Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 14.10.2019


Bezirk Imst

Maschgarade im Oberland bald mit neuer Führung

Das Fasnachtsbrauchtum ist im Oberland stark verankert, wobei 2020 neben den beiden großen Umzügen in Imst und Telfs auch der „Sautnar Flitschelarlauf“ über die Bühne geht.

Am 7. Oktober war eine Abordnung der Sautnar Maschgarar zu Gast bei LR Beate Palfrader im Parissaal.

© ParthAm 7. Oktober war eine Abordnung der Sautnar Maschgarar zu Gast bei LR Beate Palfrader im Parissaal.



Von Thomas Parth

Sautens – Am 23. Februar 2020 um Punkt 12 Uhr mittags findet die Maschgarade, wie die Fasnacht in Sautens genannt wird, mit dem Flitschelarlauf ihren vorläufigen Höhepunkt. Neben Imst, Telfs, Thaur, Umhausen, Roppen, St. Leonhard und Fließ fiebert man im kommenden Jahr nämlich auch im vorderen Ötztal auf die Fasnachtszeit hin.

Für den Obmann der Sautnar Maschgarar, Richard Prantl, und seinen Stellvertreter, Adi Kutzler, wird es der letzte Flitschelarlauf in ihren jeweiligen Funktionen, wie sie der Tiroler Tageszeitung bestätigen. Vergangenen Montag war eine Abordnung der Maschgarar im Parissaal des Landhauses bei Kulturlandesrätin Beate Palfrader, um die Landespolitik einzuladen und für das Fasnachtsbrauchtum zu werben.

„Am 10. Februar 1993 fand erstmalig der Flitschelarlauf in Sautens statt, wie wir ihn heute kennen. Das hat seinen Grund, weil wir Ehrengäste eingeladen haben und weil wir der ansonsten wilden Maschgarade ein wenig einen Rahmen geben wollten“, erläutert Obmann Richard Prantl. Zurück reicht das Brauchtum bis in das Jahr 1823, als erstmals eine „Buabenhochzeit“ in Sautens dokumentiert wurde. „Speziell im Winter war nicht viel los am Land, weshalb der Überlieferung nach Musikanten von Schnapsbrennerei zu Schnapsbrennerei gegangen sind und sich dabei, unter dem Schutz der Maske, Gstanzln vorgesungen habe­n“, weiß Obmannstellvertreter Adi Kutzler.

„Der neue Vorstand soll das Brauchtum im besten Glauben und mit Freude weiter­führen.“
Richard Prantl (Obmann)
„Der neue Vorstand soll das Brauchtum im besten Glauben und mit Freude weiter­führen.“ Richard Prantl (Obmann)
- Parth

In Sautens veranstaltet man turnusmäßig alle drei Jahre einen Flitschelarlauf. „Ursprünglich war der Flitschelar nur eine Ordnungsmaske“, erinnert Kutzler. Doch im Stadel, in welchem der Maskenschnitzer Arnold Jäger seine Kunstwerke herstellt, wurde die Idee geboren, den imposanten Flitschela­r zur Hauptmaske zu erheben. Die Flitsche­n, als­o die getrockneten Maiskolbenblätter, werden verknotet in etlichen Arbeitsstunden an das Gewand genäht.

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„Ich kann mich noch erinnern, als wir über drei Monate im Keller 24.000 Stoffstreifen für die Fetzelar-Masken zusammengenäht haben“, bestätigt Adi Kutzler. Heute sind die Sautner auf 182 Masken stolz. „Wir haben mit 17 Masken begonnen und während meiner Zeit 33 Figuren wieder belebt“, so Richard Prantl. Die beiden Frontleute legen noch vor Jahresende ihre Funktionen nieder.

„Wir ziehen noch die kommende Maschgarade durch, wobei da der neue Vorstand bereits gewählt sein wird“, so die beiden Obleute. Man hab­e zwar schon den einen oder anderen potenziellen Nachfolger im Auge, aber „die Vollversammlung entscheidet“.

„Wir haben über drei Monate im Keller 24.000 Stoffstreifen für die Fetzelar zusammengenäht.“
Adi Kutzler (Obmannstellvertreter)
„Wir haben über drei Monate im Keller 24.000 Stoffstreifen für die Fetzelar zusammengenäht.“ Adi Kutzler (Obmannstellvertreter)
- Parth

Dem neuen Ausschuss wollen die beiden altgedienten Maschgarar jedenfalls „nichts dreinreden“. Ab 2020 habe dieser dann drei Jahre Zeit, seinen Weg zu gehen und „das Brauchtum im besten Glauben und mit Freude weiterzuführen“.

2023 feiert die Maschgarade in Sautens ihr 200-Jahr-Jubiläum und der Flitschelarlauf sein 30-jähriges Bestehen. Zumindest bis dahin wollen „Ritschi­e und Adi“ weiterhin bei den Zylinderträgern „maschgar­n gian“.