Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Fr, 08.11.2019


Tirol

„G’sunde Watsch’n“ trotz 30 Jahre Gewaltverbot

Eva Baumann (Lehrerin der Tiroler FBS für Garten, Raum und Mode) und Enola und Theresa (v. l.), zwei der Schülerinne­n, mit ihren Abschlussarbeiten, den „Kinderrechte-Stühlen“.

© Vanessa Rachlé / TTEva Baumann (Lehrerin der Tiroler FBS für Garten, Raum und Mode) und Enola und Theresa (v. l.), zwei der Schülerinne­n, mit ihren Abschlussarbeiten, den „Kinderrechte-Stühlen“.



Seit 2011 ist in Österreich das Kinderrecht auf Schutz vor Gewalt im Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern verankert. Bereits deutlich früher, nämlich am 1. Juli 1989, wurde hierzulande das Gewaltverbot in der Erziehung eingeführt. „Österreich war weltweit das vierte Land, das ein Gewaltverbot in der Erziehung gesetzlich verankert hat", erklärt Elisabeth Harasser, Kinder- und Jugendanwältin für Tirol. Und obwohl man damit eine Vorreiterrolle eingenommen hat, komme es letztlich auf die Umsetzung an, betont Harasser. Genau hier ortet sie allerdings weiteren Sensibilisierungs- und Aufklärungsbedarf. „Der Mythos der ,g'sund'n Watsch'n' hält sich hartnäckig", sagt die Kinder- und Jugendanwältin. Diese sei aber genauso unentschuldbar, wie wenn einem „einmal die Hand ausrutscht". Für Gewalt in der Erziehung gibt es keine „Unbedenklichkeitsgrenze", betont Harasser. „Gewalt ist in jeder Ausprägung und Intensität ein Angriff auf die Würde und Integrität des Opfers."

Plüschdrache Fridolin hilft Elisabeth Harrasser (l.) und Theresa Auer dabei, Kinder wie Niklas Tusch, Hannes Peer, Sofiane Hani und Anne-Marie Köll (v. l.) von der NMS Stams/Rietz über ihre Rechte aufzuklären.
Plüschdrache Fridolin hilft Elisabeth Harrasser (l.) und Theresa Auer dabei, Kinder wie Niklas Tusch, Hannes Peer, Sofiane Hani und Anne-Marie Köll (v. l.) von der NMS Stams/Rietz über ihre Rechte aufzuklären.
- Paumgartten

Die Kinder- und Jugendanwaltschaft Tirol besucht daher regelmäßig Schulen und Kindergärten, um im Rahmen von Workshops die Kinder über ihre Rechte aufzuklären. Denn nicht nur in den Familien, sondern auch in Betreuungs- und Bildungseinrichtungen sowie in Organisationen und Vereinen der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit müssen Kinder und Jugendliche sichere Orte vorfinden, in denen sie sich gut entwickeln und beschützt aufwachsen können. „Gewalt, Übergriffe und Machtmissbrauch dürfen hier keinen Platz habe", sagt Theresa Aue­r, Mitarbeiterin der Kinder- und Jugendanwaltschaft.

Um Kinderrechte drehte sich gestern Nachmittag auch alles am Innsbrucker Sparkassenplatz. Anlässlich des „Tages der Kinderrechte" am 20. November haben Schülerinnen der Tiroler Fachberufsschule für Garten, Raum und Mode in Zusammenarbeit mit SOS-Kinderdorf 30 Kinderstühle dekoriert. Diese stehen für 30 Jahre Kinderrechte in Österreich. Die Stühle werden in den kommenden Tagen diverse Geschäfte in der Innenstadt schmücken. (np, vg)

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