Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 01.11.2019


Osttirol

Museum Prägraten: Trübe Zukunft für “Tante Ju“

Teile eines Flugzeugs aus dem Zweiten Weltkrieg sollten das Herzstück eines Gletschermuseums in Prägraten werden. Stattdessen liegen sie in der Garage.

Bergretter und Mitbesitzer des Wracks Friedl Steiner mit dem restaurierten Cockpit der historischen Ju 52. Es ist provisorisch in einer Garage gelagert.

© OblasserBergretter und Mitbesitzer des Wracks Friedl Steiner mit dem restaurierten Cockpit der historischen Ju 52. Es ist provisorisch in einer Garage gelagert.



Von Catharina Oblasser

Prägraten a. Gr. – Es war ein Aufsehen erregender Fund, den die Prägratner Bergrettung im Jahr 2002 machte: Aus dem Umbalkees, einem Gletscher der Venedigergruppe, waren Wrackteile eines Flugzeugs ausgeapert. Dabei handelte es sich um eine Junkers 52, im Volksmund „Tante Ju“ genannt. Im Gletscher lag sie seit 1941, als deutsche Soldaten im Kriegseinsatz auf 3200 Metern Seehöhe notlanden mussten. Nicht alle Mitglieder der Besatzung überlebten.

Friedl Steiner, der damals Obmann der Bergrettung war, erinnert sich an die Entdeckung: „Das Flugzeug ist im Lauf der Jahre mit dem Gletscher nach unten gewandert. Wir haben die Teile 500 Meter unter dem Notlandeplatz gefunden und uns bemüht, sie möglichst schnell ins Tal zu bringen.“ Mit der „Tante Ju“ verbindet Friedl Steiner außerdem ein besonderer Umstand: Sein Großvater Josef gehörte der Bergrettungsmannschaft an, die 1941 zu den notgelandeten Soldaten aufstieg.

Das historische Flugzeug mit der bewegenden Geschichte gab anfangs Anlass zu großen Plänen. Mit Hilfe eines fachkundigen Experten wurde das Cockpit restauriert und mehrmals ausgestellt, unter anderem 2005 bei der langen Nacht der Forschung in der Universität Innsbruck, 2007 im Hof von Schloss Bruck in Lienz­ und später im Hugo-Junkers-Hangar in Mönchengladbach. Um 2010 kam die Idee zu einem Museum „Berg- und Gletscherwelten“ in Prägraten auf, das die Gemeinde mit dem Tourismusverband und Sponsoren auf die Beine stellen wollte. Die „Tante Ju“ aus dem ewigen Eis sollte die Hauptattraktion sein.

Mittlerweile ist die Euphorie verflogen, die Besitzverhältnisse haben sich geändert. Das Wrack gehört zur Hälfte dem Finder, also der Bergrettung Prägraten. Die andere Hälfte stand ursprünglich dem Grundbesitzer des Fundortes zu, also dem Alpenverein. Dieser übertrug das Eigentum der Gemeinde Prägraten, inzwischen hat Friedl Steiner den Anteil abgelöst und ist nun Hälfteeigentümer der Flugzeug-Überreste.

Anfragen, die historischen Fundstücke auszustellen, hat es schon lange nicht mehr gegeben, sagt Steiner. „Wir haben einen Vertrag mit einer Firma geschlossen, die sich darum kümmern sollte. Doch dieser Vertrag läuft 2020 aus“, so der Bergretter aus Prägraten.

Die „Tante Ju“ selbst liegt in Einzelteilen in mehreren Räumen des Ortes. Das restaurierte Cockpit, die Tragflächen, Tanks, Motoren und Bleche harren in Garagen und Lagern einer ungewissen Zukunft. „Dabei würde das Flugzeug sicher viele Menschen interessieren, wenn es nur entsprechend präsentiert wird“, bedauert Steiner.

So sahen die ausgeaperten Überreste des Flugzeugs aus, das 1941 auf dem Gletscher in Prägraten notlanden musste.
So sahen die ausgeaperten Überreste des Flugzeugs aus, das 1941 auf dem Gletscher in Prägraten notlanden musste.
- Rainer