Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mo, 04.11.2019


Innsbruck

Die Kunstkirche im Herzen der Landeshauptstadt

Bischofsvikar Jakob Bürgler will bei der Innsbrucker Spitalskirche nicht nur die Tore öffnen – auch Musik und Schauspiel sollen Platz haben.

Jakob Bürgler vor dem im September installierten „Prototyp der neuen Dimension“.

© StegmayrJakob Bürgler vor dem im September installierten „Prototyp der neuen Dimension“.



Innsbruck – Seit Oktober 2018 erfährt die „Spitalskirche“ in der Innsbrucker Innenstadt unter ihrem Rektor, dem Bischofsvikar und einstigen Diözesanadministrator Jakob Bürgler, eine kunstsinnige Neuausrichtung. Als reine „Kunstkirche“ will sie Bürgler aber nicht verstanden wissen.

Eher schon sollen die Kunstaktionen neugierig auf die Spitalskirche und auf Kirche generell machen. „Wir als Kirche haben wichtige spirituelle Formen, Werte und Schätze zu bieten“, betont Bürgler. Um auf diese hinzuweisen, scheut sich das Team der Spitalskirche auch nicht, Kontroversen auszulösen. „Die heftigen Reaktionen auf unsere letzte Ausstellung mit dem Titel ‚Personal Jesus‘ haben uns nicht überrascht“, meint der Bischofsvikar. Bewusst provozieren wolle man nicht, sondern vielmehr die Leute „beschäftigen“ und aus der „Gleichgültigkeit aufrütteln“, beschreibt Bürgler die Intention der Kunstaktionen.

Zuletzt mischte sich die Spitalskirche mit zwei Werken von Alois Schild zudem in den politischen Diskurs der Gegenwart. Die Reaktionen auf die Kunstwerke fallen ambivalent aus, wie es auch ein aufgelegtes Gästebuch in der Kirche verrät. Schlagworte, die von „wunderbar“ bis hin zu „verrückt“ reichen, fallen einem in diesem sofort ins Auge.

Mit einer rein politischen Leseweise der Kunstwerke ist Bürgler dabei nicht einverstanden, mit dem an ihn zum Teil herangetragenen Vorwurf einer impliziten Wahlempfehlung durch die Kirche noch viel weniger. „Die parteipolitische Leseweise ist jedenfalls nicht intendiert, die Kunst soll tiefer gehen und tiefgründiger sein“, sagt Bürgler. „Letztlich geht es um die Frage, wie wir menschenwürdig miteinander umgehen und wie ein gutes Miteinander unterschiedlicher Kulturen und Wertehaltungen möglich ist“, skizziert er Fragen, die die aktuelle Kunstinstallation aufwerfen soll. Außerdem sei diese auch eine Botschaft an die Kirche selbst: „Die Kirche darf keine Mauern um sich bauen, sondern muss offen sein“.

Exakt diese Offenheit will man jedenfalls bei der Spitals­kirche auf mehreren Ebenen ausstrahlen und umsetzen. „Die Kunst ist bei diesen Bemühungen eigentlich nur ein Teil davon“, berichtet Bürgler. Es beginne schon mit der Eingangstür, die, im Gegensatz zu früher, weit geöffnet sei und von außen schon einen Blick in die Kirche erlaube. Die Spitalskirche will aber nicht nur vorbeieilende Menschen von der Straße in den sakralen Raum ziehen, sei es durch die monumentale Mauer von Alois Schild auf der Straße oder durch die offene Türe, sondern sie möchte sich auch zunehmend im öffentlichen Raum ringsum positionieren. Begonnen hat das beispielsweise bereits mit dem Verteilen des Aschekreuzes mitten auf der bekannten Einkaufsstraße.

Künftig will der nunmehr in der Öffentlichkeit bereits als „Kunstkirche“ bekannte Sakralraum sein Angebot noch erweitern. „Ich möchte zum Beispiel auch die Musik forcieren, kann mir Schauspiel oder Tanz vorstellen und nicht zuletzt sollen auch unterschiedliche spirituelle und liturgische Angebote in der Kirche da sein“, sagt Bürgler. Die Spitalskirche solle jedenfalls zugleich ein Ort der Ruhe und Einkehr als auch ein Ort des Aufrüttelns, etwa durch Kunstwerke, sein. „In diesem Spannungsfeld befindet sich diese Kirche im Moment und das macht sie so interessant“, merkt Bürgler an. (mst)


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