Letztes Update am Mi, 30.10.2019 12:34

TT / Tiroler Tageszeitung Onlineausgabe


Voting gestartet

Rauskickeln und Ibiza-Affäre: Anwärter für die Wörter und Sprüche des Jahres

Zack, zack, zack — abstimmen: Die Wahl zum Wort, Unwort, Jugendwort, Spruch und Unspruch des Jahres hat begonnen. Und bist du deppat, da sind ein paar schoafe Einzelfälle dabei. Also nur Mut, tu normal, sei ein Ehrenmann und mach' von deinem Wahlrecht Gebrauch.

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Wien — Ibiza und seine Folgen dominieren heuer die Wahl zum „Wort des Jahres 2019". Aber auch die Klimakrise und beruhigende Worte des Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen fanden Eingang in die Vorauswahl zum Wort, Unwort, Spruch, Unspruch und Jugendwort des Jahres. Abgestimmt werden kann online auf www.oewort.at, in der ersten Dezemberwoche wird das Ergebnis präsentiert.

Die Forschungsstelle Österreichisches Deutsch der Uni Graz hat in Kooperation mit der APA - Austria Presse Agentur wieder eine Liste mit Kandidaten zusammengestellt. Die Vorauswahl startete „zack, zack zack" vier Monate früher als üblich, um die aktuelle politische Situation samt Debatte darüber einzufangen. Das führte zu einem Teilnehmer-Rekord: Exakt 2.000 Personen gaben für mindestens eine Kategorie einen Vorschlag ab, im Vorjahr waren es 994 Personen gewesen. Somit hatte die Jury heuer die Wahl zwischen 1.327 Kandidatenwörtern und -sprüchen.

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Anwärter für das „Wort des Jahres"

  • Ibiza
  • Oligarchennichte
  • Kurzkanzler
  • Oberspesenritter
  • Schredderaffäre
  • Strachmatt
  • Bundeskanzlerin
  • Klimakatastrophe
  • Flugscham
  • Teigtascherlrazzia

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Anwärter für das „Unwort des Jahres"

  • Einzelfälle
  • lückenlose Aufklärung
  • persönlicher Feiertag
  • b'soffene Gschicht
  • Klimalüge
  • Zöpferl-Diktatur (so verhöhnte FPÖ-Chef Norbert Hofer die Klimaaktivistin Greta Thunberg)
  • Anti-Abschiebe-Industrie
  • Ausreisezentrum
  • Bevölkerungsaustausch
  • Humanitätsduselei

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Anwärter für das „Jugendwort des Jahres"

  • Ehrenmann / Ehrenfrau = jemand, der etwas Besonderes für einen tut
  • nice = kann mit "gut" oder "toll" übersetzt werden
  • rauskickeln = jemanden hinauswerfen
  • Influencer / Influencerin = Menschen mit hoher Reichweite auf Social Media
  • tu normal = reiß' dich zusammen
  • abloosen = verlieren, versagen
  • brexiten = sagen, dass man geht, aber dann doch nicht geht
  • random = alles, was beliebig ist oder willkürlich auftaucht

Auf oewort.at können auch eigene Vorschläge eingebracht werden — das wären unsere:

Alternativvorschläge für das „Jugendwort des Jahres"

  • Alles gucci = bedeutet „Alles gut", kann als Frage oder Antwort verwendet werden
  • Bratan/Bratina = russischer Slang-Ausdruck für Kumpel (Bratan) und Kumpelinen (Bratina)
  • cringe = etwas ist peinlich; zum Fremdschämen
  • Ehre nehmen = jemanden besiegen oder jemanden Respektlos behandeln
  • Gönnjamin = Bezeichnung für jemanden, der sich Luxus gönnt.
  • hustlen/Hustler = hart und viel arbeiten (um ggf. reich zu werden)
  • Lack gesoffen = Rhetorische Frage, ob jemand noch bei Trost ist
  • Mach kein Auge! = neidisch gucken
  • stabil = cool, gut, aber auch: „Bleib stabil" (bedeutet: halte durch, lass dich nicht unterkriegen)
  • Snitch = Verräter, Petze, Person, der man nicht vertrauen kann
  • safe = wenn etwas zu 100% sicher ist
  • triggern/getriggert = Ausdruck dafür, dass der wunde Punkt oder die Schwachstelle einer Person getroffen wurde, was dazu führt, dass die Person emotional reagiert
  • weil Baum = allgemeingültige, phrasenartige Antwort, die immer gesagt werden kann, wenn man nicht antworten kann oder will
  • jemanden zerstören = jemanden sachlich, ruhig und in einem Monolog kritisieren
  • Ich küss dein Auge! = Ausdruck großer Dankbarkeit
  • flexen = angeben/prahlen
  • auf meinen Nacken = jemanden etwas ausgeben
  • muss los = Reaktion auf eine peinliche Situation

Von der Rettung Österreichs und der Welt

Gleich drei der vier Sprüche des Jahres lieferte Bundespräsident Van der Bellen. „Nur Mut und etwas Zuversicht, wir kriegen das schon hin", appellierte er angesichts der politischen Lage infolge des Ibiza-Skandals im Mai an die Bevölkerung. „So sind wir nicht. So ist Österreich einfach nicht. Aber das müssen wir alle gemeinsam beweisen", waren weitere beruhigende Worte des Bundespräsidenten, die er in einer seiner vielen Ansprachen im heurigen Jahr an die Österreicher richtete. „Denn gerade in Zeiten wie diesen, zeigt sich die Eleganz, ja die Schönheit unserer österreichischen Bundesverfassung. Jeder Schritt, der jetzt getan wird, ist vorgesehen und in der Verfassung verankert." Mit diesen inzwischen bereits geflügelten Worten kommentierte das Staatsoberhaupt das „Betreten von Neuland" nach dem Ende der Regierungskoalition.

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Auch Greta Thunberg schaffte es, sich heuer für die Wahl zum Spruch des Jahres zu qualifizieren. „Wir können die Welt nicht retten, indem wir uns an die Spielregeln halten. Die Regeln müssen sich ändern, alles muss sich ändern und zwar heute", forderte die junge Klimaaktivistin.

Fragwürdigkeiten

Zu zwei Nominierungen schaffte es Strache beim Unspruch des Jahres, beide Sager tätigte er im Ibiza-Video. „Bist du deppat, die is schoaf" gefiel dem Ex-FPÖ-Obmann der Lockvogel auf Ibiza, mit dem alles begann. Und „zack, zack, zack" verlaufe ein „Krone"-Redakteurstausch nach HCs Vorstellung. „Die Richtung stimmt!" Mit dieser Aussage überraschte SPÖ-Vorsitzende Pamela Rendi-Wagner nach der Wahl-Schlappe für ihre Partei am 29. September. Mit einer sehr eigenwilligen Definition des Rechtsstaates sorgte der damals-noch-Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) für Empörung. „Denn ich glaube immer noch, dass der Grundsatz gilt, dass das Recht der Politik zu folgen hat und nicht die Politik dem Recht", stellte er die Menschenrechtskonvention infrage. (APA, TT.com)