Letztes Update am So, 27.10.2019 17:41

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Libanon

Zehntausende bilden 170 Kilometer lange Menschenkette im Libanon

Die Männer, Frauen und Kinder wollten so ein Zeichen für die nationale Einheit des Landes setzen. Sie richten sich gegen die Eliten des Landes und fordern einen politischen Wandel.

Über eine Strecke von 170 Kilometer erstreckte sich die Menschenkette.

© AFPÜber eine Strecke von 170 Kilometer erstreckte sich die Menschenkette.



Beirut – Zehntausende Libanesen haben am Sonntag eine Menschenkette durch das Land gebildet, um ein Zeichen für die nationale Einheit des Landes zu setzen. Von Tripoli im Norden des Landes bis Tyros im Süden hielten sich schätzungsweise hunderttausend Männer, Frauen und Kinder über eine Strecke von 170 Kilometern an den Händen.

In der Hauptstadt Beirut sangen viele laut die Nationalhymne.
In der Hauptstadt Beirut sangen viele laut die Nationalhymne.
- AFP

In Beirut, dem Hauptort der seit Tagen anhaltenden Proteste, sangen viele laut die Nationalhymne. Eine der Mitorganisatorinnen, Julie Tegho Bou Nassif, bezeichnete die ungewöhnliche Demonstration als „Erfolg“. Sie habe gezeigt, dass „wir ein Volk sind und uns lieben“, sagte die 31-jährige Geschichtsprofessorin der Nachrichtenagentur AFP.

Sinneswandel in der Politik gefordert

Die Proteste hatten sich am 17. Oktober an der Ankündigung der Regierung entzündet, WhatsApp-Anrufe zu besteuern. Inzwischen richten sie sich jedoch gegen die Eliten des Landes, denen es in den 30 Jahren seit Ende des Bürgerkriegs nicht gelungen ist, den Alltag der Menschen zu verbessern.

Viele Demonstranten geben der religiösen und ideologischen Zersplitterung der herrschenden Klasse die Schuld an der Misere des libanesischen Alltags. Sie halten deren Vertreter für korrupt und inkompetent und werfen ihnen vor, vorwiegend von Eigeninteressen getrieben zu sein.

Die vorwiegend jungen Organisatoren der Proteste fordern einen kompletten Wechsel des politischen Systems. Zugeständnisse der Einheitsregierung von Ministerpräsident Saad Hariri reichen ihnen nicht mehr aus. (APA/AFP)

Zehntausende Menschen hielten sich an den Händen.
Zehntausende Menschen hielten sich an den Händen.
- AFP



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