Letztes Update am Mi, 16.10.2019 22:46

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Deutschland

Zwei Tote bei Paketdienst: Hermes nimmt Arbeit wieder auf

Zwei Todesfälle und ein schwer verletzter Mitarbeiter an einem Tag – Umstände zunächst unklar: Beim Paketdienstleister Hermes in Haldensleben hat dies für einen Großeinsatz gesorgt. Auch am Morgen danach sucht die Polizei weiter nach den Ursachen.

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Haldensleben – Nach dem plötzlichen Tod zweier Mitarbeiter und dem Fund eines Schwerverletzten beim Paketdienstleister Hermes in Haldensleben (Sachsen-Anhalt) geht die Polizei von einer unglücklichen Verkettung von Zufällen aus. Die ungewöhnliche Häufung am Dienstag führte bis in den frühen Mittwochmorgen hinein zu einem Großeinsatz der Feuerwehr.

Die Arbeit im Paketzentrum in Haldensleben wurde nach einer rund 24 Stunden dauernden Schließung nach dem Tod von zwei Mitarbeitern am Mittwochabend wieder aufgenommen. 70 bis 100 Beschäftigte seien in der Nachtschicht zunächst mit vorbereitenden Tätigkeiten befasst, sagte ein Sprecher von Hermes am Mittwochabend. Von Donnerstag an werde dann der Stau bei den Paketsendungen in dem Zentrum in Sachsen-Anhalt aufgelöst.

Entwarnung wegen gefundener Substanz an Paket

Die Suche nach Ursachen gehe weiter. Hinweise dafür, dass gefährliche Substanzen in Paketen den Tod der beiden Männer ausgelöst haben, gab es nach ersten Erkenntnissen zunächst nicht. „Die Dosis, die man braucht, um zu sterben, wurde nicht erreicht“, sagte ein Polizeisprecher am Mittwochmorgen. Testgeräte hatten an einem der untersuchten Pakete geringste Mengen eines handelsüblichen Stoffes angezeigt, der laut Polizei in großen Mengen gefährlich sein könnte.

Die Feuerwehr öffnete deshalb dem Sprecher zufolge alle Pakete in dem Transporter, in dem ein Hermes-Mitarbeiter in Haldensleben unmittelbar vor seinem Tod am Dienstag Pakete ausgeliefert hatte. „Das sind ganz normale Zustellpakete gewesen mit handelsüblichem Inhalt“, sagte der Polizeisprecher. Die Ermittler gehen davon aus, dass die Todesfälle mit der Substanz „gar nichts“ zu tun haben. Der Einsatz vor Ort sei am Mittwochmorgen beendet worden, die Ermittlungen gingen aber weiter. „Wir müssen alle Möglichkeiten ausschließen, das ist ja unser Job“, sagte der Sprecher.

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Hermes-Betrieb steht still

Auf dem Gelände des Versandzentrums war am frühen Dienstagmorgen zunächst ein toter Mann entdeckt worden. Der 58-Jährige sei zusammengebrochen und vor Ort gestorben, sagte der Polizeisprecher. Am Nachmittag wurde dann in Haldensleben in einem Transportfahrzeug von Hermes ein weiterer Mitarbeiter tot aufgefunden. Der 45-Jährige saß leblos auf dem Fahrersitz. Zudem wurde am Dienstag auf dem Gelände des Versandzentrums ein Mann schwer verletzt entdeckt. Wie die Polizei am frühen Morgen mitteilte, habe sich dies jedoch als „ein ganz normaler medizinischer Notfall“ herausgestellt.

Bei dem Großeinsatz der Feuerwehr waren 120 Kräfte im Einsatz. Der Betrieb im Versandzentrum Haldensleben mit 3000 Mitarbeitern steht vorerst still. „Das Wichtigste ist, dass unsere Mitarbeiter nicht gefährdet sind, dass es keine Rückstände mehr von irgendwas gibt, falls und was auch immer es war“, sagte ein Hermes-Sprecher am Mittwochmorgen. Er könne noch überhaupt nicht sagen, wann der Betrieb wieder aufgenommen werde. „Die Gedanken sind bei den Verstorbenen und ihren Familien“, sagte der Sprecher.

Obduktion am Mittwoch

Feuerwehrleute in Schutzanzügen und mit Atemmasken suchten in der Nacht eine Wohnung auf, wo der 45 Jahre alte Hermes-Mitarbeiter vor seinem Tod ein Paket ausgeliefert hatte. Sie untersuchten es auf mögliche Giftstoffe – mit negativem Ergebnis. Dieses Päckchen war nach Angaben des Polizeisprechers das einzige in dem Fahrzeug, das zuvor nicht im Versandzentrum selbst gepackt worden war, sondern das von außen versandt wurde. An dem Standort wickelt Hermes neben der Lagerlogistik auch die Paketzustellung ab. Das Transportfahrzeug wurde anschließend – wie bereits erwähnt – abgeschleppt und ebenfalls auf giftige Stoffe hin untersucht.

Die Leichen der beiden Männer sollen am Mittwoch obduziert werden, um die Todesursache zu klären. Hinweise auf Fremdeinwirkung gab es laut Polizei nicht. (dpa)