geheimnisse preis.

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© Neureiter



Zirl – Die ehemalige Kirchturmuhr von Zirl hat eine bunte Geschichte – und eine sehr lange: Wie sich nun herausstellte, ist die Uhr vor über 400 Jahren entstanden – sogar der Turmuhrmacher von 1605 konnte identifiziert werden.

Kurz zur Vorgeschichte: Nachdem das Uhrwerk bereits vor ca. 40 Jahren im Turm abgebaut und zerlegt worden war, landete das alte Eisen an verschiedenen Lagerplätzen. 2016 nahmen sich Josef Witting und der Zirler Museumsvereinsobmann Simon Gspan des „Schrotthaufens“ an.

2018 restaurierte Erich Brugger aus Wiesing, der schon mehrfach Turmuhrwerke wiederhergestellt hatte, das Werk, baute es fachgerecht wieder auf – und war überrascht, dass es so gut wie komplett war. Es erhielt schließlich einen neuen Standort – samt fahrbarem Untersatz – im Foyer des Zirler Veranstaltungszentrums B4. Das neue „Kontrollzifferblatt“ erhielt ein Zeigerwerk aus dem Heimatmuseum, vermutlich ein Relikt einer früheren Orgeluhr in der Kirche.

Heuer luden dann Regina Stolze-Witting, Simon Gspan und Ortschronist Josef Gspan den Salzburger Experten für historische Turmuhrwerke Michael Neureiter zu einem Lokalaugenschein nach Zirl. Er datierte das Werk ins 17. Jahrhundert und stellte fest, dass es offensichtlich beim Turmumbau 1770 zusätzlich zum Gehwerk und Stundenschlagwerk auch ein Viertelschlagwerk erhalten hatte. Damals erhielt es auch das erhaltene 416 Zentimeter lange Pendel.

Neureiter hat in den letzten Jahren unter anderem Turmuhren in Ranggen und Serfaus restauriert, seine bisher älteste „Patientin“ war die Turmuhr in Axams von Konrad Grienberger (1523), laut dem Experten wohl das älteste betriebsfähige Turmuhrwerk Österreichs am Originalstandort.

Ebenfalls heuer fand schließlich Erich Brugger in Erich Eggs Standardwerk über die Uhr- und Büchsenmacher in Tirol den Schlüssel zum Turmuhrmacher des Zirler Werks: Es handelt sich um Gallus Pranter, seit 1592 Einwohner von Innsbruck und auch städtischer Uhrrichter u. a. für den Stadtturm. 1605 erhielt er die Genehmigung der Stadt Innsbruck, eine neue Kirchenuhr für Zirl herzustellen. Neureiter ist sicher, dass das Werk im Kern von Pranter stammt: „Das Stundenschlagwerk und ein Teil des Gehwerks sind gut 400 Jahre alt, Pranter dürfte es in Innsbruck gefertigt haben.“

Im Veranstaltungszentrum B4 in Zirl steht somit eines der größten Turmuhrwerke Tirols im Bestzustand. Weitere Entdeckungen zu seiner interessanten Geschichte sind nicht auszuschließen. (TT)