Letztes Update am Sa, 12.10.2019 07:36

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


350 Jahre Universität Innsbruck

Rektor Märk im Gespräch: „Sind größte Uni-Stadt Österreichs“

Zum 350-Jahr-Jubiläum der Universität Innsbruck will Rektor Tilman Märk die Uni als „Fenster in die Welt und zur Welt“ noch sichtbarer machen. Eine Bestandsaufnahme und ein Ausblick in die Zukunft.

Die Zusammensetzung des Rektorats Märk III, das ab 1. März im Amt ist, gestaltet sich schwierig.

© Uni InnsbruckDie Zusammensetzung des Rektorats Märk III, das ab 1. März im Amt ist, gestaltet sich schwierig.



Von Alois Vahrner

Innsbruck – Bereits das ganze Jahr 2019 stand im Zeichen des 350-Jahr-Jubiläums der Leopold-Franzens-Universität, in den nächsten Tagen und Wochen erreichen die Feierlichkeiten mit dem Dankgottesdienst in der Jesuitenkirche am Sonntag, dem großen Festakt am 15. Oktober, dem neu aufgesetzten Uni-Ball am 19. Oktober und dem Zukunftskongress von 20. bis 22. November den Höhepunkt. Insgesamt 350 Veranstaltungen gab und gibt es in diesem Jubiläumsjahr – mit insgesamt geschätzten 50.000 Besucherinnen und Besuchern.

Rektor Tilman Märk vor dem Haupteingang „seiner“ Universität Innsbruck.
Rektor Tilman Märk vor dem Haupteingang „seiner“ Universität Innsbruck.
- Foto TT/Rudy De Moor

Für Rektor Märk, der bei der 300-Jahr-Feier 1969 als Student in den USA weilte, war und ist es das erklärte Ziel, die Universität „nachhaltig in Stadt und Land noch sichtbarer zu machen“. Die Uni sei die größte Bildungseinrichtung Westösterreichs und das intellektuelle Zentrum. Man verstehe sich „als Fenster in die Welt und zur Welt“, betont Märk im TT-Gespräch. Mit etwa 30.000 Studierenden sei Innsbruck, gemessen an den Bevölkerungszahl, die „größte Universitätsstadt Österreichs“. Von den 120.000 Einwohnern sei etwa ein Viertel Studenten, das präge ganz eindeutig im positiven Sinne das Innsbrucker Stadtbild, sagt Märk.

Die Universität sei auch einer der größten Arbeitgeber mit 5000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Wirtschaftlich liege die jährlich erzielte Wertschöpfung bei etwa 1 Mrd. Euro, dazu komme eine gewaltige Forschungsleistung mit allein 1400 Top-Publikationen in Wissenschafts-Fachzeitschriften, außerdem gebe es jährlich 4000 Publikationen von Uni-Absolventen.

„Die Nordkette ist sicher keine Barriere“, verweist Märk auf die über 1000 In­stitutionen in aller Welt, mit denen die Uni Innsbruck im Austausch stehe. Innsbruck und Tirol hätten eine große Attraktivität, etwa 40 Prozent des Lehrpersonals und der Studenten kommen laut Märk aus dem Ausland. Man habe Studierende aus 110 Ländern, wobei die mit Abstand größten Anteile mit 3500 die Südtiroler und mit sogar 5000 die Deutschen stellen.

1 Mrd. Euro werden laut Rektor Tilman Märk durch die Uni ausgelöst.
1 Mrd. Euro werden laut Rektor Tilman Märk durch die Uni ausgelöst.
- Foto TT/Rudy De Moor

Gegründet worden ist die Universität Innsbruck im Jahr 1669, die Ursprünge reichten aber noch mehr als 100 Jahre bis 1562 zurück. In diesen Jahrhunderten habe es eine wechselvolle Geschichte gegeben, mit Höhe-, aber auch Tiefpunkten, betont Märk. So sei die Universität zweimal für etwa zehn Jahre geschlossen worden, dazu gebe es das dunkle und jetzt „ohne Wenn und Aber aufgearbeitete dunkle Kapitel während der Nazizeit“ (siehe auch nebenstehenden Artikel).

Besonders stolz ist man an der Uni auf die bisher vier hier lehrenden Nobelpreisträger Fritz Pregl, Adolf Windaus, Hans Fischer und Victor Franz Hess, aber auch Leopold Pfaundler habe im 19. Jahrhundert mit dem Massenwirkungsgesetz die Basis jeglicher chemischer Reaktionen erforscht.

Rektor sagt Nein zu Studiengebühren

Rektor Tilmann Märk ist ein Fan des freien Universitätszugangs. Die Uni Innsbruck sei die einzige, die von den erlaubten Zugangsbeschränkungen zu einzelnen Fächern wie Informatik, technische Wissenschaften, Pharmazie oder Wirtschaftswissenschaften keinen Gebrauch mache. Märk wäre nur unter bestimmten Randbedingungen für eine Wieder-Einführung von Studiengebühren, weil das sonst dem offenen Zugang zur Bildung widerspräche. Dass in Innsbruck 40 Prozent der Studierenden aus dem Ausland kommen, findet er sehr positiv. Zum oft diskutierten Ansturm aus Deutschland sagt Märk, dass sehr viele Österreicherinnen und Österreicher in Deutschland studieren und dann durchaus wieder zurückkommen. Insofern stimme die Kritik nicht, dass Österreichs Steuerzahler die Folgen des Numerus clausus in Deutschland finanzieren müssten. Was sich der Rektor aber trotzdem wünschen würde, wäre analog zum Medizinstudium eine Ausländerquote auch beim Psychologiestudium. Dort waren beim Aufnahmetest zwei Drittel Deutsche gewesen, die den Test zudem erfolgreicher abgeschlossen haben — jetzt kommen etwa 80 Prozent der Studienanfänger aus dem großen Nachbarland. (va)

Dass die Nobelpreise etliche Jahrzehnte zurückliegen, beunruhigt Märk nicht. Da gebe es in der Zukunft berechtigte Chancen. Man sei in verschiedenen Bereichen mit an der Weltspitze, etwa in der Quantenphysik, der Physik, Chemie oder den Life Sciences. „Die Uni Innsbruck hat in den letzten Jahrzehnten eine ungeheure Aufholjagd hingelegt.“ Zu verschiedenen Uni-Rankings, in denen Innsbruck nicht ganz vorne zu finden ist, stellt Märk klar: „Wir zählen zu den besten 1 bis 2 Prozent der weltweit 20.000 Universitäten.“ Allein durch die Trennung von Uni und Medizin-Uni liege man etliche Plätze weiter hinten. Ein Indiz für das hohe Leistungsvermögen seien auch der hohe Anteil Innsbrucks bei EU-Wissenschaftsprojekten („Das ist die Königsklasse“) sowie die Versechsfachung der Drittmittel seit Inkrafttreten des Universitätsgesetzes 2002 von 10 auf 60 Mio. Euro. „Wir arbeiten mit unseren finanziellen Mitteln sehr effizient und erfolgreich“, betont Märk. Durch die erste Phase der Studienplatzfinanzierung habe man vor allem auch zum Vorteil der Studierenden den Personalstand um ein Zehntel ausweiten können.

Einige Wünsche hat der Rektor für die weitere Zukunft: etwa die zweite Phase der Studienplatzfinanzierung (erneut 500 Mio. Euro Plus für die österreichischen Unis von 2022 bis 2024), die plangemäße Realisierung des Neubauprojekts am Innrain und das Haus der Physik, für das die Planungen bald stehen sollten. Und am liebsten wäre Märk heute noch einmal selbst Physik-Student, weil sich die Bedingungen in den letzten Jahrzehnten bei allen noch offenen Erfordernissen trotzdem sehr verbessert hätten: So gebe es heute in seinem Fach ein im Vergleich zu früher tolles Angebot an Professoren, moderne Labors und internationale Spitzenleistungen.

Zahlen, Daten und Fakten rund um die Innsbrucker Universität

15. Oktober 1669: Kaiser Leopold I. gründet die Universität Innsbruck – finanziert durch eine Sondersteuer auf das Salz aus Hall und aufbauend auf dem bereits existierenden Jesuiten-Gymnasium. Zweimal (1781, 1810) wurde der Universitätsbetrieb ausgesetzt, beide Male etwa zehn Jahre später wieder aufgenommen.

Studenten und Studentinnen: In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Studierenden kontinuierlich gesunken. Mit Stand Mai 2019 waren 27.048 Studenten an der Innsbrucker Universität inskribiert – davon stammen 11.410 (42,2 Prozent) aus dem Ausland. Die Mehrheit aller eingeschriebenen Studierenden (52,8 Prozent) ist weiblich, Männer machen 47,2 Prozent aus. Frauen wurden in Innsbruck im Jahr 1878 als Hospitantinnen für einzelne Vorlesungen erstmals zugelassen. 1907 promovierte mit der Historikerin Adelheid Schneller erstmals eine Frau in Innsbruck. Im Mai 2019 verließen 4077 Absolventen die Uni.

Fakultäten und Fächer: Die Innsbrucker Universität verfügt über 16 Fakultäten, insgesamt wurden (Stand Mai 2019) 129 Studienfächer angeboten. Pro Semester finden rund 4000 Lehrveranstaltungen, Seminare und Vorlesungen statt.

Personal und Professoren: 5006 Mitarbeiter beschäftigt die Innsbrucker Uni. Davon sind 3489 dem wissenschaftlichen Personal zuzurechnen. Im Jahr 2018 lehrten 267 Professoren (davon 61 Professorinnen) an der Uni. 4146 Publikationen (1397 im Web of Science) wurden im vergangenen Jahr veröffentlicht.

Gelder und Finanzen: Vergangenes Jahr betrug das Budget der Universität 301,3 Millionen Euro. Die Drittmittelerlöse machten 60,7 Millionen Euro aus. Der Personalaufwand (196,3 Mio. Euro) machte den größten Posten aus, gefolgt vom Gebäudebetrieb (44,4 Mio. Euro).

Feste und Feiern: Zum 350-Jahr-Jubiläum startet morgen die Festwoche der Innsbrucker Universität mit einem Gedenkgottesdienst (mehr dazu rechts). Am Dienstag, 15. Oktober, findet um 18 Uhr im Tiroler Landestheater der Festakt zum Jubeljahr statt. Der Universitätsball am kommenden Samstag, den 19. Oktober, im Innsbrucker Kongress (Start um 20.30 Uhr) beschließt die Festwoche.