Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom So, 03.11.2019


Tirol

Rauchverbot in Lokalen: Erste Bilanz in Tirol fällt positiv aus

Seit 1. November müssen Raucher ihre Zigarette vor dem Lokal anzünden. Die MÜG kontrollierte am Freitag 50 Betriebe, in zwei wurde gequalmt.

Zu Allerheiligen – am ersten Tag des Verbotes – traf man viele Raucher im Freien an. Die meisten nahmen es recht locker.

© BöhmZu Allerheiligen – am ersten Tag des Verbotes – traf man viele Raucher im Freien an. Die meisten nahmen es recht locker.



Von Denise Daum und Eva-Maria Fankhauser

Innsbruck — Dicker Rauch hängt in der Luft. Die gläserne Abtrennung zum Nichtraucherbereich steht sperrangelweit offen. Die Halloween-Nacht wird in Innsbruck ausgelassen gefeiert. Die Aschenbecher quellen auch nach dem Inkrafttreten des Rauchverbots um Mitternacht über. „Heute Nacht ignoriere ich das Verbot noch. Ich finde es blöd. Ich bin eigentlich Nichtraucher. Aber einmal in der Woche beim Ausgehen rauche ich eine oder zwei Zigarren. Das geht jetzt nicht mehr und das stört mich total", sagt ein Mann aus Rum, als er — zum letzten Mal in einem Lokal — genüsslich an seiner Zigarre zieht.

„Am Freitagabend haben wir mit den Kontrollen begonnen. Die erste Bilanz fällt positiv aus“, meint Elmar Rizzoli (MÜG-Chef).
„Am Freitagabend haben wir mit den Kontrollen begonnen. Die erste Bilanz fällt positiv aus“, meint Elmar Rizzoli (MÜG-Chef).
- Rottensteiner

Wenige Stunden später sieht das aber ganz anders aus. Das Verbot ist in den Lokalen angekommen. Und die Raucher machen es sich zu Allerheiligen vor den Lokalen gemütlich. „Mich stört das nicht. Ich habe das Rauchverbot schon lange erwartet", sagt die Innsbruckerin Paula vorm Dom Café. Sie sitze gerne draußen und genieße ihre Zigarette in Ruhe. „Zu kalt ist mir da nie. Ich bin das gewöhnt." Nur wenige Meter weiter kommt ein Mann aus einer Bar und steckt sich eine Zigarette an. „Ich sehe es positiv, wenn drinnen nicht mehr geraucht wird. Vielleicht unterstützt das auch manche, dass sie das Rauchen lassen", meint er. Dass das Rauchverbot ohne Ausnahme umgesetzt wurde, findet Patrick aus Innsbruck gut. „Wenn, dann muss man das richtig machen", sagt der Raucher vor einem Café beim Goldenen Dachl.

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- Thomas Boehm / TT

„Mich nervt es als Nichtraucherin, wenn man plötzlich alleine am Tisch sitzt, weil alle rausgehen zum Rauchen", sagt eine Frau im Gastgarten des Stage 12. Sie sitzt in warmen Decken eingemurmelt mit ihren Freundinnen abends im Freien. Alle drei sind vom Rauchverbot überzeugt. „Eigentlich hat's ja lange gedauert, bis es in Österreich auch so weit war", sagt ihre Freundin. Auch Enrique Gasa Valga, Tanz-Chef am Tiroler Landestheater, sitzt vor der Tür eines Lokals und raucht. „Mir hat die Lösung vorher mit Raucherräumen besser gefallen", sagt er. Aber für die Angestellten sei es positiv.

Das sieht Kellner Julien nicht so. Er verstehe, wenn seine Kollegen nun aufatmen, ihn habe es als Raucher aber nie gestört. „Ich finde es schade, für mich hat das Rauchen zur Barkultur dazugehört." Er sieht auch andere Nachteile: „Ich kann nie wissen, ob meine Gäste nur eine rauchen gehen oder ohne zu zahlen abhauen. Außerdem müssen wir immer aufpassen, dass sie nicht mit den Gläsern rausgehen und vor der Tür liegen dann unzählige Tschickstummel. Schön ist das nicht", sagt der junge Innsbrucker vor der Orangerie. Auch für die Türsteher eines Nachtlokals bedeutet das Rauchverbot mehr Arbeit, vor allem vor der Lokaltür. „Ich sehe es aber grundsätzlich positiv. Es war höchste Zeit."

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- Thomas Boehm / TT

Fatale Auswirkungen des generellen Rauchverbots befürchtet indes der Innsbrucker Gastronom Patrick Liebhart, der mehrere Lokale betreibt, in denen bis zum 1. November geraucht werden durfte. Vor allem für seinen Nachtclub „Filou" sieht er für die Zukunft schwarz. „Das Filou wird es in dieser Form in einem halben Jahr nicht mehr geben", erklärt Liebhart. Probleme mit den Nachbarn — speziell mit einem — habe er nämlich ohnehin jetzt schon. „Wenn dann die Raucher draußen stehen, hat der Nachbar einen Grund, die MÜG (Mobile Überwachungsgruppe, Anm.) anzurufen. Dann kommt die erste Strafe, dann Anzeigen und irgendwann die Vorverlegung der Sperrstunde. Dann haben wir ein Probelm", sagt Liebhart. Denn so richtig los geht es im Filou meist erst ab 2 Uhr. Dass der Lärmpegel in Zukunft vor seinem Nachtclub steigt, steht für Liebhart außer Frage. Ein weiteres Problem sieht er in der Umsetzung des Rauchverbots. „Für mich als Gastronom wird es schwer sein zu kontrollieren, ob sich da jemand im Getümmel auf der Tanzfläche eine anzündet."

Sehr wohl kontrolliert hat die MÜG in Innsbruck am Freitagabend. Von 20 Uhr bis Mitternacht haben die Mitarbeiter der Mobilen Überwachungsgruppe rund 50 Betrieben in der Innenstadt und der Bogenmeile einen Besuch abgestattet. Die erste Bilanz fällt für MÜG-Chef Elmar Rizzoli positiv aus. „In zwei Lokalen wurde geraucht. Wobei es sich in einem um ein Missverständnis gehandelt haben dürfte. Geraucht wurden dort Wasserpfeifen, der Betreiber ging davon aus, dass das legal ist." Beim anderen Betrieb lag schon mehr im Argen, dort fehlte gar die Gastgewerbeberechtigung. Eine Strafe ist nun die Folge. Einen Anstieg von Lärmmeldungen verzeichnet Rizzoli bislang noch nicht.




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