Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 14.10.2019


Gesellschaft

Spagat zwischen Bewahren und Fortschritt schaffen

Die Bundestagung der Österreichischen Trachten- und Heimatverbände fand am Wochenende in Mayrhofen statt.

Natürlich wurde im Rahmen der Bundestagung der Österreichischen Trachten- und Heimatverbände in Mayrhofen auch das Tanzbein geschwungen.

© TrachtenverbandNatürlich wurde im Rahmen der Bundestagung der Österreichischen Trachten- und Heimatverbände in Mayrhofen auch das Tanzbein geschwungen.



Von Angela Dähling

Mayrhofen – Ganz Mayrhofen stand in den letzten drei Tagen im Zeichen von Tracht und Heimatkultur. Grund war die Bundestagung der Österreichischen Trachten- und Heimatverbände, zu der rund 150 Delegierte anreisten. „Mir war es wichtig, ihnen unsere schöne Landschaft, die Tiroler Gastfreundschaft und den Frohsinn authentisch näherzubringen“, erklärt der Tiroler Trachtenverbandsobmann Oswald Gredler aus Tux, der mit seinem Team die Tagung organisierte. Sie führte die Teilnehmer u. a. in den Kunstraum bei der Ahornbahn-Bergstation zu einem Impulsreferat von Bergsteigerlegende Peter Habeler.

Um Mitgliederzahlen brauchen sich die Trachtler kein­e Sorgen zu machen: Rund 130.000 Mitglieder zählen sie österreichweit, wobei Salzburg das mitgliederstärkste Bundesland ist. „Tirol mit seinen 10.000 Mitgliedern sticht durch seinen hohen Anteil von 4000 bis 5000 Kindern und Jugendlichen heraus“, weiß Gredler. Eine der größten Herausforderungen sei es, Traditionen behutsam weiterzutragen. „Wir dürfen nicht auf jeden Zug aufspringen, aber wir dürfen auch nicht stehen bleiben“, sagt er. Das bestätigt auch Rupert Klein. Der Niederösterreicher ist Präsident der Bundesorganisation.

Neugewählter Vorstand: Bundesjugendreferent Stephan Aigner, Vize­präsident Günther Lippitz, Präsident Rupert Klein, Finanzreferent Adolf Freudl, Vizepräsidentin Waltraud Ablinger-Ebner, Schriftführerin Sieglinde Mayer und Vizepräsidentin Ulrike Bitschnau.
Neugewählter Vorstand: Bundesjugendreferent Stephan Aigner, Vize­präsident Günther Lippitz, Präsident Rupert Klein, Finanzreferent Adolf Freudl, Vizepräsidentin Waltraud Ablinger-Ebner, Schriftführerin Sieglinde Mayer und Vizepräsidentin Ulrike Bitschnau.
- Bund der Österreichischen Tracht

Ein wichtiges Tagungsthem­a war die Frage, wie man es schafft, effizienter in der Organisation zu werden. „Denn unsere Funktionäre sind durch Beruf, Familie und andere Tätigkeiten sehr gefordert“, erklärt Klein. Auch die Tracht ist ein großes Thema. „Sie verändert sich. Das fängt bei den Stoffen an. Die Stoffqualität und der Tragekomfort sind jetzt anders als vor Jahrzehnten“, schildert Klein. „Wichtig ist, dass es stimmig ist: edle Stoffe, Umweltschutz und das Fördern unserer klein strukturierten Wirtschaft bei der Anfertigung“, betont er. Billig-Lederhosen aus Nahost seien ein Tabu, aber auch Turnschuhe zum Dirndl und lange, offene Haare unter dem Trachtenhut der Männer. „Die Burschen brauchen sie nicht abzuschneiden, aber sollten sie zusammenbinden“, sagt Klein. Wie schaut es mit Piercing­s aus? Klein: „Das ist eine Gratwanderung. Aber wir verbieten es nicht.“

„Ästhetische Bildung“ nennt der Präsident es. Was schaut stimmig und gut aus. Und wie wirkt es sich aus. „Schön angezogen, frisiert und geschminkt geht frau ganz anders. Mit mehr Stolz und Würde“, erklärt er und verweist zudem auf persönlichkeitsbildende und soziale Komponenten, die bei den Trachtenvereinen auch eine große Rolle spielen würden. „Da geht es um Pünktlichkeit, Respekt, Nachsicht, sich vor Publikum präsentieren“, nennt er Beispiele. „Wir hatten ein Imageproblem wegen des Missbrauchs dieser Vereine im Krieg. Das haben wir aufarbeiten lassen. Die jungen Leute sollen wissen, was früher passiert ist“, erzählt er von Fahrten nach Mauthausen und dass jemand mit rechtem Gedankengut nichts in den Reihen der Trachten­verbände verloren habe. Stattdessen setze man auf Integrationsarbeit. So hätten einige Flüchtlinge über den Trachtentanz Zugang zur dörflichen Kultur erhalten.

Bei den Neuwahlen wurde Rupert Klein übrigens als Präsident des Verbandes bestätigt.