Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 25.10.2019


Tirol

„Kinderrechte polarisieren immer noch“

Dass es seit 30 Jahren ein Gewaltverbot in der Erziehung gibt, machte der Verein Elternbildung Tirol gestern zum Thema seines Kongresses in Innsbruck.

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Innsbruck – Dem Arzt und Sozialmediziner Hans Czermak waren Kinder ein großes Anliegen. Ihm, dem Gründer des Österreichischen Kinderschutzbundes, ist es auch mit zu verdanken, dass vor inzwischen 30 Jahren jegliche Form von Gewalt in der Erziehung verboten wurde. Beim inzwischen siebten Kongress des Vereins Elternbildung Tirol wurde gestern an diese Leistung erinnert. Und ein Ausblick auf kommende Herausforderungen gegeben.

„Auch nach 30 Jahre polarisieren Kinderrechte immer noch“, glaubt Tirols Kinder- und Jugendanwältin Elisabeth Harasser. „Es gibt Erwachsene, die diese in Frage stellen.“ Auch wenn sich auf gesetzlicher Ebene viel getan habe – Österreich war 1989 das vierte Land weltweit, welches ein Gewaltverbot verabschiedete –, sei die Umsetzung von Kinderrechten im Alltag noch ausbaufähig, meint Harasser.

Der Verein Elternbildung Tirol sieht sich als Plattform für Organisationen, die „Eltern in ihren erzieherischen Kompetenzen stärken“, erklärt Geschäftsführerin Flora Papan­thimou. 61 Einrichtungen sind Mitglied. Der Ehrenobmann des Österreichischen Kinderschutzbundes, Josef Christian Aigner, führte aus: „Wir wollen öffentliche Bewusstseinsbildung dafür, dass es auch heute Kinder gibt, die Gewalt erfahren.“ Etwa struktureller Natur, wenn aufgrund einer finanziellen Notlage im Elternhaus die Rahmenbedingungen für eine unbeschwerte Kindheit nicht gegeben seien. Die Politik müsse sich künftig wieder mehr darum bemühen, sagt Aigner.

„Die Herausforderungen in der Kinder- und Jugenderziehung wachsen“, betont Soziallandesrätin Gabriele Fischer (Grüne). Und Familienlandesrätin Patrizia Zoller-Frisch­auf (ÖVP) glaubt: „Geht es der Familie gut, brauchen wir uns um die Gesellschaft keine Sorgen zu machen.“ Sie strich aber auch heraus, dass Tirol bei der Präventionsarbeit vorbildlich sei. (bfk)