Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Mi, 06.11.2019


Tirol

Gottes vergessene Töchter: Katholische Frauen für Priesterinnen in der Kirche

Vertreterinnen der katholischen Frauen in Tirol fordern die Zulassung zu allen Weiheämtern in der Kirche.

Zahlreiche Frauen in der katholischen Kirche fordern die Zulassung zu allen Weiheämtern.

© Rudy De MoorZahlreiche Frauen in der katholischen Kirche fordern die Zulassung zu allen Weiheämtern.



Innsbruck – In der Diskussion um die Zulassung verheirateter Männer zum Priesteramt melden sich nun die Vertreterinnen der katholischen Frauen zu Wort. Für Angelika Ritter-Grepl, Leiterin des Frauenreferats der Diözese Innsbruck, Bernadette Fürhapter, Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung, und Ingrid Jehle, Vorsitzende der Frauenkommission der Diözese, geht die Ämterdiskussion in der katholischen Kirche nicht weit genug. Vielmehr werde diese in der Öffentlichkeit einseitig verkürzt.

„Das Thema des Zölibats für Männer und der Zulassung von verheirateten Männern zum Priestertum überdeckt alles“, sagt Ritter-Grepl. „Der offensichtliche Elefant im Raum – nämlich die Frage der Frauen und ihrer Zulassung zum Priestertum – bleibt unbenannt.“ Das Priestertum befinde sich in einer grundlegenden Krise, die sich nur mit der Einleitung von visionären Wandlungsprozessen bearbeiten lasse, sind die drei Frauen überzeugt. „Aus Frauenperspektive ist festzustellen, dass seit Jahrhunderten zölibatär lebende, erstklassig ausgebildete Ordensfrauen die Kirche gestalten und es Ordensfrauen in sehr großer Zahl gibt, die sofort durch eine Weihe in ihren Einsatzorten Gottesdienste feiern könnten“, sagt Ritter-Grepl. Die Fixierung der Priesterfrage auf männliche Berufungen sei keine nachhaltige Lösung. Ebenso biete das Hin und Her zum Diakonat der Frauen keinen Ansatzpunkt, denn das ständige Diakonat und das katholische Priestertum seien grundlegend unterschiedlich und könnten auch nicht gegenseitig ersetzt werden. „Schon nicht bei den Männern und damit zukünftig auch nicht bei Frauen. Diakone sind keine Priester“, betont die Leiterin des Frauenreferats der Diözese.

Die Kirche müsse ihre Glaubwürdigkeit im Einsatz für die christliche Weltgestaltung verstärken, „indem sie die gleiche Würde von Fraue­n und Männern und die Gott­ebenbildlichkeit der Geschlechter in ihren Strukturen durch Gleichberechtigung zum Leben erweckt“. „Viele katholische Frauen wollen nicht mehr Gottes vergessene Töchter bleiben, sondern fordern die Anerkennung ihrer Gotteskindschaft durch die Zulassung zu allen Weihe­ämtern ein“, so Ritter-Grepl.

Unterdessen hat die Pfarrerinitiative der Diözese Innsbruck dazu eingeladen, eine von Pastoraltheologen Paul Zulehner gestartete Online-Petition zu unterstützen. Unter www.amazonien-auch-bei-uns.com wird die Bischofskonferenz aufgefordert, neben der Grundform des zölibatären Priesters auch bewährten verheirateten Personen den Zugang zur Priesterweihe zu eröffnen. Fraue­n soll für denselben Weg als erster Schritt umgehend der Zugang zum Diakonat ermöglicht werden. (np, TT)

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