Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.10.2019


Innsbruck

Tiroler Jurist mit Militärjeep auf historischen Spuren

Marcus Autherith aus Innsbruck nahm an der Nachstellung einer alliierten Operation in den Niederlanden teil.

Vor wenigen Wochen gedachte der Innsbruck Marcus Autherith gemeinsam mit über 1000 weiteren Teilnehmern der Operation „Market Garden“ im Zweiten Weltkrieg.

© AutherithVor wenigen Wochen gedachte der Innsbruck Marcus Autherith gemeinsam mit über 1000 weiteren Teilnehmern der Operation „Market Garden“ im Zweiten Weltkrieg.



Innsbruck – Im Brotberuf ist der Innsbrucker Marcus Autherith Jurist – in seiner Freizeit begeistert er sich für „Reenactment“, die möglichst authentische Nachstellung historischer Ereignisse. Im Vorjahr organisierte er etwa im Südtiroler Schabs eine aufwändige Neuinszenierung der zweiten Bergiselschlacht von 1809 (die TT berichtete).

Der „Willys MB“ von Marcus Autherith war Teil eines gewaltigen historischen Fahrzeugkonvois.
Der „Willys MB“ von Marcus Autherith war Teil eines gewaltigen historischen Fahrzeugkonvois.
- Autherith

Vor wenigen Wochen gedachte er nun gemeinsam mit über 1000 weiteren Teilnehmern der Operation „Market Garden“ im Zweiten Weltkrieg, die sich heuer zum 75. Mal jährte. Ziel dieser alliierten Luft- und Boden-Operation in den Niederlanden (September 1944) war es, den deutschen Westwall zu umgehen, um rasch ins Deutsche Reich vorzustoßen. Zum Reenactment, u. a. organisiert von einem auf historische Militärfahrzeuge spezialisierten niederländischen Verein, reiste Autherith mit seinem original „Willys MB“-Jeep, Baujahr 1944, an. Die Fahrt erfolgte von Innsbruck bis Düsseldorf per Bahn – wobei es für den Transport eines offenen Fahrzeugs einiges an Verhandlungen brauchte –, später traf er mit deutschen Kollegen und drei eigens angereisten Amerikanern aus Minnesota zusammen. An zwei Wochenenden fuhren sie als Teil eines riesigen Konvois aus Hunderten Militärfahrzeugen die historische Nord- und Südroute der Operation ab, zunächst vom belgischen Leopoldsburg bis Eindhoven (Niederlande), von dort bis Nijmegen an der Grenze zu Deutschland. Die Zeit dazwischen verbrachte Autherith in einem historischen Camp nahe der Stadt Veghel – inklusive Militärpolizei und Hospital samt OP-Zelt. Andere Teilnehmer stellten auch die Teiloperation „Market“ nach, den bis dahin größten Einsatz von Fallschirmjägern – und sprangen dazu aus Douglas-C-47-Flugzeugen über den historischen Schauplätzen ab. „Ziel war damals, wichtige Brücken schon einzunehmen, bevor der alliierte Lkw-Tross eintraf“, erklärt Autherith. Für ihn war es „beeindruckend und ergreifend“, im Konvoi über ebendiese historischen Brücken zu fahren.

Reenactment sei „ein anderer Zugang zu Geschichte, bei dem man diese nicht nur aus Büchern lernt, sondern nachvollzieht“, bilanziert Autherith. „In den Niederlanden besuchen auch Schulklassen solche Camps.“ Besonders der Kontakt mit Veteranen und Familienangehörigen beider Seiten sei äußerst wertvoll. (md)




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