Letztes Update am Di, 15.10.2019 13:31

DPA / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Vor Welternährungstag

Unicef: 200 Millionen Kinder weltweit krank wegen falscher Ernährung

Das Gehirn kann sich nicht gut entwickeln, Lernschwierigkeiten entstehen, ein geschwächtes Immunsystem ebnet Krankheiten den Weg – die Liste an Folgen ist lang. Vor allem Kinder in armen Regionen sind betroffen – sowohl von Unterernährung als auch von Übergewicht.

Nicht nur die Verfügbarkeit von Essen ist problematisch, sondern vor allem die Qualität - Fast Food und zuckerhaltige Getränke sind mittlerweile in den meisten Gegenden der Welt leicht zu bekommen.

© UNICEF/SujanNicht nur die Verfügbarkeit von Essen ist problematisch, sondern vor allem die Qualität - Fast Food und zuckerhaltige Getränke sind mittlerweile in den meisten Gegenden der Welt leicht zu bekommen.



New York – Rund 200 Millionen Kinder weltweit sind einem Bericht des UN-Kinderhilfswerks Unicef aufgrund von zu wenig oder falscher Ernährung krank. Mindestens eins von drei Kindern unter fünf Jahren weltweit sei entweder unterernährt oder zu dick, heißt es in einem Bericht, den Unicef am Dienstag in New York vorstellte. Anlass ist der Welternährungstag am 15. Oktober.

„Trotz allem technologischen, kulturellen und sozialem Fortschritt in den vergangenen Jahrzehnten haben wir den grundsätzlichen Fakt aus den Augen verloren“, sagte Unicef-Chefin Henrietta Fore. „Wenn Kinder schlecht essen, leben sie schlecht.“ Sie betonte außerdem: „Die Art und Weise wie wir Mangelernährung verstehen und bekämpfen, muss sich ändern: Es geht nicht nur darum, dass Kinder genug zu essen haben; es geht vor allem darum, dass sie das Richtige zu essen haben. “

Es geht nicht nur darum, dass Kinder genug zu essen haben; es geht vor allem darum, dass sie das Richtige zu essen haben.
Henrietta Fore

Weltweit seien 149 Millionen Kinder in ihrer Entwicklung gehemmt oder zu klein für ihr Alter, 50 Millionen Kinder schwach oder zu dünn für ihre Größe, 340 Millionen Kinder bekämen nicht ausreichend Vitamine oder Nährstoffe und 40 Millionen Kinder seien übergewichtig.

Problem beginnt schon im Babyalter

Das Problem beginne schon am Anfang des Lebens, hieß es in dem Bericht. Nur 42 Prozent der Kinder unter sechs Monaten bekämen ausschließlich Muttermilch, während der Verkauf von Säuglingsmilchnahrung zwischen 2008 und 2013 um 72 Prozent zugenommen habe. Anschließend bekämen zu viele Kinder zu wenig oder falsche Nahrung: Fast 45 Prozent der Kinder zwischen sechs Monaten und zwei Jahren bekämen kein Obst oder Gemüse, fast 60 Prozent keine Eier, Milchprodukte, Fisch oder Fleisch.

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Zahlen und Fakten

  • 149 Millionen Kinder unter fünf sind aufgrund von Mangelernährung unterentwickelt (Englisch: „stunted"), sprich zu klein für ihr Alter.
  • 50 Millionen Kleinkinder sind unterernährt („wasted"), sprich zu dünn im Vergleich zu ihrer Größe.
  • 340 Millionen Mädchen und Buben — jedes zweite — leidet unter Defiziten aufgrund fehlender Vitamine und Nährstoffe wie z.B. Vitamin A und Eisen.
  • 40 Millionen Kinder unter fünf sind übergewichtig oder fettleibig.

Später bekämen Kinder zu viel Fastfood und zuckrige Getränke. Diese sind nämlich mittlerweile selbst in abgelegenen Dörfern problemlos verfügbar. So konsumieren in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen 42 Prozent der Schüler im Jugendalter mindestens einmal täglich einen zuckerhaltigen Softdrink, und 46 Prozent essen mindestens einmal pro Woche Fast Food. In Industrieländern steigt der Anteil sogar auf 62 bei den Getränken bzw. 49 Prozent bei Fast Food. Zwischen 2000 und 2016 habe sich die Zahl der übergewichtigen Kinder zwischen 5 und 19 fast verdoppelt.

Arme Kinder sowohl häufiger unterernährt als auch übergewichtig

Die größte Last von Unter- und Fehlernährung – in allen Formen – haben laut Unicef Kinder und Jugendliche in den ärmsten Gegenden zu tragen. Nur jedes fünfte Kleinkind nimmt dort die abwechslungsreiche Nahrung zu sich, die für ein gesundes Wachstum notwendig wäre. Auch in wohlhabenden Ländern wie etwa Großbritannien ist der Anteil der übergewichtigen Kinder in den ärmsten Regionen demnach mehr als doppelt so hoch wie in den reichsten.

Unicef fordert deswegen von Regierungen und Herstellern weltweit unter anderem mehr Aufklärung über gesunde Ernährung. (dpa/TT.com)