Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 03.11.2019


Tirol

Elementarpädagogik-Studium in Tirol ist auf Schiene

Der Westen zieht nach. Ab 2021 startet das Bachelorstudium für Elementarpädagogik in Tirol.

In den 476 Tiroler Kindergärten waren im Betreuungsjahr 2018/19 3102 Personen im Kindergarten beschäftigt. Davon waren 1617 pädagogische Fachkräfte und 1485 Assistenzkräfte.

© Getty ImagesIn den 476 Tiroler Kindergärten waren im Betreuungsjahr 2018/19 3102 Personen im Kindergarten beschäftigt. Davon waren 1617 pädagogische Fachkräfte und 1485 Assistenzkräfte.



Innsbruck — Nach den östlichen Bundesländern führen jetzt auch Tirol und Vorarlberg ein gemeinsames Bachelorstudium für Elementarpädagogik ein. Vor Kurzem unterzeichneten die drei Rektoren Peter Trojer (Kirchliche Pädagogische Hochschule — Edith Stein), Gernot Brauchle (Pädagogische Hochschule Vorarlberg) und Thomas Schöpf (PH Tirol) eine Rahmenvereinbarung im Bildungsministerium.

Mit dem Studium will man auf die gesellschaftlichen Entwicklungen und die Herausforderungen im Kindergarten, die von Inklusion bis zur frühen Sprachförderung reichen, reagieren. „Was Elementarpädagoginnen leisten müssen, wird immer noch unterschätzt", sagt PH-Vizerektorin Elfriede Alber.

Wie Barbara Benoist-Kosler, Dozentin für Elementarpädagogik an der PHT, ausführt, soll eine Win-win-Situation entstehen. Denn derzeit beginnen über 40 Prozent der Absolventinnen der BAFEP (Bundesbildungsanstalt für Elementarpädagogik) nicht mit 19 im Kindergarten zu arbeiten. Viele studieren Lehramt oder Psychologie. „Jetzt können sie sich im Elementarbereich weiterqualifizieren" und damit viele dem Kindergarten erhalten bleiben.

Auch ein Masterstudium ist in Zusammenarbeit mit der Uni Innsbruck und der Freien Uni Bozen angedacht, erklärt PH-Rektor Thomas Schöpf. Generell möchte Schöpf den Fokus nicht auf die Kindergartenjahre beschränken, sondern auf das Alter von null bis sechs bzw. acht Jahre ausdehnen. In diesem Alter können viele Weichen, auch für benachteiligte Kinder, gelegt werden.

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Das Studium, das insbesondere für Führungsaufgaben qualifiziert, soll drei Jahre dauern, angedacht sind auch berufsbegleitende Modelle. Es wird in Tirol und Vorarlberg je einen Standort mit gemeinsamen Dozenten geben. In Innsbruck sind derzeit ca. 30 Studienplätze geplant. Zusatzbudget gibt es hierfür keines. Das neue Bachelorstudium gibt übrigens keine Berechtigung, im Kindergarten zu arbeiten. Die Berufszulassung erfolgt wie bisher durch Schule oder Kolleg.

Mit der weiterführenden Ausbildung geht auch die Hoffnung auf eine bessere Bezahlung einher. „Die Hochschule ist für die Qualifizierung zuständig", sagt Schöpf. Es sei Aufgabe der Politik, sich über die Gehälter Gedanken zu machen. Landesrätin Beate Palfrader meint grundsätzlich: „Da von Bundesland zu Bundesland unterschiedliche Regelungen bezüglich der Dienstgeber existieren, wäre es wünschenswert, dass es zu einer bundesweit einheitlichen Regelung bezüglich der Gehälter kommt."

Dienstgeber der Elementarpädagoginnen sind in Tirol die Gemeinden. Gemeindeverbandspräsident Ernst Schöpf sagt, dass „Gehaltsforderungen nur die logische Konsequenz der Akademisierung sind". Er fragt sich allerdings, wer dafür bezahlen wird. Zumal ja die Gratis-Kindergartenjahre eingeführt wurden. (strosa)