Printausgabe der Tiroler Tageszeitung vom Di, 12.11.2019


Bezirk Schwaz

Pläne um altes Jagdschloss in Hinterriß liegen im Dunkeln

Seit rund 30 Jahren verfällt das Jagdschloss in der Hinterriß. Plötzlich reißen sich gleich mehrere Interessenten um das Anwesen.

Das in die Jahre gekommene Jagdschloss auf einem Areal von knapp 6300 m² in der Hinterriß hat im Juli den Besitzer gewechselt. Was genau daraus wird, ist bisher noch unklar.

© ReindlDas in die Jahre gekommene Jagdschloss auf einem Areal von knapp 6300 m² in der Hinterriß hat im Juli den Besitzer gewechselt. Was genau daraus wird, ist bisher noch unklar.



Von Eva-Maria Fankhauser

Eben am Achensee – „Rettet mit uns das historische Jagdschloss in Hinterriß“ – mit diesen Worten startete eine sächsische Familie vor Kurzem eine Sammelaktion. Per Crowdfunding versuchten sie online Geld für eine Sanierung des Jagdschlosses zusammenzubekommen. Sie wollten die alten Zeiten aufleben lassen, dem Schloss wieder Leben einhauchen. In einem Video erzählte die Familie, wie sie im Wanderurlau­b auf die alten, verwitterten Gemäuer gestoßen war und wie traurig es sei, dass das Schloss immer weiter verfalle. Die Schlossretter wollten daraus ein Schmuckstück machen und es auch für die Öffentlichkeit öffnen, eine Gastronomie einbinden und vieles mehr.

Aber dazu wird es nicht mehr kommen. „Wir haben durch einen Zufall erfahren, dass uns jemand zuvorgekommen ist“, sagt Ronny Spiller im TT-Gespräch. Die Sammelaktion ist gestoppt. Der Traum vom Schloss geplatzt.

Auf diversen Verkaufsplattformen ist das jahrelang unbewohnte Schloss, das im Naturschutzgebiet Karwendel liegt, plötzlich verschwunden. In der Hinterriß wird gemunkelt, dass öfters ein Münchner am Schlossareal gesichtet wurde. Laut Grundbuch wurde das knapp 6300 m² große Grundstück samt Jagdschloss, Gärten und Waldfläche heuer im Juli verkauft. Die derzeitige Wohnadresse des Käufers liegt in Schwendau. Eine Mietwohnung. Der Name des Käufers und des Münchners, der zum Zeitpunkt des Kaufes und auch danach öfters am Grundstück gesehen wurde, ist derselbe.

Seiner Familie gehört ein Traditionskaufhaus in München. Der Pressesprecher des Unternehmens erklärte auf TT-Anfrage jedoch, dass die Familie „in keinerlei Weise“ in dieses Projekt involviert sei. Auf weitere Nachfragen kam keine Reaktion mehr.

„In meiner 20-jährigen Karriere gab es rund 50 Leute, die sich für das alte Jagdschloss in der Hinterriß interessiert hätten“, sagt BM Hausberger von der Gemeinde Eben am Achensee. Doch das Interesse sei jedes Mal wieder versiegt. „Vor allem, weil ein Käufer seinen Hauptwohnsitz hier haben muss, denn ein Freizeitwohnsitz geht sich bei uns nicht mehr aus. Wir haben das Maximum erreicht“, sagt Hausberger. Vom Interessenten aus München habe er auch schon gehört. Dass der Kauf durch sei, wisse er aber genauso wenig wie der Gemeindeamtsleiter. Laut Schwazer Bezirksgericht habe man die Unterlagen zum Kauf Mitte September an die Gemeinde weitergeleitet.

Laut einem Gemeindebürger habe der Käufer bei einem Besuch in Hinterriß erklärt, dass er das Jagdschloss sanieren und dort wohnen wolle. Von einer Gastronomie oder Ähnlichem habe er nicht gesprochen.