Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 11.10.2019


Gleichberechtigung

“Equal Pay Day“ in Tirol: Ab heute arbeiten Tirolerinnen umsonst

Das durchschnittliche Einkommen der Tirolerinnen liegt um 22,3 Prozent unter jenem der Männer. Ab 11. Oktober arbeiten die Tirolerinnen, im Gegensatz zu den Tirolern, bis zum Jahresende umsonst.

(Symbolfoto)

© PantherMedia(Symbolfoto)



Innsbruck – Der 11. Oktober 2019 ist ein Stichtag. Heute ist so genannter „Equal Pay Day“ und alle Tirolerinnen arbeiten, im Gegensatz zu den Tirolern, bis zum Jahresende umsonst. Natürlich nur symbolisch, die Aktion soll aber die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen verdeutlichen. Hierzulande ist der Unterschied bei den Einkommen zwischen den Geschlechtern groß. Weibliche Arbeitnehmer verdienen (brutto) um 22,3 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. Das ist laut einer Analyse der Arbeiterkammer (AK) der zweitschlechteste Wert bundesweit. Für ganz Österreich fällt der „Equal Pay Day“ auf den 21. Oktober.

Auch wenn Frauen zunehmend erwerbstätig seien, blieben die Unterschiede „betreffend Teilzeit, Betreuungspflichten und Einkommen zwischen den Geschlechtern groß“, mahnt der Tiroler Ableger des Frauenvolksbegehrens, bei dem vor etwa einem Jahr über 500.000 Menschen für mehr Gleichberechtigung bei der Bezahlung unterzeichnet haben. Die Aktivistinnen erneuern aufgrund des großen Unterschieds bei den Einkommen erneut ihre Forderungen nach voller Lohntransparenz oder etwa der verpflichtenden Erstellung konkreter Maßnahmenpläne zum Abbau von Einkommensdifferenzen bei gleichwertiger Arbeit.

Wie es der Zufall will, fällt der „Equal Pay Day“ in Tirol heuer auf den internationalen Mädchentag, der auf die Benachteiligung von Mädchen und jungen Frauen hinweisen soll. Es sei wichtig, dass „Frauen und Mädchen Gleichstellung massiv einfordern und Emanzipation und Selbstständigkeit Tag für Tag leben“, sagt Frauenlandesrätin Gabriele Fischer (Grüne). Einer der Gründe, warum die Einkommensschere zwischen Männern und Frauen so groß ist, seien tief verwurzelte Stereotype, die bei Mädchen etwa dazu führen, schlecht bezahlte Berufe zu ergreifen.

Darauf lässt sich auch aus der von der Tiroler Wirtschaftskammer veröffentlichten Lehrlingsstatistik für 2018 schließen. Die häufigsten Lehrberufe bei Mädchen waren Einzelhandelskauffrau (23,8 Prozent), Bürokauffrau (10,9 Prozent) und Friseurin (9,6 Prozent). „Wir müssen diese Rollenbilder weiter aufbrechen“, meint Fischer. Frau zu sein heiße nicht, dass ein Job im Technik- oder Internetsektor ausgeschlossen sei. In der breiten Gesellschaft müsse hier ein Umdenken stattfinden. (bfk)

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Zahlen und Fakten

Bildung: 47.000 Tirolerinnen und damit 24 Prozent haben nur einen Pflichtschulabschluss (laut Gleichstellungsbericht 2016). Bei den Männern liegt dieser Wert bei 15 Prozent.

Lehr-Domänen: Viele Sparten, die Lehrberufe anbieten sind männlich dominiert. Im Gewerbe und Handwerk gab es 2018 4320 männliche und 1094 weibliche Lehrlinge. Handel (990 Frauen, 625 Männer) und Tourismus (591 Frauen, 582 Männer) ziehen eher Mädchen an.

Friseurin und Techniker: Die häufigsten Lehrberufe bei Mädchen in Tirol waren im Jahr 2018 Einzelhandelskauffrau (23,8 Prozent), Bürokauffrau (10,9 Prozent) und Friseurin bzw. Stylistin (9,6 Prozent). Bei den Burschen waren die Ausbildungen zum Metalltechniker (12,5 Prozent), Elektrotechniker (12,3 Prozent) und Kaftfahrzeugtechniker (9 Prozent) vorne.