Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 15.10.2019


Tirol

Behinderteneinstellungsgesetz: Tirol Kliniken mit „Aufwind“ an die Spitze

Während rund 80 Prozent der Tiroler Betriebe die Behinderteneinstellungspflicht nicht zur Gänze erfüllen, sind andere Unternehmen in diesem Bereich vorbildlich.

In Tirol gab es im vergangenen Jahr 6516 Pflichtstellen, mehr als die Hälfte (3591) davon waren besetzt.

© iStockIn Tirol gab es im vergangenen Jahr 6516 Pflichtstellen, mehr als die Hälfte (3591) davon waren besetzt.



Innsbruck – Betriebe mit 25 oder mehr Beschäftigten sind laut Behinderteneinstellungsgesetz verpflichtet, auf jeweils 25 Beschäftigte einen so genannten begünstigten Behinderten einzustellen. Begünstigt behindert ist, wer behördlich eine Behinderung von mindestens 50 Prozent attestiert bekommen hat. Unternehmen, die die gesetzliche Beschäftigungsquote nicht erfüllen, müssen je nach Anzahl der Gesamtbeschäftigten zwischen 262 und 391 Euro pro Monat und nicht eingestellten Menschen mit Behinderung in einen Fonds einzahlen. Dieses Geld kommt der Behindertenförderung zugute.

„In Tirol gab es im vergangenen Jahr 2036 einstellpflichtige Dienstgeber, von denen 413 – oder 20,28 Prozent – ihre Einstellungspflicht zu hundert Prozent erfüllten“, weiß Angelika Alp-Hoskowetz, Leiterin des Sozialministeriumservices Tirol. „Die Betonung liegt auf hundert Prozent, da auch andere Betriebe beschäftigten, aber ihre Einstellungspflicht nicht gänzlich erreichten“, erklärt Alp-Hoskowetz. Insgesamt gab es tirolweit 6516 Pflichtstellen, von denen 3591, und damit mehr als die Hälfte (55,11 %), besetzt waren. Im vergangenen Jahr lebten in Tirol 8585 begünstigt behinderte Menschen, davon waren 5049 (58,9 %) erwerbstätig.

Während also rund 80 Prozent die vorgegebene Einstellungsquote nicht zu hundert Prozent erfüllen, gibt es auch Betriebe, die sich hier besonders hervortun. Einer von ihnen sind die Tirol Kliniken. Dort wurde bereits vor einigen Jahren eine Initiative mit dem Titel „Aufwind“ gestartet. Ziel ist die gezielte Förderung von MitarbeiterInnen mit Behinderung und den engeren Teams, in denen sie tätig sind. „Vor allem dank des Engagements aller in dieses Programm involvierten Kolleginnen und Kollegen haben wir es geschafft, die Quote nicht nur zu erfüllen, sondern im vergangenen Jahr um 180 Personen zu übertreffen“, erklärt Markus Schwab, Personaldirektor der Tirol Kliniken, sichtlich stolz. Statt der gesetzlich vorgeschriebenen 326 sind bei den Tirol Kliniken 506 Menschen mit Behinderung beschäftigt. Im Rahmen des Projektes „Aufwind“ wurden beispielsweise neue Dienstposten geschaffen und Umstrukturierungsmaßnahmen gesetzt, die den Menschen mit Behinderung den Einstieg in den Job erleichterte. Beratungen für Führungskräfte, kleinere bauliche Veränderungen sowie eine betriebsinterne Jobbörse für Menschen mit Behinderung, um den idealen Arbeitsplatz zu finden, wurden im Zuge von „Aufwind“ außerdem umgesetzt.

Lob kommt von Gesundheitslandesrat Bernhard Tilg: „Es ist nur eines von vielen Projekten, bei denen die Tirol Kliniken Vorreiter sind. Es ist aber eines, das mich besonders freut und das Schule machen sollte.“ (np)

TT-ePaper gratis testen

Jetzt kostenlos TT-ePaper lesen, das Test-Abo endet nach 4 Wochen automatisch

Schritt 1 / 3

In nur 30 Sekunden gelangen Sie zum kostenlosen Test-Abo.