Letztes Update am So, 20.10.2019 14:30

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Niederösterreich

Kapitänin Rackete erhielt „Globart Award 2019“ in Klosterneuburg

Die ehemalige „Sea-Watch 3“-Kapitänin Carola Rackete wurde für ihr „Engagement Menschenrechte und Menschenleben zu verteidigen“ ausgezeichnet.

Carola Rackete bei der PReisverleihung am Samstagabend.

© APACarola Rackete bei der PReisverleihung am Samstagabend.



Klosterneuburg, Wien – Die deutsche Kapitänin Carola Rackete ist am Samstagabend in Klosterneuburg mit dem „Globart Award 2019“ ausgezeichnet worden. Rackete hat die Auszeichnung für ihr „Engagement Menschenrechte und Menschenleben zu verteidigen“ erhalten. Rackete wiederum übergab den Preis symbolisch an einen anwesenden Flüchtling aus Afghanistan: „Ich will auf die Menschen aufmerksam machen, um die es gehen soll.“

Rackete hatte im Sommer, Ende Juni, für Schlagzeilen gesorgt, als sie als Kapitänin des Rettungsschiffs „Sea-Watch 3“ trotz eines Verbots der italienischen Behörden in den Hafen von Lampedusa eingelaufen ist. An Bord befanden sich Dutzende Gerettete. Die Kapitänin begründete ihre Entscheidung mit der Notsituation an Bord. Die „Sea-Watch 3“ war zu diesem Zeitpunkt bereits 17 Tage am Mittlermeer unterwegs. In Italien wird gegen Rackete wegen Beihilfe zu illegaler Einwanderung ermittelt.

„Es hat sich gezeigt, dass die Zivilgesellschaft durchaus bereit ist, Geflüchtete zu unterstützen“, sagte Rackete im Gespräch mit der APA. Sie kritisierte den deutschen Innenminister Horst Seehofer, weil dieser nur Flüchtlinge aus dem zentralen Mittelmeer aufnehmen wolle, während vermehrt Menschen auf anderen Routen, zum Beispiel aus der Türkei nach Griechenland kommen würden. „Dort wird sehr stark von Abschottung gesprochen“, fuhr sie fort. Die griechischen Flüchtlingslager würden immer voller werden. „Die verheerenden Zustände in den Lagern sind seit Jahren bekannt“, kritisierte die deutsche Kapitänin.

Rackete warnt vor Klimakrise

Rackete, die sich auch für das Klima engagiert, warnte davor, dass es in Zukunft mehr Klimaflüchtlinge geben werde. Die Staaten müssten etwas gegen die Klimakrise unternehmen. „Wenn wir die Ökosysteme zerstören, dann zerstören wir unsere Lebensgrundlage“, sagte die Aktivistin. Auch die Menschenrechte müssten geschützt werden. „Ich denke beide Themen sind fundamental wichtig“, sagte sie.

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Rackete erhielt stehende Ovationen und minutenlangen Applaus als Heidemarie Dobner, Intendantin der Globart Academy, ihr den Preis überreichte. Sie sei ein „Leuchtturm unserer Gesellschaft“, sagte Dobner.

Bisherige Preisträger des Globart Awards waren u.a. Vaclav Havel, Riccardo Muti, Freda Meissner-Blau, Michael Haneke und im Vorjahr Marina Abramovic. Die Denkwerkstatt wird am 11. April in Melk und Wien außerdem das erste „Mindfulness Forum“ abhalten, um sich den Themen Achtsamkeit und Bildung zu widmen. Dabei wird u.a. der US-Hirnforscher Richard Davidson einen Vortrag halten. (APA)