Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Sa, 12.10.2019


Bezirk Schwaz

Katzenheim Schwaz: Wo Katzen ihr neuntes Leben erhalten

Es wird gekuschelt, geschnurrt und gepflegt – im Katzenheim Schwaz steht das Wohl der Tiere ganz oben.

Ein halbes Jahr alt sind die jüngsten Bewohner des Schwazer Katzenheimes.

© FankhauserEin halbes Jahr alt sind die jüngsten Bewohner des Schwazer Katzenheimes.



Von Eva-Maria Fankhauser

Schwaz – Still und idyllisch liegt das alte Haus am Pirchanger. Vor der Haustür streckt sich eine schwarz-weiß gemusterte Katze. Die Sonne kitzelt ihre Nase. Mit einem eleganten Sprung hüpft sie vom Kratzbaum und schlüpft durch eine Klappe ins Haus.

Es ist der Eingang in eine eigene Welt. Eine Katzenwelt. In sieben Zimmern und einem kleinen Freigelände im Garten wohnen derzeit 37 Stubentiger. Umsorgt und gepflegt werden sie von Sandra Dekassian und Sabrina Steidl. „Vormittags sind wir nach dem Füttern mit Möbel-Enthaaren, Katzenklos-Ausräumen, Waschen und Reinigen beschäftigt“, sagt Steidl. Am Nachmittag ist Besuchszeit für jene, die gerne eine Katze adoptieren wollen. Zudem kümmern sich Dekassian und Steidl individuell um die Tiere. Pflege, Streicheleinheiten, Trauma-Auflösen oder Spielen stehen da am Programm. Dafür braucht es oft viel Geduld, Erfahrung und Einfühlungsvermögen. „Es kommen die unterschiedlichsten Katzen auf verschiedensten Wegen zu uns“, sagt Steidl. Die Palette reicht vom Tod des Besitzers, plötzlicher Allergie, Eifersucht durch die Geburt eines Babys oder der Trennung des Besitzerpaares. Steidl: „Manche bringen uns auch Streuner oder verletzte Katzen vorbei.“ Dann heißt es beim Arzt durchchecken, impfen und kastrieren.

Im Erdgeschoß kuschelt sich Karla in eine Box am Fenster. Sie schnurrt leise. Am Kratzbaum daneben kuscheln sich die beiden Geschwister Mai und Tai in kleine Kojen. Die europäischen Langhaarkatzen sind etwa ein halbes Jahr alt. Mit neugierigem Blick verfolgen sie jeden Schritt im Raum. Mai legt die Ohren an und geht in Deckung, als Dekassian näher kommt. Sie ist noch etwas scheu. Zurückhaltend. Aber schnurren kann sie wie ein Motorboot.

„Früher konnten wir bis zu 400 Katzen pro Jahr vermitteln. Aber das ist immer weniger geworden. Heuer sind es bisher nur rund 100 gewesen“, sagt Dekassian. Denn einfach reinschneien und eine Katze mitnehmen – das gehe nicht. „Das muss schon passen. Jede Katze hat auch ihren eigenen Charakter, manche mögen keine Kinder oder brauchen Freigang. Das ist nicht wie im Möbelhaus, wo man durchgeht und sich was aussucht“, stellt Steidl klar. Die meisten würden junge Katzen bevorzugen. „Aber sobald sie einmal hier waren, nehmen viele auch eine ältere“, sagt sie. Vor sechs Wochen sind fünf kleine Fellknäuel im Heim auf die Welt gekommen. Die älteste Katze ist 21 Jahre alt. „Ich war ja schon immer für die scheuen, alten und kranken Tiere. Es ist einfach schön, wenn so eine Katze dann Vertrauen zu einem fasst“, sagt Dekassian.

Die Arbeit im Heim bereitet ihnen viel Freude, auch wenn es nicht immer einfach ist. Manche Katzen kommen mit schweren Verletzungen, wie etwa einem Schädelhirntrauma, verletzter Pfote, die abgenommen werden muss, oder komplett abgemagert. „Das ist schon hart und man leidet einfach mit“, sagt Steidl.

Für die meisten Katzen ist es nur ein Zuhause auf Zeit. Aber eines, wo sie mit viel Liebe betreut und aufgepäppelt werden. Da das Tierheim mit Spenden finanziert wird, können sie helfende Hände oder Sachspenden gut gebrauchen. Beim Interspar in Schwaz steht eine Box an der Kassa, wo Futter und Spielzeug fürs Katzenheim gesammelt wird.




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